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89. Tour de France : Botero erster Alpenkönig

  • Aktualisiert am

Alpenkönig: Santiago Botero Bild: dpa

Mit stolzen 6:45 Minuten Vorsprung vor Lance Armstrong hat Santiago Botero die erste Alpen-Etappe der Tour de France gewonnen. Der Amerikaner bleibt indes im Gelben Trikot.

          2 Min.

          Ein Mann, der im Winter unter abenteuerlichen Bedingungen in seiner kolumbianischen Heimat in Medellin trainiert und immer mit der Angst um Entführung leben muss, siegte bei der ersten Alpenetappe der 89. Tour de France. In dem 1650 m hoch gelegenen Skiort Les Deux Alpes triumphierte Santiago Botero 6:42 Minuten vor der Spitzengruppe mit Armstrong und weiteren Spitzenfahrern.

          Der bullige Botero hatte sich auf dem brutalen Schlussanstieg sieben Kilometer vor dem Ziel alleine auf und davon gemacht. Selbst der Träger des Gelben Trikots konnte nicht folgen. „Das war ein langer, schwerer Tag. Aber mein Team hatte wieder alles im Griff. Das Terrain war heute für mich nicht geeignet, um zu attackieren“, erklärte Armstrong.

          So siegte Botero als Bester einer ursprünglich siebenköpfigen Spitzengruppe. Er gewann die 15. und längste Etappe nach 226,5 km im Alleingang.

          Idylle Tour de France

          Armstrong konterte sofort

          Auf den letzten 800 m hatten der Zweitplatzierte im Gesamtklassement, Joseba Beloki (Spanien), und der Dritte, Raimondas Rumsas (Litauen), noch versucht, Armstrong wegzufahren - ohne Erfolg. Der Meister aus Texas parierte den Angriff sofort und rollte zwar hinter ihnen, aber zeitgleich mit den beiden über die Ziellinie.

          „Ich habe eine gute Mannschaft. Deshalb bin ich für die Alpen zuversichtlich“, hatte Armstrong vor dem Start gesagt und am auch Dienstag die Konkurrenz kontrolliert. „Wenn Lance nichts passiert, ist er unangreifbar. Wir müssen uns auf den zweiten Platz von Joseba konzentrieren“, sagte Once-Profi Jörg Jaksche, der am Dienstag 26 Jahre alt wurde.

          McEwen weiter in Grün

          Da Telekom-Kapitän Erik Zabel und sein australischer Rivale Robbie McEwen an den beiden Zwischenspurts des Tages nicht beteiligt waren, änderte sich an der Spitze der Sprintwertung nichts. Im Grünen Trikot führt weiter McEwen vor dem punktgleichen Zabel.

          „Wir müsssen vielleicht noch bis Paris zittern. Aber möglicherweise kann Erik ja doch noch in den Alpen punkten“, sagte Telekom-Direktor Rudy Pevenage, der den Kampf ums Gelbe Trikot bereits für entschieden hält: „Armstrong ist einfach zu stark. Ich sehe niemanden, der ihn noch gefähren könnte“, sagte der Belgier, dem auch sein prominenter Landsmann Eddy Merckx beipflichtet: „Die Tour ist eine One-Man-Show von Armstrong“.

          Hitzeschlacht in der Höhe

          Die Hitze-Schlacht über rund 4000 Höhenmeter hatte am Dienstag mit enorm hohem Tempo begonnen. Einen Schnitt von 48,3 km/h erreichte der Tour-Tross in der ersten Stunde, als das Feld auf dem Weg von der Provence in die Alpen abgesehen von einigen Attacken weitgehend zusammengeblieben war.

          Den ersten Bergpreis nach 68,5 km am Col de Premol gewann Botero, der nach der anschließenden Abfahrt mit Aerts davonzog. Dem Duo schlossen sich bis zum Zwischensprint in Luc-en-Diois bei Kilometer 81,5 fünf Begleiter an. Die Gruppe mit Botero und Aerts sowie Merckx, Martin Hvastija (Slowenien), Vicente Garcia Acosta (Spanien), Sandy Casar und Emmanuel Magnien (beide Frankreich) formierte sich vor dem Hauptfeld, das nach einem Sturz auseinander gefallen war.

          Botero hatte zuvor 18:36 Minuten Rückstand

          Im Peloton ließ Armstrongs US-Postal-Express die Ausreißer gewähren, da keiner der Flüchtlinge eine unmittelbare Gefahr für das Gelbe Trikot darstellte. Als im Gesamtklassment bestplatzierter Ausreißer war Botero vom 18. Platz mit 18:36 Minuten Rückstand auf Armstrong ins Rennen gegangen.

          „Mein Ziel ist ein Podiumsplatz in Paris“, sagte Botero, der sich durch seine Solo-Einlage am 11,2 km langen Aufstieg mit 6,4 Prozent Steigung zum 1650 m hoch gelegenen Ziel 11:31 Minuten hinter Armstrong auf den siebten Rang des Gesamtklassements verbesserte. Obwohl „Ausreißer-König“ Laurent Jalabert diesmal nicht in der zeitweise mit über zehn Minuten Vorsprung führenden Fluchtgruppe fuhr, konnte der Franzose das Bergtrikot erfolgreich verteidigen.

          Königsetappe steigt am Mittwoch

          Das 16. Teilstück am Mittwoch ist die „Königsetappe“ der diesjährigen Tour. Die Strecke ist mit 179,5 km von Les Deux Alpes nach La Plagne knapp 50 km kürzer als am Dienstag und beinhaltet drei schwere Bergwertungen. Der Galibier, mit 2645 m das diesjährige „Dach der Tour“, sowie der Madeleine und der Schlussanstieg in den Bergort La Plagne zählen seit jeher zu den Höchstschwierigkeiten in 99 Jahren Frankreich-Rundfahrt.

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