https://www.faz.net/-gtl-73jc3

Armstrong-Kommentar : Und es geht doch!

  • -Aktualisiert am

Im Sturm: Lance Armstrong, 1999 im Gelben Trikot der Tour de France Bild: dpa

Die Usada hat Lance Armstrong überführt. Der Wille der amerikanischen Dopingjäger fehlt anderswo - zum Beispiel in Deutschland.

          1 Min.

          Armstrong ist zur Strecke gebracht, sein fein durchdachtes Manipulationssystem entlarvt. Schon spricht die amerikanische Antidoping-Agentur (Usada) von der Enttarnung des „professionellsten Dopingprogramms, das die Sportwelt jemals gesehen hat“. Der Ruhm für ihre Arbeit sei ihr gegönnt. Aber was sind zwanzig Radprofis unter Stoff gegen drei Generationen vergifteter Athleten im flächendeckenden Dopingsystem der DDR?

          Nein, die Nachricht des Tages ist nicht die 1000 Seiten starke Dokumentation von Armstrongs übler Tour. Dass er selbst schluckte, dass er Einfluss auf Kollegen nahm, Kronzeugen bedrängte und sein Netzwerk zum Erhalt des Betriebs nutzte, ist längst bekannt. Auch viele der nun publizierten Details können niemanden überraschen, der auch nur hin und wieder hinschaute und dabei nicht überlas oder überhörte, was Kritisches zu Armstrong seit Jahren geschrieben und gesprochen wurde.

          Neu ist etwas anderes, etwas typisch Amerikanisches: Sie trauen sich selbst an die Größten und Einflussreichsten heran, sie scheuen keine Mühen, sie sind hartnäckig. Kurz: Sie können, wenn sie denn wollen.

          Hardliner sind Armstrong zum Verhängnis geworden

          In der amerikanischen Antidoping-Politik ist beileibe keine Linie zu erkennen. Ehemalige Spitzenpolitiker haben sich einst mit Anabolika aufgeblasen, in professionellen wie beliebten Sportarten scheint die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln geduldet zu werden. Andererseits verlangen Schulleiter das Einverständnis von Eltern für Dopingtests bei deren Kindern. Damit die Brut im Volleyball-Team mitspielen darf.

          Die Hardliner sind Armstrong zum Verhängnis geworden. Davon scheint es in Deutschland, gemessen an den Erklärungen und Schlagworten nicht weniger zu geben als in Übersee. Wenn doch ständig von der „Null-Toleranz-Politik“ die Rede ist. Aber was passiert, wenn die Indizien auf massive Dopingfälle hindeuten? Die Mühlen der sportjuristischen Bürokratie springen an, Antidoping-Kommissionen tagen, bevor sie nach Jahren hinter Unschuldsvermutungen abtauchen, weil keine positiven Proben vorliegen. Es geht auch anders. Das ist die Nachricht der Usada. Die als eisern beschriebenen Schweigekartelle können eben doch gesprengt, die Zusammenhänge offenbart und die Schreibtischtäter entlarvt werden.

          Was man dazu braucht? Den politischen Willen und die Bereitschaft, Geld in ein schlagkräftiges, unabhängiges Fahndungssystem zu stecken. Davon spricht man in Deutschland seit zehn Jahren. Aber es passiert nichts. Im Gegenteil. Der Wille ist nicht da. Und deshalb fehlen die Ergebnisse. Vielleicht ist das sogar gewollt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Helfen pflanzliche Mittel und Gespräche genauso wie Hormone aus der Pillenpackung?

          Hilfe in den Wechseljahren : Während hitziger Zeiten

          Hormone versprechen Frauen in den Wechseljahren schnelle Hilfe. Doch neue Studien zeigen: Das Risiko einer solchen Ersatztherapie wurde bislang unterschätzt. Welche Alternativen gibt es für die Betroffenen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.