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70. Geburtstag : Schalke und Rudi Assauer im Streit

  • Aktualisiert am

Rudi Assauer, hier eine Aufnahme von 2011, war mal das Gesicht von Schalke 04 Bild: dpa

Der frühere Manager, seit Jahren an Alzheimer erkrankt, und sein Herzensklub kommen nur mit Mühe zusammen. Angehörige erheben Vorwürfe, der Verein spricht von Erpressung.

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          Die Würdigung seiner Lebensleistung und die guten Wünsche für Rudi Assauer zum 70. Geburtstag drohen durch einen Disput zwischen der Familie und dem FC Schalke 04 in den Hintergrund zu geraten. Den für Mittwoch geplanten Höflichkeitsbesuch beim an Alzheimer erkrankten einstigen Klubmanager in Herten musste sich die Schalker Delegation unter Führung des Ehrenpräsidenten Gerhard Rehberg sparen. Sie wäre vor verschlossenen Türen des Privathauses von Assauers Tochter Bettina Michel gelandet, die ihren Vater dort seit langem rund um die Uhr betreut. Erst später lenkte Schalke ein.

          „Wir haben allen gesagt, dass wir Papa vor der Feier am Abend Ruhe gönnen wollen. Er soll ausschlafen, damit er abends fit ist und lange durchhält“, sagte Michel im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die 48 Jahre alte Tochter und Assauers langjährige Sekretärin Sabine Söldner, die ihren „Chef“ mitbetreut, machen keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung über das Verhalten der Klub-Offiziellen.

          Ausgeschlagene Einladung

          Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies hatte eine persönliche Einladung zur Charity-Geburtstagsgala mit 200 geladenen Gästen am Mittwochabend auf Zeche Ewald „aus Termingründen“ ausgeschlagen. Auch andere Vereinsvertreter hätten auf entsprechende Kontakt-Versuche nicht reagiert, versicherten Michel und Söldner unisono.

          Am Sonntag hatte der Verein nach einigem Getöse in der Öffentlichkeit auf seiner Homepage angekündigt, Assauer „eine große Collage, die ihn an die Höhepunkte seiner Zeit als Manager von 1981 bis 1986 und 1993 bis 2006 erinnert“, zu überreichen. Zudem werde den Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung am 4. Mai vorgeschlagen, den ehemaligen Mr. Schalke „in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenmitglied zu ernennen“.

          Michel war überrascht vom plötzlichen Schalker Vorstoß und machte keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung. „Es gibt Leute, die haben Anstand. Man hätte das doch mal absprechen können. Was soll ich denn jetzt machen?“, sagte sie. „Ich kann nicht allen anderen sagen, dass wir tagsüber keinen Besuch empfangen und Schalke dann reinlassen.“ Der Klub reagierte am späten Montagmittag und kündigte an, Assauer am Abend der Gala ein Geschenk überreichen zu wollen. 

          Eine Aussperrung sei nie Thema gewesen

          Trotz des Hickhacks wollte Michel die Tür ohnehin nicht ganz zuwerfen. „Wenn Schalke mit einer Delegation zur Party kommen will, um zu gratulieren, sind sie herzlich willkommen. Dann organisieren wir kurzfristig noch drei oder vier Plätze.“ Man habe nie vorgehabt, den Verein auszusperren. „Schließlich ist Schalke ein großer Teil im Leben meines Vaters. Und bei der Party soll es nur um ihn und seine 70 Jahre Fußball-Leben gehen.“

          Viele langjährige Wegbegleiter haben ihre Teilnahme an der von einem Entertainer und Familien-Freund organisierten und von Sponsoren finanzierten Charity-Veranstaltung in Herten zugesagt. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und sein Generalsekretär Helmut Sandrock werden ebenso erwartet wie die ehemaligen Fußball-Manager Reiner Calmund und Michael Meier oder DFL-Vorstandsmitglied Heribert Bruchhagen und zahlreiche Mitglieder der legendären „Eurofighter“-Elf. Der frühere Trainer Huub Stevens, der die Elf 1997 zum Uefa-Pokal-Triumph, zu Platz zwei in der Meisterschaft 2001 und zwei Pokalsiegen (2001, 2002) führte, musste absagen, weil er mit dem VfB Stuttgart noch im Bundesliga-Abstiegskampf steckt.

          Der Erlös der Party soll der „Rudi-Assauer-Initiative Demenz und Gesellschaft“ zugutekommen. Die Initiative wird seit ihrer Gründung auch durch Schalke 04 finanziell unterstützt. Doch bei der Einladung zur Geburtstagsfeier sahen sich die Königsblauen unter Druck gesetzt, weil die Eintrittskarten mit dem Kauf von Sponsorenpaketen „in vier- bzw. fünfstelliger Höhe“ verknüpft worden seien. „Davon hat der FC Schalke 04 abgesehen und möchte seinem Ex-Manager nun lieber persönlich gratulieren“, teilte der Klub am Sonntag dazu zunächst mit.

          Hat die Tochter Stimmung gemacht?

          Vereinssprecher Thomas Spiegel wies auf dpa-Anfrage am Montag Vorwürfe zurück, man würde Assauers Ehrentag ignorieren. „Das ist überhaupt nicht der Fall. Aber der Verein fühlte sich erpresst.“ Seit Tagen würde von Assauers Tochter zudem Stimmung gemacht gegen den Verein, auch durch Medien-Veröffentlichungen.

          Und wie geht es Assauer derzeit? „Mir geht es gut“, sagt er dann stets, „alles fit.“ Viele Worte macht der wohl berühmteste Zigarillo-Raucher der Republik nicht mehr. „Als erstes wird Papa seine Sprache verlieren. Visuell aber hat er alles auf dem Schirm“, berichtete Michel. Sie hofft, dass es für ihren Vater „ein gelungener Geburtstag wird. Und dass wir dann noch einige schöne gemeinsame Jahre haben.“

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