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Arbeitsprotokoll Eugen Polanski : Kämpfer mit Köpfchen

  • -Aktualisiert am

Mit Zug zum Tor: Eugen Polanski (Nummer 42) bei seinem Debüt für Hoffenheim Bild: AFP

Am Freitag verpflichtet, am Samstag in der Startelf: Eugen Polanski erlebt turbulente Tage. Das Hoffenheimer 1:2 in Frankfurt kann auch er nicht verhindern. Doch sein Debüt gibt Anlass zu Hoffnung im Abstiegskampf – trotz einer kleinen Auszeit.

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          Am Donnerstag noch stand Eugen Polanski mit seiner Mannschaft in der Bundesliga-Tabelle auf Platz sieben, zwei Tage später steckt er auf Rang siebzehn mitten im Abstiegskampf. Derartige Verschiebungen passieren eigentlich nur zu Saisonbeginn, wenn alle Vereine dicht beieinander liegen. Polanskis Absturz indes vollzieht sich am 19. Spieltag – weil er am Freitag überraschend von Mainz nach Hoffenheim wechselte und am Samstag mit der TSG in Frankfurt mit 1:2 verliert.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Vierundzwanzig Stunden nachdem der Transfer verkündet wurde, steht Polanski bei seinem neuen Arbeitgeber gegen die Eintracht in der Startelf. Nach der Verletzung von Sejad Salihovic vor einer Woche handelten die Hoffenheimer zwar schnell, aber gut vorbereitet, wie Manager Andreas Müller verriet: „Polanski spielte in unseren internen Überlegungen schon länger eine Rolle. Er hat Erfahrung und denkt strategisch.“ Das alles war den Hoffenheimern drei Millionen Euro Ablöse wert. Polanski hat derweil sein Gehalt deutlich gesteigert, wie sein ehemaliger Trainer Thomas Tuchel nach dem 3:0-Sieg von Polanskis ehemaligem Klub Mainz 05 in Fürth süffisant anmerkte. „Natürlich gab es da wirtschaftliche Faktoren, die erheblich sind“, sagte Tuchel. Der Coach betonte freilich auch, dass er absolutes Verständnis für einen Spieler habe, der eine solche Gelegenheit zur finanziellen Vorsorge nutzen wolle.

          Sportlich hat Polanski derweil auch eine klare Perspektive: Er nimmt die Position Salihovics im defensiven Mittelfeld neben Tobias Weis ein und führt die Kollegen gleich wort- und gestenreich. Nach sechs Minuten geht der erste Torschuss auf das Konto des früheren deutschen U-21- und aktuellen polnischen A-Nationalspielers. Eine Viertelstunde später muss Polanski den Rasen für drei Minuten verlassen: Nach einem Zusammenprall mit Alex Meier hat die neue Hoffenheimer Nummer 42 eine Wunde über dem rechten Auge; die Helfer an der Seitenlinie versorgen Polanski nicht nur mit einem Pflaster, sondern auch mit einem sauberen Trikot.

          Vergangene Woche war Polanski (rechts) noch für Mainz gegen Freiburg im Einsatz: Wie immer in kurzen Ärmeln
          Vergangene Woche war Polanski (rechts) noch für Mainz gegen Freiburg im Einsatz: Wie immer in kurzen Ärmeln : Bild: dpa

          Der Sechundzwanzigjährige, der trotz Minustemperaturen mit kurzen Ärmeln aufläuft, macht in Frankfurt nicht den Eindruck, dass er nach der medizinischen Untersuchung am Freitagmittag erst eine Trainingseinheit bei der TSG absolviert hat. Immer wieder erkämpft er sich im Maschinenraum des Spielfelds Bälle und verteilt sie mit Übersicht. Das 0:1 durch Martin Lanig kann aber auch Polanski nicht verhindern. Gestützt auf die Oberschenkel muss er jubelnden Frankfurtern zusehen – willkommen im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga.

          Das Hoffenheimer Hauptproblem: 43 Gegentore

          Zehn Minuten nach Wiederanpfiff dürfte sich Polanski, der in Mönchengladbach ausgebildet wurde und nach einem Jahr im spanischen Getafe 2009 in Mainz landete, gefragt haben, ob der Wechsel wirklich die richtige Entscheidung war. Während der EM-Teilnehmer mit links knapp über das Tor schießt, blinkt auf dem Videowürfel über dem Spielfeld die Mainzer Führung in Fürth auf. Nach dem 1:1 in Frankfurt durch Kevin Volland ist der Rückstand kurzzeitig wettgemacht, ehe Stefan Aigner die Eintracht zwei Minuten später wieder in Führung bringt.

          Mit dem Adler auf der Brust: Der frühere deutsche Junioren-Nationalspieler ist seit 2011 für Polen am Ball
          Mit dem Adler auf der Brust: Der frühere deutsche Junioren-Nationalspieler ist seit 2011 für Polen am Ball : Bild: dpa

          Daran ändert sich bis zum Abpfiff nichts. Hoffenheim, das vor der Saison eher vom Europapokal träumte als sich vor der zweiten Liga fürchtete, stürzt durch das Augsburger 0:0 gegen Schalke gar vom Relegationsrang auf einen direkten Abstiegsplatz ab. Der Rückstand auf Nürnberg, das auf dem ersten Nichtabstiegsrang plaziert ist, beträgt bereits acht Punkte. Das Hauptproblem der Kraichgauer ist beim Blick auf die Tabelle schnell ausgemacht: 43 Gegentore sind unerreicht.

          „Eugen hat eine hervorragende Partie gemacht“

          In Frankfurt wird trotz der Niederlage deutlich, dass Polanski der Defensive Stabilität und Ordnung geben kann. Er gewinnt 65 Prozent seiner Zweikämpfe, kein Hoffenheimer ist besser. Doch der Pole denkt auch nach vorne, schießt drei Mal aufs Tor. „Eugen hat eine hervorragende Partie gemacht. Er hat nur einmal mit uns trainiert. Daher ist ihm das gar nicht hoch genug anzurechnen“, sagt Trainer Marco Kurz. „Wir benötigen diese Art von Mittelfeldspieler.“ In der Tat: Ein wenig Kampf mit Köpfchen hat noch keiner abstiegsbedrohten Elf geschadet.

          Und wie bewertet Polanski seinen eiligen Einstand? „Es war mehr drin. Die Jungs haben mir die Integration so leicht wie möglich gemacht, aber es war doch schwer.“ Die positive Haltung Polanskis sticht hervor. Den Optimismus eines bisherigen Europapokalanwärters verliert man auch mit einem Wechsel über Nacht nicht sofort. „Ich will die Jungs mitreißen, in der Kabine und auf dem Platz. Mit viel Arbeit kommen wir da unten raus.“ Es muss ja nicht gleich Platz fünf sein, den Polanskis frühere Kollegen aus Mainz inzwischen belegen. In Hoffenheim wären sie über Rang fünfzehn schon heilfroh.

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