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Aufblende : Der K2 ist für Hollywood doch eine Nummer zu groß

  • -Aktualisiert am

Die spannendsten Actionszenen sind natürlich im Studio gedreht worden: Das Abspringen von den Kufen des Hubschraubers; die Gletscherspalte, 16 Meter tief, in die aus großen Tanks „eine Schneelawine hineingepustet“ wird. Trotz des großen Aufwands aber ist es nicht gelungen, die Handlung realistisch erscheinen zu lassen. Fast nichts in diesem Film sieht aus wie am wirklichen Berg. Ob mit einer Sprengladung eine Lawine ausgelöst wird oder nach einer Explosion der halbe Berg in die Luft fliegt - es ist zum Lachen.

Leider strotzt dieser Film auch vor Heldentümelei, Vorurteilen und Klischees. Wer aber die Welt über den Wolken nicht kennt, ist verleitet, „Vertical Limit“ mit der Realität zu verwechseln: sehr viel Hightech, Partys, Wetterstation und Hubschrauber, die einschweben und aufsteigen wie auf einem Provinzflughafen. Dazwischen ein bisschen Bergsteigen.

Leichtfertiger Umgang mit Nitroglyzerin

Mag „Vertical Limit“ der Film mit den meisten und aufwändigsten Helikopterszenen sein, den Wahn, menschliche Grenzen zu überschreiten, zeigt er nicht. Peter schafft es zwar seine Schwester zu retten, der Film schafft es aber nicht, erfahrene Bergsteiger zu überzeugen. So wenig die Berge um den Mount Cook aussehen wie der Himalaja, so wenig verhalten sich Menschen im Grenzbereich zwischen Leben und Tod wie in diesem Film.

Auch die Rettung selbst wirkt auf mich wie ein Pfadfinderspiel. Dabei gehen die Helfer als lebende Bomben ans Werk. Sie tragen Nitroglyzerin im Rucksack und machen alles falsch. Nein, sie kommen nicht höher, im Gegenteil, die Bilder im Film suggerieren mit zunehmender Höhe tiefere Gefilde. Und wie die Sicherung aus dem Eis kippt, hat etwas Irreales! Als wären die Naturgesetze außer Kraft gesetzt! Pit Schubert, der weltweit erfahrenste Sicherheitsexperte, ein Deutscher, kann bei so vielen „Wundern“ nur noch den Kopf schütteln oder an sich selbst zweifeln. Wie Ed Viesturs, ein US-Star-Bergsteiger, der hinter der Kamera als Berater fungierte, so viel Unfug durchgehen lassen konnte, bleibt mir ein Rätsel.

Den Bilder fehlt die Atmosphäre extremer Höhen

Mit Hilfe von Idealismen, Klischees und Action sollte in „Vertical Limit“ die Illusion projiziert werden, wie sich das Leben in „10.000 Metern Höhe“ so abspielt. Nur, den Bildern fehlt die Atmosphäre extremer Höhen, den Akteuren, von denen wir glauben sollen, dass sie die besten Kletterer der Welt sind, sieht man in den aufregenden Action-Sequenzen nicht an, dass sie in eine menschenfeindliche Welt geworfen sind. Film-Realität also, die es so nicht gibt, obwohl solche Szenen nie vorher gefilmt worden sind.

Es wird in Wirklichkeit viel schwieriger geklettert und viel mehr gewagt als in „Vertical Limit“ gezeigt. Und noch ein Missverständnis. Das viel beschworene Dexamethasone (oder „Dex“, wie man im Film dazu sagt) ist nicht der Unterschied zwischen Leben und Tod. „Dex“ ist das Eingeständnis des Scheiterns. Wie schon mit Cliffhanger (Cliffhanger - Nur die Starken überleben, 1993), K2 (K2 - Das letzte Abenteuer, 1992) und The Edge (Auf Messers Schneide - Rivalen am Abgrund, 1997) zeigt auch „Vertical Limit“, dass der Berg, vor allem der K2, eine Nummer zu groß ist für Hollywood.

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