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Fußball : Lizenzentzug für Reutlingen - Nürnberg muss nachbessern

  • Aktualisiert am

Verfangen beim Spiel mit dem Ball Bild: dpa

Zweitligist Reutlingen hat offiziell Beschwerde gegen den drohenden Lizenzentzug eingelegt - Erstligist 1. FC Nürnberg erhielt einen „blauen Brief“.

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          Ein amateurhaftes und sonderbares Finanzgebaren hat dem SSV Reutlingen offenbar die Zugehörigkeit zum Profifußball gekostet.

          Nachdem die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Montag dem Zweitligisten auf Grund „schwerwiegender Verstöße“ während der laufenden Spielzeit die Lizenz für die kommende Saison entzogen hatte, droht dem SSV jetzt der bittere Absturz in die Verbandsliga. Allerdings haben die Schwaben bereits Beschwerde über den Lizenzentzug bei der DFL eingereicht.

          „Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass wir einmal in solch eine Situation kommen“, sagte der entgeisterte SSV-Manager Wilfried Gröbner am Dienstag. Verwaltungsgeschäftsführer Hans-Walter Backes setzt auf das Prinzip Hoffnung: „Wir werden alles daran setzen, diese Entscheidung aus dem Weg zu schaffen und Rechtsmittel einlegen.“

          SSV wird auf den letzten Platz gesetzt

          Nach Lage der Dinge wird der Klub aber zum Saisonende automatisch auf den letzten Platz der Tabelle gesetzt und als erster Absteiger gewertet. Alle bisher absolvierten Spiele bleiben aber für die Gegner in der Wertung. Auch die beiden verbleibenden Spiele gegen den 1. FC Schweinfurt und den 1. FC Saarbrücken werden ordnungsgemäß durchgeführt. Die SpVgg Unterhaching hat den Klassenerhalt damit vorzeitig gesichert.

          Die DFL hat am Wochenende sämtlichen Vereinen der Bundesliga und zweiten Liga ihre Entscheidung im Lizenzierungsverfahren mitgeteilt. Demnach erhalten insgesamt 15 Klubs die Lizenz ohne Auflagen, neun müssen während der Saison bestimmte Auflagen einhalten, und für elf Vereine ist die Lizenzerteilung zunächst an die Erfüllung von Bedingungen geknüpft, die bis zum 29. Mai zu erfüllen sind.

          Frankfurt benötigt neuen Geldgeber

          Darunter ist als einziger Erstligist der 1. FC Nürnberg. „Das ist keine große Katastrophe. Wir haben Beträge für einen Sponsor eingesetzt, können derzeit aber keinen Vertrag vorweisen. Es kommt auf unsere künftige Klassenzugehörigkeit an“, sagte Nürnbergs Geschäftsführer Björn Bremer. Sollte es dem 1. FCN nicht gelingen, einen Hauptsponsor zu finden, müsste der Verein Bürgschaften nachweisen oder über den Verkauf von Spielern die leeren Kassen auffüllen.

          In der zweiten Liga suchte vor allem die Frankfurter Eintracht bisher vergeblich nach einem neuen Geldgeber, der für die Lizenzerteilung vonnöten ist. Sollte der „ungarische Unternehmer“, von dem in Frankfurt gesprochen wird, nicht für die notwendige finanzielle Unterstützung sorgen, „gehen hier die Lichter aus“, beschrieb Eintracht-Präsident Peter Fischer die Aussichten des Traditionsvereins.

          Reutlingen: Absturz in Verbandsliga?

          Krasser ist es noch in Reutlingen: Dem SSV bleibt wohl nur nach Ulmer Vorbild der Absturz in die fünfte Liga. Somit wäre auch der bereits in Auftrag gegebene Neubau der Haupttribüne im Stadion an der Kreuzeiche wahrscheinlich eine Fehlinvestition. Die Stadt Reutlingen muss befürchten, 14 Millionen Euro in den Sand gesetzt zu haben. „Ich bin überrascht und bestürzt“, sagte der geschockte Oberbürgermeister Stefan Schultes.

          Der Ruf nach Begnadigung scheint ohnehin nicht erhört zu werden. „Die Verstöße des Vereins waren so schwerwiegend, dass nur der Lizenzentzug blieb“, erklärte DFL-Pressechef Tom Bender, der aber vorerst keine weiteren Details bekannt geben wollte. Allerdings ließ er durchblicken, dass die finanziellen Unregelmäßigkeiten der Reutlinger in der laufenden Saison so gravierend waren, dass der DFL keine Wahl geblieben sei: „Der Lizenzentzug ist das äußerste Mittel“.

          Sulz´ Entlassung zu teuer

          Bereits in den letzten Wochen und Monaten verdichteten sich die Gerüchte, dass der SSV in einer finanztechnisch schwierigen Lage stecken soll. Um die Lizenz für die kommende Spielzeit zu sichern, soll laut eines Berichts der Stuttgarter Zeitung SSV-Geschäftsführer Herbert Sulz die von der DFL verlangten Zwischenberichte zum Soll/Ist-Vergleich „bearbeitet“ haben.

          Vereinsintern war über die prekäre Lage schon im vergangenen Oktober diskutiert worden. Allein private Spenden und Bürgschaften sicherten die Gehälter der Angestellten. Allerdings waren Präsident Dieter Winko in Sachen personeller Konsequenzen die Hände gebunden. Eine Entlassung von Geschäftsführer Sulz sei unmöglich. „Wir können es uns nicht leisten, ihn zu entlassen“, sagte Winko vor einiger Zeit.

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