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Analyse : Hallenfußball: Kaum Termine und Interesse

  • -Aktualisiert am

Hallenfußball 2001: Ein Eigentor? Bild: dpa

Hallenfußball hat keine Zukunft mehr. Im überfüllten Terminkalender bleibt kein Platz für den Budenzauber.

          3 Min.

          Die Spieler von Borussia Dortmund standen in Zivil an der Bande. Die Akteure von Bayern München, ohnehin meist Amateure, waren schon abgereist, als vor fast genau einem Jahr in der Dortmunder Westfalenhalle sich die SpVgg Unterhaching im Finale bemühte. Es ging um den Titel des deutschen Hallenmasters, dessen Gewinn die bayerischen Außenseiter zelebrierten wie eine Meisterschaft.

          Genau ein Jahr später droht jener SpVgg Unterhaching der direkte Durchmarsch in die Amateurklasse. Dafür könnte der Gewinn des DFB-Hallen-Pokals 2001 wenigstens einer für die Geschichtsbücher gewesen sein: Denn vieles deutet darauf hin, dass es der vorerst letzte offizielle Titel für einen Indoor-Auftritt war.

          An den (Termin-)Rand gedrängt

          Schon in diesem Jahr fällt der Budenzauber aus. Wegen der WM-bedingten Terminprobleme hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) den Hallen-Pokal 2002 abgesagt, heißt es.

          Besser gesagt: Die Mehrzahl der 36 Profi-Clubs hat schlicht kein Interesse an einer Veranstaltung, die von Champions League, DFB-Pokal, Bundesliga und nicht zuletzt der Weltmeisterschaft an den (Termin-)Rand gedrängt worden ist und finanziell für die Spitzenclubs völlig uninteressant ist. Neue Konzepte fehlen ebenfalls.

          Nur drei Turniere mit sieben Erstligisten

          Folge: Nach 14 Jahren ist dem Hallen-Pokal eine Auszeit verordnet worden. Bei der DFL ist man zwar weiter guter Dinge, den bundesweiten „Budenzauber“ wieder reanimieren zu können. „Es ist noch zu früh, den Hallen-Pokal zu beerdigen. Hallenfußball hat noch Zukunft“, sagt DFL-Sprecher Tom Bender. Die Realität zeichnet derzeit jedoch ein anderes Bild.

          Das gestraffte Programm manövriert den Hallenkick bei nur drei überregionalen Turnieren ins Abseits. Nur sieben der 18 Erstligisten nehmen an den Turnieren am Freitag in Bremen, am Samstag in Schwerin und am Sonntag in Riesa (alle live im DSF) teil. Nachdem die DFL die Hallenserie als Pflichtprogramm ausgesetzt hat, meiden Großklubs wie Bayern München, Bayer Leverkusen oder Borussia Dortmund die Halle.

          Die Schwaben lockt der Euro

          Früher, als die Winterpause noch lang und die Terminhatz nicht so ausgeprägt war, galt der Hallenfußball bei Profis und Publikum noch als gern gesehene Abwechslung. Das war einmal: Nur jene Vereine begeben sich aufs Parkett, die auf jeden Euro angewiesen sind. „Die Prämien sind vergleichbar noch ganz ordentlich“, sagt Manager Rolf Rüssmann, obwohl der VfB Stuttgart gerne auf einen Hallenauftritt verzichtet hätte. Siegerschecks in Höhe von rund 50.000 Euro pro Turnier machen finanzschwächeren Clubs noch Beine.

          Im Dribbling zwischen Bundesliga, Champions League und Nationalmannschaft überwiegt bei den Großverdienern hingegen die Angst vor Verletzungen und das Argument der mangelnden Regeneration. Doch ohne Stars gibt es kein Spektakel. Schon im vergangenen Jahr traten viele Vereine bereits nur mit B- oder C-Teams an und sprachen in aller Öffentlichkeit von einer lästigen Pflicht.

          Werders Trainer Thomas Schaaf ist Hallenfan

          Bei der DFL hofft man bei den 36 Profiklubs dennoch weiter auf Einsicht: „Einigkeit lässt sich nicht erreichen, aber die meisten Klubs wissen um die Wichtigkeit, die Distanz zwischen den Vereinen und den Fans aufzuheben“, sagt Bender.

          Neben den vielen traditionellen Regionalturnieren sei der Hallenpokal mit seinem Mix aus Wettkampf und Show sowie seiner „gesunden Mischung aus Großklubs und Überraschungsteams nach wie vor ein wichtiges Ereignis“. Hehre Worte, denen sich nur wenige anschließen. Lediglich Thomas Schaaf gibt sich als klarer Bekenner des Hallenfußballs aus. Der Trainer des SV Werder bringt Trainingslager in der Türkei und die Teilnahme an zwei der drei Hallenturniere unter einen Hut.

          "Zwang ist schlecht"

          „Wenn Zwang dahinter steckt, ist das schlecht“, sagt Schaaf. Er plädiert durchaus für die Beibehaltung des Hallen-Pokals, allerdings auf freiwilliger Basis. „Es muss nicht jeder Verein daran teilnehmen. Aber wenn, dann sollte der Spaß und die gute Atmosphäre im Vordergrund stehen. Noch im Januar geht es mit der Bundesliga weiter. Da muss man sich vernünftig vorbereiten.“

          Dennoch nehmen die Bremer mit einem „Spezialisten-Team“ an den Turnieren in der eigenen Stadthalle und am Samstag in Schwerin teil. „Das bedeutet eine Tagesreise und stört die Vorbereitung kaum. Außerdem gibt es einige Spieler, die kommen in der Halle besser zurecht als andere“, meint Schaaf.

          Zwickmühle

          Ob die bundesweite Serie mit ihren abwechselnden Finalrunden in Dortmund und München noch eine Chance bekommt, ist trotzdem fraglich. Ein Weg aus der Zwickmühle ist nicht in Sicht: Als brisanten Wettbewerb lässt sich der Hallenfußball nicht mehr etablieren. Als reines Spektakel ohne Wettkampfcharakter fehlen ihm die notwendigen Stars und der sportliche Reiz.

          „Eine grundsätzliche Entscheidung wird wohl erst im Frühjahr fallen“, sagt Bender, fügt aber an: „Die Terminlage sieht auch im nächsten Jahr nicht besonders rosig aus.“ Und das könnte der SpVgg Unterhaching eben einen historischen Titel garantieren.

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