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Arbeitsprotokoll Andreas Ivanschitz : Der schnellste Vorbereiter der Bundesligageschichte

Viele Sprints, aber nicht die richtigen: Andreas Ivanschitz startete gegen Bremen furios, kam aber zu selten zum Torschuss Bild: dpa

Andreas Ivanschitz war schon immer ein Schnellstarter. Beim 1:1 seiner Mainzer gegen Bremen ist er sogar Wegbereiter eines historischen Schnellschusses. Danach fehlt dem Österreicher aber gelegentlich der entscheidende Sprint in die Schnittstelle. Das Arbeitsprotokoll.

          3 Min.

          Andreas Ivanschitz betritt beim Einlaufen vor dem 1:1 zwischen Mainz 05 gegen Werder Bremen ins Stadion wie immer als letzter Kicker seines Teams das Spielfeld. Dabei ist der Österreicher bekanntermaßen ein Schnellstarter. 14 seiner 23 Tore, die er in bislang 99 Bundesliga- und insgesamt sieben Pokalspielen für Mainz 05 erzielt hat, waren ein 1:0, viele dieser Treffer erzielte er bereits in den Anfangsminuten der jeweiligen Begegnung. Gegen Werder Bremen beweist Ivanschitz die Fähigkeit zur sofortigen Einflussnahme aufs Spielgeschehen ein weiteres Mal nur wenige Sekunden nach dem Anpfiff.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Bremer spielen den Ball vom Anstoßpunkt aus über Philipp Bargfrede und Theodor Gebr Selassie zurück zu ihrem Innenverteidiger Assani Lukimya, der nach vielen Wochen des Reservistendaseins offenkundig nicht mehr so genau weiß, was man in einer solchen Situation mit dem Ball anstellt. So spielt er ihn höchst fahrlässig in die Füße des eilig herbeigestürmten Ivanschitz, der in den Strafraum eindringt und Torjäger Adam Szalai mustergültig bedient. Nach nur 12,5 Sekunden steht es 1:0 für Mainz 05, noch nie hat eine Mannschaft in 50 Jahren Bundesligageschichte nach einem gegnerischen Anstoß schneller ein Tor erzielt, Ivanschitz darf sich also dank seines erfolgreichen Störmanövers gegen Lukimya als schnellster Vorbereiter der Bundesligageschichte fühlen.

          So flott der 29 Jahre alte Österreicher auf Betriebstemperatur war, so wenig gelang dem seit einigen Wochen zumindest in der 4-2-3-1-Grundordnung auf die linke Außenbahn zwangsversetzten Spielmacher. Zwar rückte der Linksfuß immer wieder ins Zentrum ein, dennoch fehlt ihm seit Wochen eine in der Hinrunde zur Genüge bewiesene Qualität: Während Ivanschitz im ersten Halbjahr der Spielzeit dank entschlossener Sprints aus dem Mittelfeld in den Strafraum so oft wie keiner seiner Teamkameraden zum Abschluss kam, kommt der österreichische Nationalspieler in der Rückserie nur noch selten dazu seine herausragende Schusstechnik einzusetzen.

          Immerhin bleiben ihm deshalb derzeit die Diskussionen um seine vermeintliche Abschlussschwäche erspart, denen er sich trotz sechs Saisontoren immer wieder ausgesetzt sah. In der Hinserie hatte Trainer Tuchel bei ihm sogar einmal öffentlich eine „Staubsaugerverkäufermentalität“ vermisst.

          Keine perfekten Zuspiele

          Gegen Bremen kommt er erst in der 16. Minute in die Nähe eines Torschusses: Nach einem langen Ball von Landsmann Julian Baumgartlinger lässt er sich allerdings von Werders Abwehrchef Sokratis durch fairen Körpereinsatz allzu leicht abdrängen. Vier Minuten später wird er dann bei einem allzu legeren Versuch der Ballweiterleitung per Hacke seinem alten Ruf als Ballkünstlergenie gerecht. In Österreich nannten die Medien ihn in frühester Jugend Mozart, weil er als größtes Talent der Alpenrepublik gehandelt wurde. Bereits mit 16 spielte er bei Rapid Wien bei den Profis, mit 19 war er bereits Kapitän des Nationalteams.

          Balldieb und Torschütze: Andreas Ivanschitz (r.) hat Adam Szalai zur schnellen Führung aufgelegt
          Balldieb und Torschütze: Andreas Ivanschitz (r.) hat Adam Szalai zur schnellen Führung aufgelegt : Bild: dpa

          Mit einer Karriere bei einem internationalen Spitzenklub wurde es zwar nichts, aber Ivanschitz ist gerade dank seiner starken Leistungen in der laufenden Karriere und dem Ende seines Vertrags in Mainz derzeit ein durchaus begehrter Spieler, an dem auch Werder Bremen so interessiert sein soll, dass Trainer Thomas Schaaf in der Vorwoche das Länderspiel der Österreicher gegen die Faröer besuchte. Dort schoss Ivanschitz ein Tor, was ihm gegen Werder nicht vergönnt sein sollte.

          Zum Teil liegt das daran, dass die Mainzer derzeit aus verletzungsbedingter Personalnot mit einem Rechtsfuß auf der Außenverteidigerposition spielen müssen. Zdenek Pospech bedient Ivanschitz deshalb nicht so perfekt, wie er es für seine Vorstöße in den Strafraum bräuchte.

          Nicht unbeteiligt am Gegentor

          In den Mittelpunkt rückt Ivanschitz deshalb zunächst vornehmlich als mittlerweile sehr effektiver Teil des Mainzer Gegenpressings. Gestalterisch wirkt er hingegen fast nur bei Eckbällen und Freistößen aus dem Halbfeld, die er allesamt – allerdings ohne nennenswerte Folgen – ausführt.

          Zum Torschuss kommt Ivanschitz indes erst in der zweiten Halbzeit: Nicolai Müller lupft den Ball wundervoll in den Strafraum, Werder-Schlussmann Sebastian Mielitz wehrt aber Ivanschitz’ Schuss  mit der Fußspitze ab. In der 67. Minute sorgt Ivanschitz schließlich eher unfreiwillig für Gefahr. Nach einer Hereingabe von Szalai tritt er aus aussichtsreicher Position zwar am Ball vorbei, dafür kommt aber Nicolai Müller in noch besserer Schussposition unbedrängt zum Schuss, scheitert aber ebenfalls an Mielitz.

          Ivanschitz, der seit einer Mainzer Systemumstellung auf eine Mittelfeldraute nach gut einer Stunde auf seiner Lieblingsposition als „Zehner“ spielen darf, ist danach nicht ganz unbeteiligt am Bremer Ausgleich. Er ist an der Mittellinie der vierte Mainzer, der den hart bedrängten Sokratis nicht an der Spielverlagerung zu Arnautovic hindern kann, die schließlich zum Treffer von Aaron Hunt führt (69.). War es diese Aktion, die Trainer Thomas Tuchel kurz danach zur Auswechslung bewegt? Ivanschitz muss jedenfalls in der 73. Minute für Yunus Malli weichen.

          Der Blick in die Statistik zeigt, dass Ivanschitz bei nur 40 Ballkontakten zwar die – in Relation zur Einsatzzeit - gute Zahl von 21 Sprints aufzuweisen hat. Die wirklich gefährlichen Wege in die torgefährliche Zone fand er dabei jedoch nicht. Nur einmal kam er zum Abschluss, nach der schnellsten Torvorlage der Bundesligageschichte gelang ihm zudem kein weiteres Zuspiel in Tornähe.Aber Ivanschitz hat ja seinen Anteil an einem historischen Treffer. „Und das ist doch was, oder?“, fragt er rhetorisch beim Abschied aus dem Stadion. Da hat Ivanschitz natürlich Recht.

          Im Arbeitsprotokoll widmen wir uns Spieltag für Spieltag 90 Minuten lang einem Akteur.

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