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89. Tour de France : Team Telekom: Ohne Jan Ullrich bleibt Magenta blass

Neben Zabel (l) meistens blass geblieben: Magenta-Fahrer Aldag, Livingston und Hondo Bild: dpa

Auf der letzten Alpenetappe hat sich Guerini in Szene gesetzt. Ansonsten kann aus Telekom-Sicht nur Zabel bei dieser Tour zufrieden sein.

          „Es wurde Zeit, dass unser Trikot mal wieder vorne zu sehen war“, sagte Telekom-Pressesprecher Olaf Ludwig nach der 17. Etappe, auf der Guiseppe Guerini Dritter wurde. Ansonsten war von den Männern in Magenta wenig zu sehen: „Die erste Tour-Hälfte war gut, die zweite schlecht“, zog Team-Manager Walter Godefroot zwei Tage vor Ende der 89. Frankreich-Rundfahrt ein vorläufiges Fazit.

          Nur Erik Zabels ewiger Kampf um das Grüne Trikot ließ die blasse Telekom-Truppe in farbigem Licht erscheinen. Und diesmal scheint der Australier Robbie McEwen auch noch stärker als Zabel zu sein. Er ist in der zweiten Tourhälfte meist eine Radlänge voraus und führt mit einem Punkt Vorsprung in der Sprintwertung.

          Keine Erfolge ohne Kapitän

          So hält selbst Zabel sich immer noch an den Erfolgen der ersten Tourwoche fest: In Alencon feierte er seinen insgesamt 12. Etappensieg seit 1995, in Reims holte er zum zweiten Mal für einen Tag das Gelbe Trikot. Das Grüne Trikot jedoch, seit sechs Jahren maßgeschneidert für den „Sportler des Jahres“, könnte er diesmal in Paris zum ersten Mal seit 1996 verpassen.

          Immer auf Sichtweite: Zabel und McEwen (vorne)

          Ohne Jan Ullrich fehlt dem Team nicht nur der Kapitän, sondern auch der Kampfgeist. Guerini, der 1998 in Alpe d´Huez gewann, ließ erst zuletzt sein Kletter-Können aufblitzen. Vorher war er auf der Königsetappe mit 34:26 Minuten Rückstand als 147. über die Ziellinie gekrochen. Der ehemalige Armstrong-Lakai Kevin Livingston (USA) trat überhaupt nicht in Erscheinung. „Das liegt an der Helfer-Mentalität, sie brauchen einen Leader“, hatte Telekom-Manager Walter Godefroot erkennen müssen.

          Zweigleisig oder zweitklassig?

          Doch Jan Ullrich ist noch für die nächsten acht Monate außer Gefecht - mindestens. Wer weiß schon, ob seine persönlichen und gesundheitlichen Probleme mit Ablauf der Sperre am 24. März 2003 wirklich behoben sind? Bei seinem Team, das bis 2005 weitermacht, plant man deshalb zweigleisig: „Mit Jan ebenso wie ohne ihn“, sagt Godefroot.

          Doch wer soll die Nachfolge antreten? Talente wie der Berliner Andreas Klöden, der Nürnberger Matthias Kessler oder der Kasache Alexander Winokurow konnten die großen Pedale Ullrichs bisher nicht ausfüllen. Fast trotzig bekräftigt Sportdirektor Rudy Pevenage: „Wir haben auch ohne Jan ein gutes Team.“

          Prominent besetzte Wunschliste

          Dennoch wird es wohl krätig durcheinander geschüttelt. Die Altgedienten Udo Bölts und Jens Heppner sowie Doppel-Olympiasieger Robert Bartko und Kevin Livingston müssen das Team verlassen. Erfreut waren sie darüber nicht: „Einfach plump“, meinte Bartko zu seiner Abmeldung bei Telekom. „Es war nicht schön“, kritisierte auch Heppner den Führungsstil: „Udo Bölts und ich haben uns immer in den Dienst der Mannschaft gestellt - und dann so eine Abfuhr.“

          Neben den sicheren Neuzugängen Mario Aerts (Belgien) und Christian Werner (Frankfurt) sollen - weder bestätigt, noch dementiert - Oscar Sevilla (Spanien / Vuelta-Zweiter 2001), Santiago Botero (Kolumbien / zweifacher Etappensieger), Paolo Savoldelli (Italien / Giro-Gewinner 2002), Cadel Evans (Australien / Rosa Trikot beim Giro 2002) und Raimondas Rumsas (Litauen / Tour-Dritter 2002) auf der Wunschliste stehen.

          Kein Hoffnungsträger am Start

          Von den unter Vertrag stehenden Hoffnungsträgern ist bei der laufenden Tour keiner am Start. Klöden ist nach einer glänzenden Saison 2000 mit Siegen bei Paris-Nizza und der Baskenland-Rundfahrt sowie olympischem Bronze meist den Beweis seiner Klasse schuldig geblieben.

          Auch ihn plagen wie Ullrich Knieprobleme. Neben Kessler und dem ausrangierten Heppner fährt Klöden seit Mittwoch die Sachsen-Tour. Winokurow muss verletzungsbedingt ganz pausieren. Ihm hätte Pevenage bei der Frankreich-Rundfahrt einiges zugetraut: „Er wäre unser stärkster Fahrer für das Gesamtklassement gewesen.“

          Kein Magenta im Vorderfeld

          Dort sucht man in diesem Jahr vergebens einen Telekom-Mann im Vorderfeld. Der Amerikaner Bobby Julich, Gesamtdritter 1998, ist über seinen Zenit hinaus und dennoch als 39. (1:09:29 Rückstand) bester Mann der Bonner Radsporttruppe. Erfolgreichster Deutscher ist dagegen Jörg Jaksche (32.) vom spanischen Once-Team. Die Kombination Deutscher und Telekom findet man erst auf Platz 47. Es ist Udo Bölts, der nachnominierte Oldtimer bei seiner elften und letzten Tourteilnahme, mit 1:21:30 Stunden Rückstand.

          Auch in den Sonderwertungen hat sich mit Ausnahme des ewig Grünen Erik Zabel keiner hervorgetan. In der Bergwertung schob sich Guerini dank seiner Auferstehung vom Donnerstag zumindest auf Platz zwölf. In den Genuss des Weißen Trikots des besten Nachwuchsfahrers konnte von vorneherein keiner kommen: Als jüngste Telekom-Mann ist Danilo Hondo mit 28 drei Jahre zu alt.

          Ullrich-Kontakte zu Tiscali

          „Ich kann nicht begreifen, warum kein Geld in die Ausbildung junger deutscher Fahrer investiert wird“, sagt Heppner, der die Politik bei Telekom schon länger nicht mehr versteht. Das „Jan-Ullrich-Nachwuchsteam“ wurde geschlossen, weil sich Trainer Peter Becker ganz auf die Betreuung des Stars selbst konzentrieren sollte. Doch der fährt nicht.

          Und wenn es ganz unerwartet kommt, stehen auf der Liste der Abgänge mehr als die bisher bekannten vier Namen. Der beurlaubte Ullrich soll Kontakt zu seinem früheren Team-Kollegen Bjarne Riis aufgenommen haben. Dem Dänen fehlt nach dem Karriere-Ende Laurent Jalaberts ein großer Name im CSC Tiscali-Team.

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