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Afrika Cup : Das Armenhaus Afrikas leistet sich Fußball als Luxus

  • -Aktualisiert am

Spielszene im Armenhaus: Ghana gegen Marokko beim Afrika-Cup in Mali Bild: dpa

Kaum ein Land auf dem afrikanischen Kontinent schien ungeeigneter für die Ausrichtung des 23. Afrika Cups zu sein als der westafrikanische Staat Mali.

          Kaum ein Land auf dem afrikanischen Kontinent schien ungeeigneter für die Ausrichtung des 23. Afrika Cups zu sein als Mali. Doch Staatspräsident Alpha Oumar Konaré ließ sich von seiner Idee nicht abbringen, das bedeutendste Fußball-Turnier Afrikas in eines der ärmsten Länder der Welt zu holen.

          Der demokratisch gewählte Konaré sah in dem Ereignis einen Meilenstein für die „Entwicklung des Landes“. Nun ist der westafrikanische Staat um zwei Flughäfen, vier Fußballstadien und immerhin ein Hospital reicher, die Zahl der Hotelzimmer wurde erhöht, Straßen gebaut oder verbessert.

          Lebenserwartung in Mali beträgt 52 Jahre

          Wie sich das Land diesen Aufwand leistet, ist rätselhaft: Das Bruttosozialprodukt pro Einwohner liegt bei etwa 230 Dollar, die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt rund 52 Jahre, die Säuglingssterblichkeit etwa 14 Prozent, 54 Prozent der Männer sind Analphabeten, 69 Prozent der Frauen können weder lesen noch schreiben.

          Weltbank und andere Kreditgeber wollten kein Geld für das Turnier geben. So bat die Regierung vor einigen Monaten Südafrika um finanzielle und logistische Hilfe. Und auch die chinesische Regierung soll Mali bei den Baumaßnahmen geholfen haben.

          Im Mittelpunkt der afrikanischen Öffentlichkeit

          Offiziell belaufen sich die Kosten auf rund 90 Millionen Euro, inoffiziell sollen sie weit höher liegen. Bei der Bevölkerung wurde die Ausrichtung des Turniers zunächst skeptisch gesehen. Doch die Stimmung hat sich geändert. Die Nationalfarben Malis dominieren die Straßen der Hauptstadt Bamako.

          „Im Vorfeld wurde hier sehr viel an der Infrastruktur des Landes getan. Dieses sehen die Leute natürlich und deswegen stehen sie dem Afrika Cup auch positiv gegenüber“, sagt ein französischer Journalist, der schon seit langem im Land lebt. „Im Moment genießen es die Leute einfach mal, im Mittelpunkt der afrikanischen Öffentlichkeit zu stehen.“

          Das ganze Volk steht hinter Malis Mannschaft

          Immerhin sind 750 Medienvertreter für den Afrika Cup akkreditiert. Taxifahrer Mohammed Diarra meint: „Ich wusste nicht, warum dieses Turnier hier stattfinden muss. Nun finde ich es aber gut, und das ganze Volk steht hinter unserer Mannschaft.“ Mit dem 1:1 im Eröffnungsspiel vor 60.000 Zuschauern gegen Liberia feierte das Land, in dem es erst seit wenigen Jahren Liga-Fußball gibt, wenigstens einen Teilerfolg.

          Dass es zu organisatorischen Problemen kommt - fehlendes Wasser in den Hotels und verschwundenes Gepäck - ist fast schon selbstverständlich. Doch diese Probleme sind exemplarisch für ganz Afrika und nicht spezifisch für Mali. Und auch der Anstieg der Preise bei dem Turnier ist ein nicht auf Mali beschränktes Phänomen.

          Eintrittskarte kostet ein Euro

          Kopfzerbrechen bereitet den Organisatoren der schlechte Besuch der meisten Spiele. Die Tickets werden für umgerechnet nur einen Euro verkauft, dennoch kamen mit Ausnahme des Eröffnungsspiels im Schnitt nur knapp 12.000 Zuschauer zu den Begegnungen.

          Die Funktionäre setzen nun darauf, dass die Heimmannschaft um die Freiburger Bundesligaspieler Soumaila Coulibaly und Boubacar Diarra nicht schon in der ersten Runde ausscheidet.

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