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89. Tour de France : Armstrong ahmt sich selbst nach

  • Aktualisiert am

Auch Sieger in Plateau de Beille: Lance Armstrong Bild: dpa

Der alte und vermutlich neue Sieger der Tour de France kopiert sich selbst: In unnachahmlichen Stil hat Lance Armstrong nach der elften auch die zwölfte Etappe gewonnen.

          Lance Armstrong ist in Tritt gekommen. Und zwar derart, dass den Amerikaner auch bei der diesjährigen Tour de France niemand mehr zu stoppen vermag. Nach der elften Etappe nutzte der Ausnahmekönner unter den Pedaleuren den Tag darauf zu einer gleichfalls beeindruckenden Demonstration der Stärke. „Jeder Tritt ist hier Taktik“, gab der Sieger später erleichtert zu, „es kann so viel passieren.“

          Bei der 12. Etappe geschah dasselbe wie bei der am Tag zuvor: Die 199,5 Kilometer zwischen Lannemezan und Plateau de Beille wirkten dabei wie eine Kopie der 158 Kilometer zwischen Pau und La Mongie.

          Zusammen mit Helfer Roberto Heras ließ er auf der 15,9 Kilometer langen Bergankunft den Konkurrenten Joseba Beloki hinter sich, um in einer unvergleichlichen Alleinfahrt seinen dritten Etappensieg der 89. Auflage einzufahren.

          Triumphator: Lance Armstrong

          „Ich habe eine hervorragende Mannschaft. Das Gelbe Trikot zu holen ist eine Sache, es auch zu verteidigen, eine andere. Um das zu schaffen, braucht man ein gutes Team, und wir haben gezeigt, dass wir so ein Team haben“, sagte Armstrong.

          Resignation bei Once

          Dagegen klang bei der Once-Konkurrenz schon Resignation durch: „Ich habe mein Möglichstes getan. Ich wollte Armstrong parieren, aber er war zu stark“, sagte der geschlagene Joseba Beloki.

          Abermals konterte Armstrong mit seinem bärenstarken Team US Postal einen Ausreißversuch des mutigen Franzosen Laurent Jalabert, um dann selbst zum Angriff überzugehen. „Wie es aussieht, ist es so wie letztes Jahr“, erklärt auch Rudy Pevenage vom Team Telekom und huldigt Armstrong: „Er ist zu hundert Prozent bei seinem Beruf.“

          Beloki hinter Heras

          Keine Frage: In dieser Verfassung ist Armstrong konkurrenzlos. Sein 14. Etappenerfolg bei der Tour in 6:00:29 Stunden war einer der eindrucksvollsten seiner Karriere.

          Armstrong selbst gibt das Lob an die Teamkollegen weiter: „Ich sehe abends beim Essen in acht lächelnde Gesichter. Das gibt mir Zuversicht. Und von vorne fährt es sich leichter als von hinten.“

          Beloki bis zur Erschöpfung

          Beloki vom Team Once kämpfte abermals bis zur Erschöpfung, musste aber nicht nur Platz zwei Heras überlassen sondern verlor am Ende weitere 1:04 Minuten auf Armstrong. Im Gesamtklassement liegt der Once-Profi nun schon 2:28 Minuten hinter dem Führenden.

          „Es kann noch viel passieren“, glaubt Once-Fahrer Jörg Jaksche, „die Leute, die sich hier geschont haben, können noch die nächsten Tage attackieren.“ Jaksche bleibt in der Gesamtwertung der beste deutsche Fahrer.

          Respekt für Jalabert

          Das Bergtrikot eroberte der frühere, französische Weltranglistenerste Jalabert vom dänischen Team CSC Tiscali. „Ich hatte Lust, meine letzte Pyrenäen-Etappe volle Pulle zu fahren. Ich hatte gute Beine“, sagte Jalabert. Neben Armstrong war er der Mann des Tages.

          Nach mehreren Attacken gleich nach dem Start, an denen auch der Telekom-Routinier Udo Bölts beteiligt war, hatte sich unter sengender Sonne eine dreiköpfige Spitzengruppe mit dem Franzosen, dem Spanier Isidro Nozal und Laurent Dufaux aus der Schweiz gebildet. Vor Beginn der gefürchteten Schlusssteigung hatte das Trio noch einen Vorsprung von drei Minuten auf die ersten Verfolgergruppe.

          Zabel verteidigte Grüne Trikot

          Telekom-Kapitän Erik Zabel verteidigte das Grüne Trikot des besten Sprinters mit einem Punkt Vorsprung auf den Australier Robbie McEwen. „Der Vorsprung ist knapp, nur ein Wimpernschlag. Da müssen wir auf Draht sein“, hatte Zabel vorher gesagt.

          Für seinen Teammanager Walter Godefroot verlief die Etappe zufriedenstellend: „Unsere Mannschaft zeigt viel Einsatz und kämpft für das Grüne Trikot. Was Armstrong macht ist schon beeindruckend“.

          Samstag von den Pyrenäen ans Mittelmeer

          Am Samstag verlässt die Tour-Karawane die Pyrenäen und setzt die Reise mit insgesamt zwei Sprintwertungen in Richtung Mittelmeer fort. Schon kurz nach dem Start in Lavelanet steht ein 4,3 km langer Aufstieg mit über achtprozentiger Steigung zum Col de Montsegur (1060 m) auf dem Programm.

          Danach folgen eine Bergwertung der vierten (Col de la Badouarde/670) sowie eine weitere (Col de Saint-Benoit/630) der dritten Kategorie. Nach 171 km endet die Etappe nur 40 m über dem Meeresspiegel in der Rugby-Hochburg Beziers, wo die Tour erstmals 1938 und zuletzt 1958 gastierte. Im Startort Lavelanet ist die Tour erstmals.

          Sonntag wartet der „Riese der Provence“

          Der „Riese der Provence“ wartet am Sonntag auf die Tour-Kolonne. Zum zweiten Mal nach 1974 beginnt das Unternehmen „Mondberg“ in Lodeve, wobei sich die Fahrer auf den ersten 199 der insgesamt 221 km noch schonen können. Bis dahin sind nur die Sprinter bei zwei Zwischenspurts gefordert.

          Dann steht der 21,1 km lange Anstieg mit 7,6 Prozent Steigung zum Ziel auf dem 1912 m hohen Mont Ventoux auf dem Programm. Dabei sind über 1600 Höhenmeter zu bewältigen. Traurige Berühmtheit erlangte der 1951 erstmals erklommene „Schicksalsberg“ 1967, als der mit Amphetaminen vollgepumpte Brite Tom Simpson wegen völliger Entkräftung beim Aufstieg starb.

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