https://www.faz.net/-gtl-2s6x

Alkohol : Alkohol ist (un)gesund

  • -Aktualisiert am

Bier: Gesund oder ungesund? Bild: dpa

Kann man das Gläschen in Ehren tatsächlich nicht verwehren oder ist das Schönfärberei derer, die es selten bei einem Gläschen belassen? FAZ.NET geht der Sache auf den Grund.

          2 Min.

          Eine Botschaft unserer Zeit lautet, Alkohol in Maßen sei gesund. Als Beweis müssen meistens weintrinkende Franzosen herhalten: „die haben viel weniger Herzinfarkte.“ Was stimmt, aber der Grund ist nicht ausschließlich im regelmäßigen Weingenuss zu suchen. Ernährung und Einstellung zum Leben spielen auch eine Rolle.

          Wie (un)gesund ist Alkohol nun? Die Wissenschaft ist sich nicht einig. Stellen wir die Aussagen zweier Experten gegenüber: Professor Manfred Singer, Direktor der medizinischen Fakultät Mannheim, und der saarländische Internist Karl-Heinz Ricken haben beide wissenschaftliche Beiträge zum Thema veröffentlicht.

          Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren?

          „In Deutschland wird leider die Diskussion, wenn es um Alkohol geht, immer gleich über Alkoholismus geführt“, bedauert Karl-Heinz Ricken. „Und man berücksichtigt die vorliegenden Erkenntnisse nicht, dass ein maßvoller Alkoholgenuss, sei es Bier oder Wein, gesundheitsfördernd ist. Wir wissen, dass Menschen, die mäßig Alkohol trinken, weniger Herzinfarkte haben und länger leben als Abstinenzler, die überhaupt keinen Alkohol trinken.“

          Und die laut WHO „harmlose“ Alkoholmenge (siehe „Konsum in Maßen oder Abstinenz?“) ist nach Meinung des Internisten die gesundheitsfördernde: „Damit kommt es zu weniger Herzinfarkten und Schlaganfällen. Hinzu kommt, dass Wein und Bier Stoffe enthalten, die gesundheitsfördernd sind.“ Wein enthalte Polyphenole, die vor Krebs schützen sollen. Im Bier seien Mineralstoffe und B-Vitamine enthalten.

          Gesunde Ernährung ist wichtiger

          Manfred Singer ist von alldem nicht überzeugt: Studien, die dem Alkohol positive Wirkungen zusprechen, „sind von der Intention her bestimmt und methodisch sehr zu kritisieren“, betont er. „Andererseits gibt es Studien, die zeigen, dass der moderate Alkoholkonsum positive Wirkung hat - vorausgesetzt, die Menschen sind gesund. Aber die gleiche gesundheitliche Wirkung können Sie auch mit sportlicher Bewegung, mit fettarmer und ballaststoffreicher Ernährung erreichen.“

          Überhaupt geht es nach Ansicht des Mannheimer Professors nicht darum, ob und warum und wieviel Alkoholkonsum gesund sei. „Die eigentliche Frage ist: Wie kann der Missbrauch des Alkohols, der zu erheblichen gesundheitlichen Schäden führt, eingedämmt werden?“

          „Alkohol ist Volksdroge Nummer eins“

          In Deutschland gibt es zweieinhalb bis drei Millionen Alkoholkranke. „Daran hängen noch einmal etwa fünf bis sieben Millionen Mitbetroffene“, sagt Singer, „Ehepartner und Familienmitglieder. Zusätzlich sind eine Viertel Million Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre stark gefährdet.“

          Die Frage nach der gesundheitlichen Wirkung von Alkohol könne nicht unabhängig von weiteren Aspekten des Themas diskutiert werden. „Alkohol mag unter Umständen eine positive Wirkung haben; unter anderen aber wird er schaden, süchtig machen und umbringen, sagt Singer. Und die Grenzen sind im richtigen Leben nicht so eindeutig wie in den Empfehlungen der WHO.

          Auch Karl-Heinz Ricken weist auf einen weiteren wichtigen Umstand hin: „Bier und Wein sind billig und deshalb auch leicht verfügbar. Und wer glaubt, seine Probleme mit Alkohol lösen zu müssen, der nimmt halt diese Droge.“

          Alkoholgebrauch führt zu Missbrauch

          Ist es vielleicht, um ganz sicher zu gehen, empfehlenswert, ganz auf Alkohol zu verzichten? Manfred Singer gibt zu: „Wenn Sie über 30 sind, einen einigermaßen normalen Lebenswandel haben, und regelmäßig einen Viertel Liter Wein trinken, geht es Ihnen statistisch gesehen, im Bezug auf ds Herzinfarktrisiko, besser als Menschen, die überhaupt keinen Alkohol trinken und solchen, die sehr viel Alkohol trinken.“ Dennoch gibt er zu bedenken: „Das Gerede von der positiven Wirkung des Alkohols verführt zu regelmäßigem Konsum. Und Alkoholmissbrauch beginnt beim Alkoholgebrauch.“

          Karl-Heinz Ricken sieht das lockerer: „In der Regel trinken wir nicht täglich - und wenn wir dann mal ein, zwei Biere mehr trinken, verkraftet das unsere Leber schon.“ Aber letztendlich sind sich die beiden Fachleute im Wesentlichen einig: Kein Alkohol in der Schwangerschaft und kein Alkohol bei Erkrankungen des Herzens, der Leber und der Bauchspeicheldrüse.

          „Alkohol ist, wenn Sie so wollen, ein Arzneimittel“, fasst Karl-Heinz Ricken zusammen. „Damit kann ich einen Patienten heilen oder ihn auch umbringen - es ist eine Frage der Dosis.“

          Weitere Themen

          Bleibt Sancho beim BVB? Video-Seite öffnen

          Manchester United ruft : Bleibt Sancho beim BVB?

          Es ist mehr als nur eine Sommerloch-Frage, zumindest hier bei Borussia Dortmund: Bleibt der englische Jung-Star Jadon Sancho, oder wechselt er demnächst zu Manchester United? Laut Medienberichten will der englische Klub die Dortmunder von einer Art Ratenzahlung überzeugen, um die 120 Millionen Euro zu bezahlen.

          Topmeldungen

          Teilnehmer der Demonstration am Samstag in Berlin

          Protest in Berlin : Die Organisationsstruktur hinter den „Hygiene-Demos“

          Dass die Demonstration gegen die Corona-Politik so viel Zulauf bekommen hat, hat mit der Professionalisierung der Organisatoren, gezielter Werbung, einem Bündnis mit einem Busunternehmerverband und dem AfD-„Flügel“ zu tun.

          Unter Korruptionsverdacht : Früherer König Juan Carlos verlässt Spanien

          In einem Brief teilt der ehemalige spanische Monarch seinem Sohn mit, dass er das Land verlassen will. Juan Carlos ist in einen Finanzskandal verstrickt. Mit dem Schritt erspart er Felipe VI. eine schwere Entscheidung.
          Thomas Griesel, 34, mittlerweile Chef von 7000 Hello-Fresh-Mitarbeitern in 14 Ländern

          Hello Fresh : „Wir können noch mehrere hundert Prozent wachsen“

          Hello Fresh ist der Shootingstar am deutschen Aktienmarkt. Gründer und Vorstandsvorsitzender Thomas Griesel spricht im Interview über hungrige Bauarbeiter, Gewinne durch Corona und sein Verständnis als Weltmarktführer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.