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Afrika-Cup : Winfried Schäfers persönliche Weltmeisterschaft

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„Unbezwingbare Löwen”: Team Kamerun mit Trainer Schäfer Bild: dpa

          Großereignis, Standortbestimmung, Schaulaufen oder Verlustgeschäft - die Meinungen über die Wertigkeit des 23. Afrika-Cups der Fußballer in Mali gehen weit auseinander.

          Für Trainer Winfried Schäfer, der mit Deutschlands WM-Gegner Kamerun als Titelverteidiger und Top-Favorit ins Turnier geht, hat der mit der Europameisterschaft vergleichbare „CAN“ (Coupe d'Afrique des Nations) sogar „den Stellenwert einer WM“.

          Fans fordern Siege, Stars wollen sich nicht verletzen

          „Das Problem ist, dass dieses Turnier für die Fans wichtig ist, die Spieler aber nur von der WM im Sommer reden und daran denken, sich nicht zu verletzen“, meint der ehemalige Bundesliga-Trainer des Karlsruher SC: „Immer wenn im gleichen Jahr eine WM anstand, hat Kamerun einen schwachen Afrika-Cup gespielt. Doch dieses Land braucht Erfolg. Das Endspiel müssen und können wir erreichen. Platz fünf oder sechs akzeptiert bei uns keiner.“

          So ist die kontinentale Meisterschaft rund vier Monate nach seinem Amtsantritt auch der erste Härtetest für „Winnie“. Sollte sein Team nicht das Finale am 10. Februar erreichen, stünde der Coach im Hinblick auf die WM mächtig unter Druck.

          Alle WM-Teilnehmer Afrikas am Start

          Doch die Konkurrenz ist groß: 15 der 17 besten afrikanischen Teams laut offizieller Fifa-Rangliste haben sich für das 16 Mannschaften umfassende Teilnehmerfeld qualifiziert, darunter auch die fünf WM-Teilnehmer Tunesien, Südafrika, Kamerun, Nigeria und Senegal. Stärkstes afrikanische Team laut Fifa-Rangliste ist Tunesien (1. in Afrika / 28. in der Welt), Schäfers Favorit heißt aber Nigeria (5./39.).

          Bei den „Super Eagles“, die 2000 erst im Endspiel im Elfmeterschießen an Kamerun (4./37.) scheiterten, stehen in den Abwehrspieler Taribo West (1. FC Kaiserslautern), den Mittelfeldspielern Pascal Ojigwe (Bayer Leverkusen) und Sunday Oliseh (Borussia Dortmund) sowie Stürmer Victor Agali (Schalke 04) gleich vier Bundesliga-Profis im Kader. Insgesamt nominierten die 16 Nationaltrainer 15 Spieler aus der Ersten und zwei aus der Zweiten Bundesliga für den Afrika-Cup.

          Machtkampf schwächt die „Black Stars“

          Rekord-Gewinner Ghana (vier Siege) wird diesmal nicht zum Favoritenkreis gezählt. Zum einen sind die „Black Stars“ nur noch 61. in der Weltrangliste (9. in Afrika), zum andern sorgte ein Machtkampf zwischen Bayern Münchens Sammy Kuffour und Nationaltrainer Fred Osam-Duodu für Unruhe.

          Kuffour, der bereits zum vierten Mal beim Afrika-Cup dabei sein wird und als Favorit auf den Titel von „Afrikas Fußballer des Jahres“ gilt, setzte sich für eine Nominierung seines Freundes Charles Akonnor vom Liga-Konkurrenten VfL Wolfsburg ein. Doch Osam-Duodo nominierte den Wolfsburger nach gerade überstandener Meniskus-Verletzung nicht und konnte Kuffour nur mit Mühe davon abhalten, aus dem Trainingslager abzureisen.

          Streit ums Geld stört die Vorbereitung

          Nigerias Vorbereitung wird ebenso wie die Liberias von einem Prämienstreit gestört. „Wir werden in Europa sehr gut bezahlt und verlieren viel Geld, wenn wir für die Nationalmannschaft spielen“, meinte Benedict Akwuegbu vom österreichischen Erstligisten Sturm Graz.

          Genau aus diesem Grund nehmen Stars wie Marokkos Spielmacher Mustapha Hadj vom englischen Premier-League-Klub Aston Villa oder Südafrikas Kapitän Shaun Bartlett vom Ligarivalen Charlton Athletic gar nicht erst teil.

          Schaulaufen für die Amateure

          Für andere, die noch in ihrer Heimat spielen, ist der Afrika-Cup dagegen das reinste Schaulaufen: „Fünf bis zehn Spieler werden wir offziellen Agenten nach Europa vermitteln, aber Hunderte werden sich wieder selbst auf die Beine machen“, sagte der in Afrika tätige Spielervermittler Ceylan Caliskan dem Spiegel: „Wer einmal Bilder aus dem Palast gesehen hat, den sich Sammy Kuffour in den Busch hat bauen lassen, den hält nichts mehr in Ghana.“

          Die Freiburger Boubacar Diarra und Ismail Coulibaly vom Gastgeber und krassen Außenseiter Mali (22. in Afrika/108. in der Welt) haben den Sprung ins Ausland geschafft. Ihr Land gehört jedoch zu den ärmsten, die billigsten Eintrittskarten für den Afrika-Cup gibt es schon für umgerechnet 0,76 Euro. „Wir sind sicher ein armes Land, aber wir werden beweisen, dass wir ein ehrliches Land sind“, erklärte Staatspräsident Alpha Oumar Konare.

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