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Analyse : Konflikte um den Hallenkick

  • -Aktualisiert am

Sehenswertes Spaß-Programm: Hallenfußball Bild: dpa

Volle Hallen, gute Stimmung, viele Tore: Privattturniere halten den Hallenfußball am Leben. Die DFL will weiter mitmischen, aber die Großklubs ziehen nicht mit.

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          An den 14. Januar 2001 erinnert sich die SpVgg Unterhaching gerne. Freudetrunken hielten die Kicker einen großen Pokal in die Höhe, aus den Lautsprechern der vollbesetzten Dortmunder Westfalenhalle dröhnten fetzige Rhythmen, anschließend gab es offizielle Weihen von höchster Stelle des Deutschen Fußball-Bundes.

          Die Münchner Vorort-Fußballer hatten soeben gegen Werder Bremen den DFB-Hallenpokal gewonnen, versüßt mit stolzen 295.000 Mark.

          Privat organisiert

          Vorbei die schöne Zeit: Unterhaching ist statt erst- nur noch drittklassig und der Hallenfußball ähnlich abgestürzt. Von einer offiziellen Beerdigung wurde gesprochen, nachdem kürzlich das Projekt der Deutschen Fußball-Liga scheiterte, 2004 wieder eine offizielle Hallenmeisterschaft zu installieren. „Es war mein dringlicher Wunsch, leider ließ sich das nicht durchsetzen“, bedauert Heribert Bruchhagen.

          Garant für viele Tore: Hallenfußball

          An seiner alten Wirkungsstätte in Bielefeld durfte der DFL-Geschäftsführer am Dienstagabend begutachten, dass Hallenfußball dennoch funktioniert. Und zwar so, wie ihn private Veranstalter wie Dieter Burdenski praktizieren: als Ein-Tages-Event mit regionalen Mannschaften und lokalen Größen. 56 Toren fielen, Werder Bremen freute sich ausgelassen über den Turniersieg.

          Dass Werder gewann, war irgendwie passend: Nach den bereits von Burdenski ausgerichteten Turnieren in Schwerin und Kiel stellte der Bremer Torwarttrainer in seiner Bilanz erfreut fest: „Hallenfußball hat vor 15 Jahren gelebt und wird weiter leben.“

          Lust statt Last

          Wenn draußen Plätze verschneit und vereist sind, die Kicker sich auf die Rückrunde vorbereiten, sei der Indoor-Kick keine Last sondern Lust. „Die Verletzungsgefahr ist auf hartgefrorenen Böden viel größer“, sagt Burdenski. Der umtriebige Geschäftsmann, der Sportgeschäfte und Reiseagenturen besitzt, darf für sich in Anspruch nehmen, Ende der achtziger Jahre die Turniere unterm Dach groß gemacht zu haben.

          „Dann kam irgendwann der DFB auf die Idee und hat das selbst gemacht.“ Komplizierte Qualifikation, verpflichtende Termine, hohe Preisgelder. Zusammen mit dem ausufernden Terminplan führte dies zum schleichenden Tod des Hallenmasters. Als 2001 die Topclubs nur noch drittklassige Mannschaften aufboten und mehr oder minder den Wettbewerb boykottierten, war die Zeit zum Abschied gekommen. Prädikat: nicht mehr zeitgemäß.

          „Alle nutzen die modernen Hallen - nur der Fußball nicht

          Einer Beurteilung, der sich Bruchhagen nicht anschließt. „Ich kenne die Startgelder der privaten Turniere. Ich weiß, dass bei einer offiziellen Meisterschaft mehr zu verdienen wäre.“ Neben den höheren Einnahmen vom Fernsehen spekuliert die DFL schließlich auch damit, in größere Hallen, etwa die hypermodernen Arenen in Hamburg und Köln zu ziehen. „Verschiedene Sportarten entdecken diese Hallen für sich und begeistern ein breites Publikum. Der Fußball guckt nur zu“, bedauert Bruchhagen.

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