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Anti-Aging : Jungbrunnen Hormone?

  • -Aktualisiert am

Der Traum vom Jungbrunnen: Hilft junges Blut? Bild: dpa

Hormone helfen in den Wechseljahren. Aber verfügen Hormone auch generell über eine verjüngende Wirkung?

          2 Min.

          „Die Krankheit des Alterns ist unvermeidlich.“ Mit dieser Horror-Aussage und dem Versprechen, die „Krankheit“ mit Hormonen nicht nur zu heilen, sondern den Alterungsprozess gar umzukehren, wirbt im Internet ein „Doktor Lee Benner“ für sein gleichnamiges Institut in den USA. Er selbst, so suggeriert ein Strahlemann-Foto des angeblich 67-Jährigen, ist der beste Beweis für den Erfolg seiner Therapie, denn selbstverständlich hält auch er sich mit Hormonen jung.

          Ein gewisser Gallier würde dazu vielleicht lakonisch kommentieren: „Die spinnen, die Amis.“ Das lassen wir als Privatmeinung so stehen; nur so viel: Falls man nicht jung stirbt, ist das Altern ist zwar in der Tat unvermeidlich - aber es ist keine Krankheit.

          Hormonen wirken bereits bei niedrigsten Konzentrationen

          Zuerst mal die Frage: Was sind Hormone und was bewirken sie? Der Ratgeber „Wechseljahre“, herausgegeben von der Stiftung Warentest und für beide Geschlechter gleichermaßen lesenswert, beantwortet diese Frage so:

          „Hormone sind Stoffe, die von Drüsen oder Geweben direkt ins Blut abgegeben werden. Der menschliche Körper produziert etwa 200 verschiedene Hormone - vom Insulin in der Bauchspeicheldrüse, das den Blutzuckergehalt reguliert, bis zum Stresshormon Adrenalin in der Nebenniere. Hormone dienen überwiegend als Botenstoffe. Winzige Mengen - Millionstel Gramm - genügen, um die erwünschte Wirkung zu erzielen. Deshalb ist jede künstliche Hormongabe eine Gratwanderung zwischen Über- und Unterdosierung.“

          Vorsicht bei selbstverordneten Hormonexperimenten

          Somit ist klar: im Umgang mit Hormonen ist Vorsicht angebracht. Nicht jeder aber lässt sie walten: Das Mode-Hormon Dhea zum Beispiel, ein Wachstumshormon, oder auch Melatonin schluckt man in den USA wie Zuckerpillen. In Deutschland sind diese Botenstoffe (noch) nicht frei verkäuflich. Und wenn es nach Experten wie dem Frankfurter Gynäkologen Ernst Siebzehnrübl, Professor an der Uni-Frauenklinik, geht, dann sollte sich das auch nicht ändern.

          „Es ist zwar modern, Dhea oder Melatonin einfach mal auszuprobieren, aber Sinn macht das aus meiner Sicht nicht“, betont er. „Und auch Melatonin einfach mal so zu nehmen, weil man meint, man kann besser damit schlafen zum Beispiel, oder um einen Jetlag auszugleichen, dann ist das ein unvorsichtiges Herumexperimentieren. Und seit Neuestem steht der Verdacht im Raum, dass Melatonin auch schaden kann - dass es zum Beispiel bösartige Hauterkrankungen, maligne Melanome, fördert.“ Siebzehnrübl rät zu Skepsis gegenüber Medienmeldungen und Hersteller-Versprechungen über solche „Jungbrunnen“ - denn Langzeittherapie-Erfahrungen gebe es bisher nicht.

          Jungbrunnenwirkung von Hormonen nicht erwiesen

          Brandneu ist die Studie zur Wirkung von Dhea, die Wiebke Arlt, Endokrinologin an der Medizinischen Klinik der Uni Würzburg, vor kurzem vorgestellt hat. In der Pressemitteilung zu dieser Untersuchung, für die gesunde Männer zwischen 50 und 70 Jahren freiwillig das Mode-Hormon schluckten, heißt es: „Zwar stieg die Hormonkonzentration im Blut bis in den jugendlichen Bereich, doch auch nach einer viermonatigen Einnahme konnte Dr. Arlt im Vergleich zum Placebo keinerlei Effekte auf Stimmung, Wohlbefinden oder Sexualität nachweisen. Auch gewisse Parameter des Knochenstoffwechsels, der Körperzusammensetzung und der körperlichen Leistungsfähigkeit änderten sich nicht.“

          Dasselbe Team hatte aber in einer früheren Studie festgestellt, dass Dhea „in einem anderen Zusammenhang durchgreifende Wirkungen gezeigt“ habe: „Bei Frauen, die an einem krankheitsbedingten Dhea-Mangel leiden und die darum das Hormon einnahmen, fand sich nicht nur eine deutliche Abnahme von Ängstlichkeit und Depressivität, sondern auch eine signifikante Verbesserung des sexuellen Erlebens.“

          Es ist also ein Unterschied, ob ein medizinisch relevanter Mangel diagnostiziert wird oder nicht. „Defizite ersetzen - in Ordnung“, sagt Professor Siebzehnrübl. „Aber um zu beurteilen, ob es Sinn macht, gesunden Menschen ohne Symptome Wachstumshormone zu geben, um die Jugend zu verlängern, dazu gibt es noch nicht genug Daten.“

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