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Anti-Doping-Aktivist Kofink : „Nicht unter den Teppich kehren“

  • Aktualisiert am

Zerrbild Leichtathletik: Mit welchen Mitteln sind Normen und Medaillen zu erreichen? Bild: dpa

Bundesinnenminister Thomas de Maizière fordert eine Rückkehr des deutschen Sports in die Spitzengruppe der Sportnationen. Der Anti-Doping-Aktivist Hansjörg Kofink antwortet dem Minister und mahnt zur Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit.

          Am vergangenen Freitag hat der für den Spitzensport in Deutschland zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei der Vorstellung des Sportberichts der Bundesregierung im Bundestag den deutschen Sport aufgefordert, den Weg zurück in die Spitzengruppe der großen Nationen der Welt zu finden, „wo wir als Spitzensportnation hingehören“. Ausweis der Qualitätsoffensive soll eine Top-Plazierung im Medaillenspiegel sein. Der Anti-Doping-Aktivist Hansjörg Kofink, in den siebziger Jahren als Leichtathletik-Bundestrainer zurückgetreten, weil seine Athletinnen nur mit Doping die in Deutschland vorgegebene Olympia-Norm geschafft hätten, antwortet dem Minister:

          „,Die Arbeit für den Sport ist auch ein Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sport verbindet und schafft gemeinsame Ergebnisse‘, sagte Innenminister de Maizière anlässlich der Unterrichtung über den 13. Sportbericht der Bundesregierung. Das sehe ich auch so, Herr Minister. Gemeinsame Ergebnisse aus 40 Jahren ‚Kaltem Krieg auf der Aschenbahn‘ sind auch das Doping in beiden deutschen Staaten unter der Verantwortung von Staat und Sportorganisation in der DDR und von Sportorganisation und Staat in der BRD. In dem immer noch nicht abgeschlossenen 500.000 Euro teuren Forschungsprojekt ‚ 2009–2012 initiiert durch den Deutschen Olympischen Sportbund, beauftragt und gefördert durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaften‘ werden Staat und Sportorganisation wegen ihrer Haltung zu Doping heftig kritisiert. Dabei ist die Vereinigung des Sports, die auch nach 25 Jahren noch den Spitzensport belastet, in dieser Studie (noch) nicht bearbeitet worden. Bis heute haben weder die Bundesregierung noch der Deutsche Olympische Sportbund auf diese Vorwürfe reagiert.

          ,Sport ist ein Imageträger für unser Land‘, so warb der Minister vor dem Bundestag. Viele deutsche Olympiasieger und Weltmeister in Ost und West leben heute nicht mehr, weil sie in ihren besten Jahren von Leiden dahingerafft wurden, die man heute mit Doping in Zusammenhang bringt. 25 Jahre nach dem Mauerfall ist die deutsch-deutsche Sportgeschichte noch immer nicht aufgearbeitet. Vor allem für die Opfer des Zwangsdopings der DDR ist Hilfe nicht in Sicht. Der vor knapp sechzehn Jahren gegründete Verein ‚Doping-Opfer-Hilfe e.V.‘ brachte dieses Image des deutschen Spitzensports kürzlich wieder einmal in die Öffentlichkeit. Mehr als 200 DDR-Doping-Opfer hat die Bundesrepublik anerkannt. Der Doping-Opfer-Hilfe-Verein zählt 700 – und die Dunkelziffer dürfte noch größer sein. Und sie alle bezahlen heute für ihren Sport von gestern. Gehört das nicht auch zum Image des Spitzensportlandes Deutschland?

          Verlangt wieder mehr Top-Plazierungen im Medaillenspiegel: der für den Sport zustände Bundesinnenminister Thomas de Maizière

          ,Deutschland ist eine in der Welt hoch angesehene Nation – auch wegen seiner Spitzenleistungen im Sport‘, stellte Minister de Maizière fest. Auch das ist sicher richtig. Aber gehören da nicht auch jene Rekorde für die Ewigkeit dazu, an denen sich junge deutsche Athleten nicht mehr messen lassen wollen, weil sie zu Recht auf die Unrechts-Umstände ihres Zustandekommens verweisen?

          Es gibt einige Aspekte der Spitzensportnation Deutschland, Herr Minister, die man nicht unter den Teppich kehren sollte, wenn man die deutsche Bevölkerung für eine offene und faire Olympia-Bewerbung gewinnen will.“

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