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2. Fußball-Bundesliga : "Nicht schlecht für einen Karnevalsverein"

  • -Aktualisiert am

Schiedlich-friedlich: Die Torhüter-Kollegen Dirk Heinen und Dimo Wache Bild:

Sportlich hielt sich die Aufregung nach dem 1:1 im Zweitliga-Spitzenspiel zwischen Mainz 05 und Frankfurt in Grenzen, Ärger aber gab es um den Fanbeauftragten der Eintracht.

          Nichts gewonnen, nichts verloren. Die Quintessenz des brisanten Rhein-Main-Derby in der zweiten Fußball-Bundesliga ist banal - tabellarisch gesehen. Nach dem 1:1 haben die Tabellenführer vom FSV Mainz 05 weiterhin sieben Punkte Differenz zum ersten Nichtaufstiegsplatz, und den hat pikanterweise Eintracht Frankfurt inne.

          15.500 Besucher waren im ausverkauften erstliga-untauglichen Bruchwegstadion, darunter etwa 4000 Fans aus Frankfurt; im dienstlichen Einsatz betätigten sich mehrere Dutzend Ordner und 200 Polizisten. Die sportliche Bilanz des spannenden und zeitweise hochklassigen Spitzenspiels, das im Deutschen Sportfernsehen von 1,21 Millionen Zuschauern live verfolgt wurde, waren die Tore von Ervin Skela (64.) und Manuel Friedrich (78.).

          Ärger um den Fanbeauftragten

          „Es ist insgesamt gerecht“, sagte Eintracht-Trainer Martin Andermatt. „Und wird sind durchaus steigerungsfähig.“ Ein Nachspiel wird das Derby wohl nur für den Fan-Beauftragten der Eintracht, Andreas Hornung. haben. Der hatte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ünnötig Stimmung gemacht vor dem Anpfiff. „Die sollen froh sein, daß sie überhaupt in der zweiten Liga spielen....Mainz ist nur ein Karnevalsverein...die werden nie im Leben aufsteigen.“ Das war eindeutig zuviel Stimmungsmache für den Mainzer Präsidenten Harald Strutz, er will den „Fall Hornung“ nun der Deutschen Fußball-Liga (DFL) melden: „Der ganze Fußball leidet darunter, dass die Verantwortlichen Angst vor Ausschreitungen haben müssen.“

          Der Mainzer Michael Thurk springt am höchsten

          Unterschiedlicher hätten sich auch die Fans beider Klubs nicht verhalten können. Die Mainzer Anhänger ließen vor dem Anpfiff weiße und rote Luftballons aufsteigen, im Eintracht-Block wurden Nebelkerzen und Feuerwerkskörper gezündet. Heftige Randale gab es aber nicht, laut Polizei wurden lediglich ein paar Autos beschädigt.

          Selbstironie des "Karnevalvereins"

          Ausgeblieben ist auch die von den Mainzer Funktionären erhoffte Wachablösung im sportlichen Bereich. Vier Derbys hatte es zuvor in Liga zwei gegeben, 1996/1997 und ein Saison später, dreimal trennte man sich remis, einmal gewann Frankfurt. Den ersten Mainzer Sieg verpaßte Mittelfeldspieler Thomas Ziemer (90.), dessen Schuß aus zwölf Metern Entfernung von Torwart Dirk Heinen pariert wurde. „1:1 gegen die große Eintracht, das ist doch nicht schlecht für einen Karnevalsverein“, sagte Stürmer Michael Thurk.

          Die Emporkömmlinge aus Mainz haben in der bundesweiten Aufmerksamkeit aufgeholt gegenüber Frankfurt, und sie nehmen es seit Wochen mit Selbstironie, daß sie von der Konkurrenz bisweilen belächelt werden. In der Fastnachts-Hochburg wird seit dem Amtsantritt von Cheftrainer Jürgen Klopp im Februar 2001 so gut gekickt wird, daß vieles auf den Aufstieg hindeutet.

          Gerechtes Unentschieden

          Ein Tag zum Feiern war das 1:1 für Mainz jedoch nicht. „Es ist ja nix passiert“ (Thurk), „letztlich hat sich ja nichts geändert“ (Strutz), „es ist nicht sonderlich viel passiert“ (Klopp). Auf die Eintracht als Bundesliga-Aufsteiger hatten sich vor Saisonbeginn (fast) alle Experten verständigt, mittlerweile ist Mainz 05 gleichfalls auf der Liste vertreten.

          Dass dies mit unterschiedlichen Finanzmitteln (Eintracht-Saisonetat: 50 Millionen Mark, Mainz 15 Millionen) geschehen könnte, spricht eher für den „Karnevalsverein“. Wären die Torchancen bis zur Pause (Dennis Weiland, Jürgen Kramny, Blaise N´Kufo) ähnlich effizient genutzt worden, hätte man sich später nicht unisono auf die Formulierung „gerechtes Unentschieden“ verständigen müssen.

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