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Arminia Bielefeld : Blick zurück im Zorn

  • -Aktualisiert am

Hermann Gerland Bild: dpa Sportreport

Die Art und Weise, wie er bei Arminia Bielefeld weggemobbt wurde, hat Hermann Gerland noch immer nicht vergessen. Mit seinem neuen Club SSV Ulm kehrte der Coach an seine alte Arbeitsstätte zurück.

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          Irgendwie haben sie bei Arminia Bielefeld in dieser Saison einfach keinen Lauf. Die Mannschaft ist in der 2. Liga nach vielversprechendem Saisonstart immer weiter abgesackt, das Publikum probt den Aufstand, und dann gehen auch noch die Lichter aus.

          In der Halbzeit der Begegnung gegen den SSV Ulm sorgte ein Stromausfall für eine zehnminütige Unterbrechung, und der Stadionsprecher bat die Gäste: „Bitte üben Sie sich in Geduld.“ Das haben sie in Bielefeld gelernt auf ihrer ewigen Fahrstuhlreise zwischen Erst- und Drittklassigkeit. Als die Flutlichter die Alm wieder in gleißendes Licht tauchten, erlebten die 6.500 Zuschauer jedoch keine Erleuchtung. Zu dürftig waren die Darbietungen der beiden Teams beim 1:1 (1:1) zum Rückrundenauftakt, bei dem Rainer Scharinger (39. Minute) für die Ulmer sowie Markus Weissenberger (43.) für die Platzherren trafen.

          Demontage ist nicht vergessen

          Das Unentschieden in einer Partie, bei der Ulms Trainer Hermann Gerland „kaum technische Feinheiten“ ausmachte, hilft keinem der beiden Teams entscheidend weiter bei den Bemühungen, sich aus den Abstiegsregionen zu entfernen. Aber das Spielgeschehen war an diesem kalten Montagabend sowieso nicht das Wichtigste. Es war die Rückkehr des Hermann Gerland auf die Alm, die das Interesse der Öffentlichkeit weckte.

          Die Umstände der Demontage und schließlich der Demission des Mannes, den sie seit seinen Bochumer Tagen „Tiger“ rufen, sind in Bielefeld noch nicht vergessen. Vorstand und Management der Arminia hatten auch nach dem Abstieg aus der Bundesliga in Nibelungentreue am 46-jährigen festgehalten, doch der Druck von Fans und Öffentlichkeit wurde am Ende so groß, dass im Oktober unter lautem Getöse der Schlußstrich gezogen wurde.

          „Hermann steht nicht auf dem Platz“

          Die Art und Weise, wie er in Bielefeld weggemobbt wurde, hat Gerland nicht vergessen. „Als ich in Bielefeld entlassen wurde, standen wir mit 14 Zählern auf Rang vier, einen Punkt hinter den Aufstiegsplätzen“, rechnete er vor dem Gastspiel mit seinem neuen Arbeitgeber SSV Ulm vor. Seitdem gab es sechs Punkte in elf Spielen, Gerlands Nachfolger Benno Möhlmann steckt mit seinem Team mittem im Abstiegskampf. Bei der Rückkehr des „Tigers“ bieben die befürchteten Haßtiraden aus. Vereinzelte Pfiffe, ein paar „Gerland-raus“-Rufe - alles in allem war es ein ruhiger Abend auf der Alm.

          Eigentlich schaut man in einer solch prekären Situation, in die sich die Arminia inzwischen manövriert hat, sowieso nicht nach hinten. „Allen muß klar sein, dass Hermann nicht auf dem Platz steht“, betonte Möhlmann vor dem Spiel, „die Gedanken der Spieler sollen auf sich selbst gerichtet sein, vielleicht auch auf den Gegenspieler.“

          Doch die Konzentration auf das Wesentliche fällt schwer, wenn immer wieder Störfeuer gelegt werden. Pünktlich zum Rückrundenauftakt meldete sich Bruno Labbadia mal wieder zu Wort und kritisierte die Einkaufspolitik seines Vereins. Der streitbare Stürmer, in Bielefeld mit einem üppigen Zweitligasalär ausgestattet, das ihm zwei Millionen Mark jährlich garantiert, hatte schon zu Gerlands Zeiten ständig hinter den Kulissen agiert. Prompt meldete sich sein Ex-Trainer aus Ulm zu Wort: „An seiner Stelle würde ich nach einer solchen Saison ganz still sein und nicht im Nachhinein die Personalpolitik kritisieren“, sagte Gerland. Auch den Kollegen Möhlmann hat der Vorstoß des in die Jahre gekommenen Torjägers "richtig geärgert“. „Nach 15 Jahren Profifußball sollte er nicht solche Alibigeschichten auftischen.“

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