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Analyse : Favoritensterben mit vielen Fragen

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Verletzt: Andy Roddick Bild: AP

Einer nach dem anderen hat sich von den Favoriten der Australian Open aus dem Turnier verabschiedet. Die FAZ.NET-Analyse.

          2 Min.

          Im November fand in Sydney der Masters Cup statt und dort trafen sich die acht besten Tennisspieler des Jahres, um den Allerbesten zu ermitteln. Nur zwei Monate später sieht es so aus, als sei aus der Zugehörigkeit zu dem Elitefeld im 800 Kilometer entfernten Melbourne ein kaum erklärbarer Fluch geworden zu sein: Keiner der glorreichen Acht überstand bei den Australian Open auch nur die zweite Runde.

          Sie waren entweder gar nicht erst dabei (Andre Agassi, Patrick Rafter, Juan Carlos Ferrero), erkrankt gescheitert (Lleyton Hewitt), verletzt ausgeschieden (Gustavo Kuerten, Goran Ivanisevic) oder vergrätzt ausgeschieden (Sebastien Grosjean, Jewgeni Kafelnikow).

          "Ein bizarres Turnier"

          Wenn man dann noch berücksichtigt, dass es bei den Herren am Donnerstag Vorjahresfinalist Arnaud Clement erwischte und der amerikanische Jungstar Andy Roddick mit einer erneuten Knöchelverletzung aufgeben musste, bei den Damen Lindsay Davenport verletzt gar nicht erst anreiste, Serena Williams wegen eines schmerzenden Fußes keine Chance hatte, ihrer neue Kleiderkollektion vorzuführen und ihre Schwester Venus ein Match mehr oder weniger auf einem Bein bestritt, kann man Pete Sampras nur recht geben.

          Ausgeschiedene australische Hoffnung: Mark Philippoussis

          "Das ist schon ein bizarres Turnier", sagt der ehemalige Weltranglisten-Erste, und er sollte es wissen, schließlich ist dies das 49 Grand-Slam-Turnier seiner Karriere. Aber auch der erfahrene Sieger von 13 Major-Titeln wusste keine umfassende Antwort auf die Frage, warum bei diesen Australian Open vor allem bei den Herren die Favoriten fallen wie die Fliegen.

          Todd Martin findet es großartig

          "Die Tiefe ist sehr groß, es gibt viele großartige Spieler, und deswegen gibt es eine Menge überraschungen. Und es gibt Verletzungen, es gibt kaum eine spielfreie Zeit." Der 30-jährige, der seinen eigenen Körper pflegt so gut er kann, wollte sich darauf allein aber nicht verlassen, "Ich glaube, ich klopfe besser mal auf Holz".

          Thomas Haas scheint seinem Körper zum richtigen Zeitpunkt etwas Regenration gegönnt zu haben. Nach seiner Reise zum Masters Cup Mitte November hatte er bewusst eine längere Auszeit genommen und diesmal keine Vorbereitungsturniere gespielt. „Ich wollte einfach eine längere Pause haben. Bei einem so großen Turnier erwartet man dann als gesetzter Spieler am Anfang ein paar einfache Runden.“

          Sampras fast genauso erfahrener Landsmann Todd Martin, der als der wohl größte Denker der aktiven Spieler gilt, grübelte auf die Frage nach einer Erklärung der erstaunlichen Vorgänge im Melbourne Park erst einmal lange nach, und kam dann zu einer überraschenden Aussage: "Ich finde, es ist großartig. Das öffnet dem Publikum die Augen dafür, wie gut jeder einzelne Spieler im Hauptfeld ist."

          Die Plätze, die Bälle, das Alter?

          Der 31-jährige Grauschopf glaubt, dass ein Turnier mit der Tradition der Australian Open nicht unter dem Verlust der Stars leiden wird: "Die Fans werden weiter kommen, die Sponsoren-Dollar auch, und die Leute werden die Spiele auch weiter im Fernsehen anschauen." Der langjährige Präsident der Spielervereinigung ATP sagte, es täte ihm zwar persönlich um die Acht vom Masters Cup, aber ansonsten sei dies doch gerade das, worum es im Tennis nun einmal gehe.

          Andere angebotene Erklärungen zu der unheimlichen Verletzungsserie, die das Leben der anwesenden Physiotherapeuten in Dauerstress ausarten lässt, reichen von den Plätzen (zu klebrig), über die Bälle (zu schwer und zu flauschig) bis zum Alter der Spieler (Agassi zu alt - Roddick zu jung).

          Pause bei den Damen zu lang?

          Neben der bereits diskutierten zu kurzen Pause nach der Saison, wird bei den Damen sogar spekuliert, dass die Pause diesmal vielleicht zu lang geraten ist. Titelverteidigerin Jennifer Capriati wiederum ist aufgefallen, dass es in diesem Jahr kühler ist als sonst in Melbourne, und dies lasse Verletzungen langsamer verheilen.

          Sollte es in den nächsten Tagen jedoch so heiß wie vorhergesagt werden, kann schon jetzt damit gerechnet werden, dass auch dies als Begründung für Niederlagen herhalten werden muss.

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