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Hallen-Europameisterschaft : Leichtathletik in der Nussschale

Kann alles außer Kugelstoßen: Katarina Johnson Thompson Bild: dpa

Auf beengtem Raum in der Halle gelingt Mehrkämpfer Arthur Abele der Wettkampf seines Lebens: er gewinnt Silber im Siebenkampf. Im Fünfkampf zeigt eine zarte Britin, dass man auch ohne Kugelstoßen Gold gewinnen kann. 

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          Keine weiten Würfe, keine langen Sprints, dazu eingeschränkte Läufe mit engen Kurven: Hallen-Meisterschaften in der Leichtathletik leben mit der Begrenzung, auf engstem Raum so viele Bewegungsformen wie gerade möglich unterzubringen. Dabei bietet der Mehrkampf so etwas wie die Sportart in der Nussschale. Denn auch die Vielseitigen müssen sich mit eingeschränktem Programm begnügen.

          Bei den Hallen-Europameisterschaften in Prag zeigte sich der Ulmer Arthur Abele an diesem Wochenende perfekt vorbereitet auf das reduzierte Programm. Als erster Deutscher überhaupt gewann der 28-Jährige eine Medaille im Siebenkampf. Dem „Zehnkämpfer aus Leidenschaft“, wie er sich selbst bezeichnet, gelang dabei das Kunststück, in sechs der sieben gefragten Teildisziplinen persönliche Bestmarken aufzustellen. Was allerdings auch damit zusammen hängt, dass er bislang in seiner von Verletzungspech geprägten Karriere überhaupt erst einen Hallen-Mehrkampf bis zum Ende hatte durchziehen können.

          Diesmal zeigte sich der vermeintlich Unvollendete aber unverwüstlich und lief von Beginn an im Flow. Nachdem er sich Samstag früh in 6,93 Sekunden über 60 Meter an die Spitze des Feldes gesetzt hatte, ließ er die Medaillenränge bis Sonntagnachmittag nicht mehr aus dem Blick. Mit 7,56 Meter im Weitsprung sowie 15,54 Meter im Kugelstoßen ließ er am ersten Tag weitere Hausrekorde folgen. Und nach 1,92 Meter im Hochsprung übernachtete er auf dem Silberrang.

          Deutlicher Fingerzeig: Artur Abele gewinnt Silber im Siebenkampf
          Deutlicher Fingerzeig: Artur Abele gewinnt Silber im Siebenkampf : Bild: AP

          Seine 7,67 Sekunden über 60 Meter Hürden zu Beginn des zweiten Tages entsprachen einem europäischen Hallenrekord für Siebenkämpfer. Er selbst bezeichnete den Hürdensprint als „Granate hoch zehn“. Entsprechend beflügelt ging er das Stabhochspringen an, bei dem er zwar nicht ganz zeigen konnte, was er drauf hatte, doch mit 4,90 Metern zufrieden sein durfte. Auch die abschließenden 2:35,64 Minuten über 1000 Meter bedeuteten persönliche Bestleistung. In der Summe sammelte Abele 6279 Punkte – und gewann „nach zwei sensationellen Tagen“ Silber hinter dem Russen Ilja Schkurenjow (6353). Abele zeigte sich in einer ersten Reaktion „einfach nur erleichtert“. Titelverteidiger Eelco Sintnicolaas aus den Niederlanden (6185) sicherte sich Bronze.

          Katarina Johnson-Thompson schafft exakt 5000 Punkte

          Königin der kleinen Form bei den Frauen wurde die Britin Katarina Johnson-Thompson, ein ausgewiesener Springertyp, die dies in Prag vortrefflich bewies. Die 22-Jährige mit dem sperrigen Namen und der leichtfüßigen Technik schaffte das Kunststück, mit vier Einzelsiegen und einem letzten Platz exakt 5000 Punkte einzusammeln. Dabei bedeuteten ihre 12,32 Meter im Kugelstoßen sogar persönliche Bestmarke, mit ihren dünnen Armen blieb sie dennoch zwei, drei Meter unter dem allgemeinen Maß für Mehrkämpferinnen. Doch wer braucht Kugelstoßen, wenn er so schön, weit und hoch springen kann wie sie?

          Von einer Mehrkämpferin bezwungen: Verena Sailer sprintet zu Bronze
          Von einer Mehrkämpferin bezwungen: Verena Sailer sprintet zu Bronze : Bild: dpa

          1,95 Meter im Hochsprung hätten auch bei den Spezialspringerinnen zu Bronze gereicht, 6,89 Meter im Weitsprung wäre sogar Silber Wert gewesen. 2014 war sie tatsächlich WM-Zweite im Weitsprung gewesen. Glück für die deutsche Meisterin Sosthene Moguenara, dass die Britin sich diesmal auf den Mehrkampf konzentrierte. Denn so blieb der 25-Jährigen vom TV Wattenscheid Silber, 6,83 Meter reichten zu ihrer ersten internationalen Medaille. Katarina Johnson-Thompson kratzte im 800-Meter-Lauf sogar am Hallen-Weltrekord der Ukrainerin Natalia Dobrynska, doch bei ihrem Solo in 2:12,78 Minuten fehlten ihr am Ende eine knappe Sekunde oder 13 Punkte.

          Bronze für Sailer

          Eine weitere Mehrkämpferin zeigte sich unterdessen im Sprint unschlagbar. Die Niederländerin Dafne Schippers sprintete in der Weltjahresbestzeit von 7,05 Sekunden zum Titel über 60 Meter. Für Verena Sailer, die in Vor- und Zwischenlauf ihre persönliche Bestmarke auf 7,08 Sekunden gesteigert hatte, blieb Rang drei (7,09). Über ihren Medaillengewinn äußerte sich die Mannheimerin ebenso zufrieden, wie ihre Wattenscheider Sprintkollegen Christian Blum und Julian Reus, die Silber und Bronze gewannen und die deutsche Ausbeute in Prag auf sechs Medaillen steigerten.

          Stets in Weltrekordnähe agiert ein Franzose, für den sich der Begriff „Überflieger“ längst als Synonym eingebürgert hat. Stabhochspringer Renaud Lavillenie gewann mit 6,04 Metern. Auch wenn er am Weltrekord von 6,17 scheiterte, zeigte der Olympiasieger, dass ihm auch in der engen Halle kaum Grenzen gesetzt sind.

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