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Bundesliga-Wintercheck : Aktien-Millionen für den Meistertitel

  • -Aktualisiert am

Teures Talent: Tomas Rosicky Bild:

Ein 20-jähriger solls richten. Mit 25-Millionen-Mark-Mann Tomas Rosicky will Borussia Dortmund zurück in die Spitze der Bundesliga.

          Vor acht Monaten herrschte bei Borussia Dortmund noch das Chaos. Der Sieger der Champions League von 1997 steckte im Abstiegskampf. Drei Trainerwechsel von Skibbe über Krauss zu Lattek standen als Zeichen für die große Krise. Belastet von der Ungewissheit, ob das Team in den Kreis der Spitzenmannschaften zurückkehren könne, startete der BVB in die Saison.

          Ohne Stars wie Andreas Möller und Sergej Barbarez, die bei Schalke und beim HSV zu Leistungsträgern wurden, meldeten sich die Westfalen zurück. Wie in den Meisterjahren 1995 und 1996 avancierte das BVB-Team unter dem neuen Cheftrainer Matthias Sammer mit alter Kampfkraft zur auswärtsstärksten Mannschaft der Hinrunde. In der Winterpause zahlten die Schwarz-Gelben für den Tscheche Tomas Rosicky (20) die Rekord-Ablösesumme von mehr als 25 Millionen Mark an Sparta Prag. Mit Jan Derek Sörensen von Rosenborg Trondheim wurde eine zweite Offensivkraft verpflichtet. Der Tabellen-Dritte, der nur einen Punkt Rückstand auf Spitzenreiter Schalke aufweist, gilt nun vielen als „Geheimfavorit“. Torwart Jens Lehmann spricht sogar davon, dass die Meisterschaft möglich sei.

          Das Team

          Nach vielen internen Streitigkeiten präsentierten sich die Dortmunder im alten Jahr wieder als geschlossene Einheit mit ausgeprägtem „Wir-Gefühl“. Mit einer starken Kondition konnten viele Punkte in den Schlussphasen der Spiele eingefahren werden. Doch im spielerischen Bereich offenbarte die durch Sunday Oliseh und Jörg Heinrich taktisch gereifte Mannschaft noch deutliche Mängel. Beim 0:4 im Westfalenstadion gegen Schalke und beim 2:6 bei Bayern München traten krasse Leistungseinbrüche zu Tage. Zu Hause kassierte der BVB bei fünf Siegen drei Niederlagen bei einer mageren Torbilanz von 12:10.

          Da Fredi Bobic weiter seiner Form hinterherlief und Heiko Herrlich wegen eines Gehirntumors ausfiel, holte der Club mit Rosicky und Sörensen zwei Offensivspieler, die zum Auftakt gegen Cottbus am Samstag zur Anfangsformation gehören könnten. Die Idealabwehr vor Lehmann sollte aus Jürgen Kohler, Christian Wörns und Sunday Oliseh bestehen, wobei der Nigerianer wegen eines Länderspiels gegen Cottbus fehlt. Heinrich rückt aus dem Mittelfeld ins Defensivzentrum, das von Evanilson, Dede, Rosicky, Miroslav Stevic (oder Christian Nerlinger) und Otto Addo (oder Lars Ricken) gebildet werden kann. Für das Sturmduo bieten sich Billy Reina, Fredi Bobic und Derek Sörensen an.

          Der Trainer

          Der junge Chefcoach Sammer hat seinem Personal vor allem die richtige Einstellung vermittelt. „Fußball ist in erster Linie viel Arbeit“, sagt der Ex-Nationalspieler, der dem Team auch zu mehr Konstanz verhalf. Der 33-Jährige, der bei seinem Trainerdebüt wie erwartet sehr überzeugend auftritt, stapelt tief. Der Sachse formuliert als Saisonziel einen „Europapokalplatz“. Doch auch der frühere „Fußballer Europas“ sieht noch erhebliches Potenzial in seinem Team: „Wir haben noch Platz in der Entwicklung nach oben. Die Spieler und ich wissen noch gar nicht, was wir können.“ Entscheidende Verbesserungen bei Taktik und Spielkultur benötigten aber noch etwas Zeit.

          Die Struktur

          Als erster Bundesliga-Verein gingen die Dortmunder im vergangenen Frühjahr an die Börse. Die Aktie der Borussia blieb von der Krise am Neuen Markt nicht unberührt und fiel vom Emissionkurs von elf auf fast acht Euro. Das Management um Michael Meier betrachtet die Entwicklung aber gelassen. Rund 300 Millionen Mark spülte der Börsengang in die ohnehin schon gut gefüllten Vereinskassen. Das wertvollste Kapital des BVB ist und bleibt indes das große Fanpotenzial und das Publikum, das das Westfalenstadion regelmäßig in eine Schaubühne von puren Emotionen verwandelt.

          Die Perspektive

          Borussia Dortmund sollte bei einer erfolgreichen Integration der erhofften Leistungsträger Rosicky und Sörensen zum Saisonende in die Champions League zurückkehren. Werden die Schwächen bei gegnerischen Standardsituationen und in der Offensive abgelegt, kann sogar der Titelkampf gegen den FC Bayern, Schalke und Leverkusen erfolgreich enden.

          Tendenz: Ein Platz zwischen zwei bis vier sollte realisierbar sein, aber auch die Meisterschaft ist nicht unmöglich.

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