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Super Bowl 50 : Der emotionale Sieg des Peyton Manning

Ein klarer Sieger im Quarterback-Duell: Peyton Manning (rechts) holte den Titel, Cam Newton ging leer aus. Bild: dpa

Peyton Manning gewinnt das Quarterback-Duell mit dem neuen Football-Superstar Cam Newton klar und führt die Denver Broncos zum Super-Bowl-Titel. Eine Frage bleibt nach dem Triumph aber offen.

          Josh Norman akzeptierte die Niederlage knapp zwei Minuten vor dem Ende. Da bewies der Defensive Back der Carolina Panthers die Größe, auf Peyton Manning zuzugehen. Beim Gang vom Feld nahm der Quarterback die Glückwünsche sichtlich gerührt entgegen, die ein oder andere Träne kullerte bereits über sein Gesicht. Die Karriere des 39 Jahre alten Superstars erfuhr soeben eine späte Abrundung.



          Im fünften Super Bowl seiner Karriere sicherte sich der Oldie der Denver Broncos mit einem 24:10-Sieg über die Carolina Panthers den zweiten Ring für einen Sieg im größten Einzelereignis des Weltsports und legte damit das Image des Verlierers auf hohem Niveau ab – ehe er vermutlich nun seine Karriere ein Jahr vor Auslaufen seines Vertrags beenden wird. „So eine Entscheidung trifft man nicht aus der Emotion heraus“, sagte Manning indes nach dem Spiel und erbat sich ein paar Tage Bedenkzeit.

          Broncos-Defensive stoppt Scoring-Maschine

          Den Titel im großen Finale der Saison der National Football League (NFL) hat der Chefstratege der Broncos-Offensive freilich der Defensive seines Teams zu verdanken: Mit dem Ruf der besten Abwehrreihe der NFL ins Spiel gegangen, gelang dem Team das Meisterstück: Die Scoring-Maschine der Panthers, die in den beiden vorangegangenen Playoff-Duellen in der Addition 80 Punkte erzielte, biss sich immer wieder die Zähne aus.

          Da ist das gute Stück: Peyton Manning mit der Super-Bowl-Trophäe. Bilderstrecke

          Defensive Linebacker Von Miller wurde entsprechend zum wertvollsten Spieler des Super Bowl gekürt – diese Ehre wird nur selten einem Defensivspieler zuteil. Gleich mehrfach drang er während des Spiels bis zu Panthers-Spielmacher Cam Newton vor, setzte ihn unter Druck oder riss ihn gar zu Boden.

          Newton, vor dem Super Bowl zum wertvollste Spieler der Saison gekürt und mit viel Vorschusslorbeer ins Spiel gegangen, fand sich viel öfter auf dem Boden wieder, als es ihm im Saisonverlauf widerfahren war. Siebenmal gelangen den Broncos „Sacks“ gegen den Quarterback. Derart eingeschüchtert und sichtlich verunsichert fand er nur ganz selten zu seinen gefürchteten Läufen, mit denen er schon zahlreiche Quarterback-Rekorde für ersprintete Yards gebrochen hat.

          Nur kurz zu Beginn des zweiten Viertels sammelte er einige Meter, sonst standen dem 112 Kilogramm schweren und 1,96 Meter großen Modellathleten immer wieder die 130 bis 140 Kilogramm schwereren Defensive Linemen gegenüber, die in vorderster Front die gegnerische Offensive Line durchbrachen und zum gegnerischen Spielmacher vordrangen.

          Der Panthers-Quarterback hat in dieser Saison Amerika begeistert – und gespalten. Er, der mit seinen erst 26 Jahren bereits unglaublich viele Bestleistungen aufgestellt hat, füllt die Rolle des Spielmachers im American Football so körperbetont aus wie niemand zuvor. Zur Not läuft der im Bundesstaat Georgia geborene Superstar nicht nur mit dem Ball, er hechtet gar mutig durch die gegnerischen Abwehrreihen oder springt im Salto über die Gegner hinweg in die Endzone, wie es ihm dieser Saison gegen die Houston Texans gelang. Schon in seinen jungen Jahren hat er so beispielsweise den Rekord für Touchdowns eines Quarterbacks gebrochen.



          Daneben polarisiert er, der allzu gerne mit einem Superman-Shirt auf seine Ausnahmestellung aufmerksam macht, beispielsweise in der Super-Bowl-Woche mit dem Satz: „Ich bin ein afroamerikanischer Quarterback. Das macht möglicherweise vielen Leuten Angst, denn so etwas wie mich haben sie bisher noch nicht gesehen und können es mit nichts vergleichen.“

          Mit seinen spektakulären Aktionen führte er sein Team zur besten Bilanz aller Teams, lediglich eine Niederlage musste das Team aus Charlotte in North Carolina in der regulären Saison hinnehmen. Im Super Bowl aber stieß er an seine Grenzen: 60 Minuten lang blieb er ohne die ganz spektakuläre Aktion, nicht mal ein Touchdown-Pass gelang ihm.

          Mannings guter Auftakt im Turnover-Festival

          Das Schicksal nahm dabei schon früh seinen wegweisenden Lauf: Während Peyton Manning gleich nach dem Kickoff als erster der beiden Strategen aufs Feld durfte und überraschend unter Verzicht auf eine eher klassische Eröffnung mit Präferenz fürs Passspiel einen Pass an den anderen reihte, bis der Angriffszug letztlich mit einem Field Goal für die Broncos endete, erlitt Newton sofort einen derben Rückschlag. Nur neun Yards gelangen in drei Versuchen – und schon ging es nach dem Punt wieder in die andere Richtung. Es war der Beginn eines Turnover-Festivals in einem Super Bowl, in dem beide Teams nur selten einmal einen neuen ersten Versuch erspielten.

          Der Ballbesitz wechselte stattdessen ständig aufgrund der ungemein aggressiven und aufmerksamen Defensivreihen.  Und dann kam es gar zur ersten kleinen Katastrophe für Newton: Broncos-Linebacker Von Miller erwischte ihn und haute ihn nicht nur wenige Yards vor der eigenen Endzone zu Boden, sondern luchste ihm zuvor gar noch den Ball ab. Das Ei trudelte in die Endzone, wo sich  Malik Jackson den Touchdwon sichert. Ein seltenes Vergnügen für einen Defensive Linesman.

          Neun Spielminuten brauchte Newton, bis ihm endlich das erste First Down gelingt. Newton warf den Ball mit links zu Jonathan Stewart, der endlich ein paar Yards schafft. Erst mit Beginn des zweiten Viertels war dann kurzzeitig der echte Newton auf dem Feld: Zweimal lief er selbst, riskierte dabei sogar für einen zusätzlichen Yard seine körperliche Unversehrtheit.

          Jonathan Stewart sprang anschließend in bester Newton-Manier über die Abwehrreihe hinweg. Es stand nur noch 7:10. Doch es blieb ein Strohfeuer. Stattdessen ging die Achterbahnfahrt weiter: Seinem einzigen großen Pass des Abends über 50 Yards zu Corey Brown folgte eine Interception, ein Fehlpass, der den Broncos abermals die Chance zur Entlastung bot.

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          Manning konnte sich bei seinen Spielzügen dank der Führung darauf beschränken, das Spiel zu verwalten: Mit zwei Field Goals von Brandon McManus bauten die Broncos ihre Führung aus, während Panthers-Kicker Graham Gano einen 44-Yard-Versuch an den rechten Pfosten setzte. Erst im letzten Viertel gelingt den Broncos dann der erste echte Touchdown durch ein Laufspiel. Erst mit dem Pass zur folgenden Two-Point-Conversion gelang Manning dann auch noch ein offensives Kabinett-Stückchen – mit dem er sich schon in den Schlussminuten die Respektsgesten der Gegenspieler sicherte.

          Rund zwei Millionen sehen in Deutschland Super Bowl

          Das Interesse am Super-Bowl-Finale ist im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland gestiegen. 2,05 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 22,6 Prozent) verfolgten ab 0.30 Uhr in der Nacht zum Montag auf Sat.1 die Übertragung des ersten Viertels der Begegnung zwischen den Denver Broncos und Carolina Panthers (Endstand: 24:10), beim zweiten Viertel waren ab etwa 1.25 Uhr 1,82 Millionen (29,4 Prozent) dabei, in der Pause ab 2.20 Uhr 1,56 Millionen (31,5 Prozent). Die Messung der GfK-Fernsehforschung endete gegen 3 Uhr morgens. Im Vorjahr hatten durchschnittlich 1,31 Millionen Zuschauer Sat.1-Zuschauer den Super Bowl, das amerikanische Finale im American Football, gesehen. (dpa)

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