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400-Meter-Läufer Floors : Freiwillige Amputation beider Beine als logische Konsequenz

  • Aktualisiert am

Weltmeister im 400-Meter-Lauf der Klasse T43: Johannes Floors Bild: dpa

Im Alter von 16 Jahren stand Johannes Floors vor der Entscheidung: im Rollstuhl sitzen oder die Beine abschneiden. Er entschied sich für die zweite Lösung und ist nun ein Weltmeister. Das kam so.

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          Sechs Jahre nach der freiwilligen Amputation beider Beine hat Johannes Floors seine sportliche Laufbahn gekrönt. Nach seinem WM-Sieg über 400 Meter in der Klasse T43, in der doppelt Unterschenkelamputierte starten, wusste der Leverkusener gar nicht, wohin mit seiner Freude. „Das ist der Wahnsinn, der Hammer, ein Traum. Dafür habe ich so viele Jahre gearbeitet“, sagte der 22-Jährige. In der Europarekord-Zeit von 46,67 Sekunden gewann er bei der Para-WM in London am Montag Gold - in jener Disziplin, die bis zu seinem tiefen Fall der inzwischen im Gefängnis sitzende „Blade Runner“ Oscar Pistorius dominiert hatte. Pistorius war als Vorkämpfer für die Startrechte Unterschenkelamputierter in der Leichtathletik das frühe Vorbild von Floors.

          Für seine sportlichen Erfolge hat Floors große Opfer gebracht: die Amputation beider Unterschenkel. Doch so unglaublich es klingen mag: Sich im Alter von 16 Jahren für die Amputation zu entscheiden, war für ihn der richtige Schritt und die einzig logische Konsequenz. Er war mit einem Fibula-Gendefekt zur Welt gekommen, hatte keine Wadenbeine und verkümmerte Füße mit nur drei Zehen.

          Als Teenager konnte er die stärker werdenden Schmerzen nicht mehr ertragen. „Ich hatte die Wahl: Entweder sitze ich irgendwann im Rollstuhl oder schneide die Beine irgendwann ab“, sagte Floors der Deutschen Presse-Agentur: „Es war keine leichte Entscheidung, aber die richtige. Die beste meines Lebens.“

          „Das ist der Wahnsinn, der Hammer, ein Traum.“
          „Das ist der Wahnsinn, der Hammer, ein Traum.“ : Bild: Reuters

          Alles habe sich zum Positiven geändert: „Ich habe keine Schmerzen mehr und kann mit meinen Prothesen alles machen. Früher habe ich mich in kurzen Hosen geschämt. Heute bin ich viel selbstbewusster.“ Dank seiner Prothesen hat er zwanzig Zentimeter Körpergröße gewonnen, damit auch ein anderes Lebensgefühl entwickelt. Der seitdem 1,80 Meter große Sportler hat sogar Sportabitur gemacht. In seiner Schulzeit habe er zuvor Spott und Beleidigungen ertragen müssen. Seit der Amputation sei er nicht mehr diskriminiert worden, sagte er im vergangenen Jahr in einem Interview gegenüber der Sportschau.

          Floors war zunächst Schwimmer, gewann 2010 sogar Medaillen bei der Junioren-WM, ehe er sich zunehmend der Leichtathletik widmete. Auch beruflich hat er mit Prothesen zu tun, der Student für Maschinenbau hat eine Ausbildung zum Orthopädiemechaniker absolviert und kann seine Prothesen zum Teil selbst bauen.

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          Vor allem aber kann er schnell laufen. Bei der Europameisterschaft 2016 gewann er Titel über 200 Meter, 400 Meter und mit der 4x100 Meter-Staffel. Bei der Junioren-WM ein Jahr zuvor hatte er drei Goldmedaillen auf allen drei Einzel-Sporintstrecken gewonnen. Die Paralympics 2016 endeten für ihn trotz der Goldmedaille mit der Sprintstaffel aber frustrierend: Beim Jubelsprung im Ziel verletzte sich Floors und musste auf seine Spezialdisziplin verzichten, den Einzellauf über 400 Meter. „Dass ich nicht laufen konnte, daran war ich selbst schuld“, sagte er nun: „Das hier war mein Rio-Finale.“

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