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Analyse : Sicherheit hat Priorität: Die Spiele werden leiden

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Der Skifahrer hat im Utah Olympic Park nicht selten die herrlichsten Pisten ganz für sich allein Bild: dpa

In Salt Lake City wird alles für die Sicherheit getan. Doch die Spiele werden wieder ein Stück ihrer Unbeschwertheit einbüßen. Eine Analyse.

          3 Min.

          Ob die US-Regierung in Washington, Organisationschef Mitt Romney vor Ort in Salt Lake City oder die Präsidenten des Internationalen und des Nationalen Olympischen Komitees Jacques Rogge und Walther Tröger in Berlin, sie alle werden nicht müde zu versichern, dass die Sicherheit der Athleten während der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City gewährleistet ist. „Das hat oberste Priorität“, betont Rogge.

          Sicher ist aber nur, dass die verschiedenen Sicherheitsbehörden in den USA gemeinsam mit dem IOC alles erdenkliche getan haben und auch während der in knapp dreieinhalb Wochen beginnenden Winterspielen (8. bis 24. Februar) alles tun werden, um die Mormonenstadt in Utah für zwei Wochen zum sichersten Ort der Welt zu machen.

          "Man kann es nie verhindern"

          Doch was bleibt, ist ein ungutes Gefühl. Und das wird sich wohl nicht legen, bis alle Sportler und Besucher Salt Lake wieder verlassen haben und sicher in ihrer Heimat gelandet sind. Auch Rogge gestand ein, dass sich seine Nervosität bis zum letzten Tag der Spiele nicht legen wird. Die Abschiedsfloskel „Guten Flug“ hat eine andere Bedeutung bekommen.

          Spiele der weiten Wege: Salt Lake und die anderen Wettkampforte im Überblick.

          „Man kann es nie verhindern“, sagte IOC-Mitglied Roland Baar in Berlin beim Neujahrsempfang des NOK. Der frühere Weltklasse-Ruderer musste sich für die IOC-Athletenkommission ein Bild von den ohnehin schon strikten und nach dem 11. September noch einmal verschärften Sicherheitsvorkehrungen machen. „Wenn man sich die Attentate von 1972 in München und 1996 in Atlanta anschaut, das kann man nie verhindern“, meint Baar. Bei den Spielen in Atlanta zündete ein Täter eine kleine Rohrbombe auf einem belebten Platz außerhalb des Olympischen Dorfes. Drei Menschen starben. Als Konsequenz wird ganz Salt Lake City zu einem Hochsicherheitstrakt.

          "Spiele sind nicht das Opfer der Gewalt"

          Dass Athleten noch einmal wie 1972 die Israelis von einer Palästinensern entführt werden, ist allerdings kaum noch vorstellbar. Das Blutbad am Ende dieser Terroraktion war ein Wendepunkt in der Olympischen Bewegung. IOC-Präsident Rogge sieht sich heute mit seinem Willen, die Spiele trotz der Terrorakte durchzuführen, auf einer Linie mit dem damaligen Präsidenten Avery Brundage und seinem historischen Ausspruch: „The Games must go on.“

          „Die Spiele sind die beste Antwort auf die Gewalttaten, sie sind nicht das Opfer der Gewalttaten“, sagte Rogge am Berliner Wannsee. Nach anfänglichem Zögern plädierte er schon zwei Tage nach den Terroranschlägen auf New York und Washington dafür, die Spiele dennoch auszutragen.

          "Schwierige Spiele für alle"

          Auch Baar und die Athletenkommission haben sich für die Spiele ausgesprochen. „Ich habe noch einmal neue Präsentationen bekommen, und die waren schon beeindruckend. Und ich habe nie gesagt, dass die Spiele nicht stattfinden sollen, nur gefordert, dass mehr für die Sicherheit getan wird.“

          Doch es drohen eiskalte Winterspiele zu werden, und das nicht wegen der ungemütlichen Witterung am Fuße der Rocky Mountains im Februar. Fünf Sicherheitsleute kommen auf einen Athleten, ganz Salt Lake City ist schon heute von Drahtzäunen durchzogen. Beim abendlichen Plausch in der Bar ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Gegenüber ein verdeckter Ermittler von FBI oder CIA ist, alles andere als gering.

          Geduld und Verständnis sind gefordert

          Die Festnahmen auf den amerikanischen Flughäfen wegen jeder kleinen Ungereimtheit in den Einreisepapieren zeigen, wie nervös die Gastgeber sind. „Es werden schwierige Spiele werden, für alle“, meint Baar. Sportler, Medienvertreter und Fans müssen wohl eine Menge Geduld mitbringen, um das tägliche Sicherheitsprocedere und das Schlangestehen gelassen über sich ergehen zu lassen. An Verständnis für die zu erwartenden Maßnahmen dürfte es niemandem mangeln.

          Eine Wiederholung der Dauerparty von Sydney darf ohnehin niemand erwarten. „Bei Winterspielen sitzt niemand draußen im Straßencafe, da hat man kalte Füße und friert die ganze Zeit“, befürchtet Sommerathlet Baar. Die grandiose Ausnahme der Winterspiele von Lillehammer wird sich nicht wiederholen, sie ist so einmalig wie Sydney es war. „Ich glaube aber, dass es eine große Begeisterung geben wird“, sagt Baar. „Nach den Anschlägen und den Skandalen um Salt Lake City werden die Leute sich extrem viel Mühe geben, gute Spiele hinzubekommen.“

          Wenn nicht nur das Pflichtprogramm Sicherheit gelingt, sondern als Kür attraktiver Sport und ein wenig olympisches Flair hinzukommen, werden die Tage von Salt Lake City als kleiner Sieg im Kampf gegen den Terror in Erinnerung blieben.

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