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4:1 gegen Kaiserslautern : Deisler „wie Phönix aus der Asche“

  • Aktualisiert am

Spitzenspieler: Sebastian Deisler Bild: dpa/dpaweb

Allein Sebastian Deisler kam bei der sonntäglichen Standpauke von Ottmar Hitzfeld glimpflich davon, dem Rest der Bayern-Profis warf der Trainer trotz des 4:1-Sieges gegen Lautern Nachlässigkeit vor.

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          Ottmar Hitzfeld und Oliver Kahn hatten trotz des 4:1-Erfolgs Grund zur Kritik, doch Sebastian Deisler erlebte die Krönung seiner bislang besten Woche beim FC Bayern München und vielleicht endlich den lang ersehnten Durchbruch.

          Er erzielte seinen ersten „Doppelpack“ für den deutschen Fußball-Meister, fühlt sich nach vielen Rückschlägen wieder fit - und begeisterte Chefs und Kollegen mit dem Klasse-Auftritt gegen den 1. FC Kaiserslautern. „Die Entdeckung des Spiels und der letzten Woche war Deisler. Er ist wie Phönix aus der Asche aufgestiegen“, schwärmte Trainer Hitzfeld vom Mann des Tages. Auch Deisler war froh: „Ich bin überglücklich, daß ich nach der langen Verletzungspause wieder langsam in Tritt komme.“

          „Wir dürfen nicht locker lassen“

          Bei aller Freude über das Comeback des einstigen „Sorgenkindes“-Hitzfeld hielt mit Blick auf die Gesamtleistung des Rekordmeisters eine Standpauke am Tag danach für nötig. „Es war keine Krisensitzung, aber ich habe mit der Mannschaft intensiv gesprochen“, berichtete der
          Trainer von der ungewöhnlich langen Besprechung am Sonntag. „Es läuten ja auch die Alarmglocken, daß wir nicht locker lassen dürfen, daß wir uns nicht selbst Sand in die Augen streuen und meinen: 'Jetzt haben wir 4:1 gewonnen und alles läuft super'. Das ist nicht der Fall.“

          Hitzfeld vermißte Geschlossenheit, sprach von „unnötigen Ballverlusten“, die nicht „bayern-würdig“ seien. So gewinne man keine Titel. Auch Kapitän Kahn hatte „viel mehr Disziplin“ von den Kollegen gefordert: „Wir dürfen uns ja nicht ständig blenden.“

          Zwei Mal Makaay - zwei Mal Deisler

          Für Deisler hingegen gab es nur Lob. Der Mittelfeldspieler, der nach der im Mai 2002 zugezogenen Knieverletzung viel Geduld haben und immer wieder neue Probleme verkraften mußte, spielte erstmals seit seinem Wechsel nach München eine englische Woche durch. Er meldete sich glanzvoll zurück, erzielte zwei Tore (1./69.) und war an einem Treffer des ebenfalls zwei Mal erfolgreichen Roy Makaay (27./80.) beteiligt.

          „Er kommt. Es ist sehr erfreulich - auch wie er die Tore gemacht hat“, sagte Präsident Franz Beckenbauer. Rudi Völler dürfte den Auftritt mit Freude registriert haben, auch wenn Deisler selbst von etwaigen Länderspiel-Perspektiven noch nichts hören wollte: „Keine Ahnung.“ Das Wissen, drei Mal 90 Minuten geschafft zu haben, gab ihm „Vertrauen“. Makaay, der neun Tore in neun Pflichtspielen vorweisen kann, meinte: „Wir sind froh, daß er wieder zurück ist.“

          Nachlässige Bayern geraten unter Druck

          Deisler wieder in Form, Makaay treffsicher, Kahn wieder der Alte - der Erfolg der neun Mal in Serie gegen Lautern ungeschlagenen Bayern hatte zwar positive Aspekte. Anlaß zur Sorglosigkeit bot das Spiel den Bayern bei der erhofften Aufholjagd in Richtung Bundesliga-Spitze dennoch nicht. Vielmehr brachten die Pfälzer den Favoriten vor 58.000
          Zuschauern in Olympiastadion angesichts zahlreicher Chancen mehr in Bedrängnis als erwartet. In der Champions League wären nachlässige Phasen wie in der zweiten Halbzeit, als Kahn einen Foulelfmeter von Miroslav Klose (76.) hielt und dann doch einen Treffer des Pfälzers (78.) kassierte, schlimmer bestraft worden.

          Den Lauterern blieb am Ende nur, verpaßten Möglichkeiten nachzutrauern. „Wenn etwas zu holen war bei Bayern München, dann heute“, sagte Trainer Erik Gerets. „Es war das erste Mal in meinem Leben als Trainer, daß ich in 30 Minuten so viele Torchancen meiner Mannschaft gesehen habe.“ Klose, der vor einigen Tagen noch öffentlich mit dem FC Bayern geflirtet hatte, hatte wenig Freude an seinem ersten Treffer gegen den Rekordmeister: „Manche Spieler haben schon ein bißchen Angst, wenn sie den Namen FC Bayern hören.“

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