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Analyse : SSV Ulm steht nach Gerlands Entlassung vor Scherbenhaufen

  • -Aktualisiert am

Hermann Gerland: Jetzt wieder zu den Bayern? Bild: dpa

Peter Assion spielt wieder „Feuerwehrmann“: Diesmal übernimmt der Marketingchef des SSV Ulm das Traineramt vom entlassenen Hermann Gerland.

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          Versinkt der SSV Ulm im Chaos? Dem Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga droht auf umgekehrtem Weg der freie Fall zurück. Bereits abgestürzt ist Coach Hermann Gerland: Nach dessen Entlassung hat mal wieder Marketingchef Peter Assion das Training übernommen.

          Was der Schwimm- und Sportverein da veranstaltet, ist rekordverdächtig: in zwei Jahren in die Bundesliga, womöglich in zwei Jahren wieder retour in die Regionalliga. Dem Zeugwart der Ulmer ist zu wünschen, dass er dieses kleine verrostete Schild noch hat, das zu Bundesligazeiten lange am Trainingsplatz hing. „Nur für die Regionalliga-Mannschaft", stand da drauf. Erst kürzlich hat er die Drahtschere aus dem Geräteschuppen geholt und das Ding abgezwickt. Es ging eben alles ziemlich schnell. Rauf, runter - das macht den Kopf schwindelig.

          Auch Assion nicht unumstritten

          Vielleicht ist so das unglaubliche Chaos in Ulm und um Ulm herum zu erklären. Mit Hermann Gerland, der kurz vor einer Rückkehr zu Bayern München (vermutlich im Amateur- oder Jugendbereich) steht, musste bereits der zweite „richtige" Trainer gehen. Nach Martin Andermatts Demission Ende September 2000 (nach dem 0:1 in Chemnitz) hatte Assion, Marketingchef mit A-Lizenz, den Job übernommen. Jetzt, da sie „Tiger" Gerland heim nach Westfalen auf seinen Bauernhof geschickt haben, ist wieder „Zeitarbeiter" Assion da. Den allerdings wollen nicht alle.

          Weil Assion gegen Gerland intrigiert haben soll, liegt eine Abmahnung in seiner Personalakte. Die Mannschaft hatte sich für Manager Erich Steer als neuen Trainer ausgesprochen und gegen Gerland - und sie hatte, so heißt es, auch mit einigen Stimmen gegen Assion gestimmt. So richtig weiß wohl keiner mehr, was da an der Donau los ist. Das passt zu allem anderen.

          Kinowelt fordert einen Batzen Geld

          Die Ulmer wechselten unter lautem Getöse vor ein paar Monaten das Präsidium. Vorgänger und Nachfolger machten sich nach Kräften das Leben schwer. Die Profi-Fußballer wurden aus dem Hauptverein SSV Ulm in einer Leistungssport AG ausgelagert. Die Welt hing voller Geigen. Das Ulmer Modell stand bei allen kleineren Klubs Pate. Etwas ganz Großes sollte da wachsen, mit wenig Geld und viel Musketier-Pathos: Einer für alle, alle für einen.

          Heute steht der Klub vor einem Scherbenhaufen. Neulich erst verlor der Verein einen Prozess gegen den ehemaligen Partner Kinowelt. Der Rechteverwerter hatte dem alten Präsidium ein Aktienpaket überlassen und irgendwie als Spende deklariert, falls eine Werbegesellschaft gegründet würde. Das passierte nicht. Die Ulmer aber hatten die Aktien schon als Bankbürgschaft für Spielereinkäufe ausgegeben. Jetzt will Kölmel Geld sehen. Drei Millionen offiziell. Besteht die Kinowelt, die im März 2000 ihre Aktien zurück haben wollte, aber auf dem Wertausgleich der inzwischen gesunkenen Aktien, wären sogar sechs Millionen Mark fällig.

          Spenden 18.500 Mitglieder drei Millionen Mark?

          Für nächste Woche Mittwoch haben die verzweifelten Ulmer ihre 18.500 Mitglieder zusammen gerufen. Sie sollen pro Kopf 200 Mark spenden, damit die drei Millionen zusammen kommen. Die Begeisterung der Mitglieder hält sich in Grenzen, wie aus Ulm zu hören ist. Zum Glück ist dieser Schlamassel mit den Aktien passiert, als es noch den eingetragenen Verein SSV Ulm gab. So könnte auch die Stadt Ulm ein wenig helfen mit Geld und der Überschreibung von Grundstücken.

          Was einst als Ulmer Märchen begann, ist zu einem Alptraum verkommen. Der Präsident des Hauptvereins, Alexander Hirn, und Spitzensportchef Walter Feucht mögen sich nicht besonders. Es ging turbulent zu, als die beiden den Nachfolger für Gerland suchten. Manager Steer und der ehemalige Trainer Ralf Rangnick lehnten ab. Jetzt reden sie Peter Assion stark, obwohl es viele Zweifel gibt. Assion hat das letzte Mal aus fünf Spielen sieben Punkte geholt. Er wird sich diesmal steigern müssen. Sonst muß der Zeugwart wirklich das rostige Schild wieder suchen, auf dem steht: „Nur für die Regionalliga-Mannschaft".

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