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2. Fußball-Bundesliga : Neue Zeiten in Mainz

  • -Aktualisiert am

Erfolgstrainer und Kultfigur in Mainz: Jürgen Klopp Bild: dpa-Sportreport

Unerwartet ist der ewige Abstiegskandidat FSV Mainz 05 aus der Fußballprovinz zum Tabellenführer der 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen.

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          Die Freude ist groß und nachhaltig beim FSV Mainz 05: Das 5:1 gegen den Verfolger LR Ahlen am siebten Spieltag bedeutete die Punkte 14,15 und 16. Man habe einen Lauf, sagte Heidel. „Jetzt passt alles zusammen. Speziell mit dem Trainer.“ Der heißt seit den Fastnachtstagen Jürgen Klopp, der Diplomsportlehrer ist 34 Jahre alt und war zuvor als Spieler im 05-Trikot aktiv.

          Im Gespräch hebt sich Klopp wohltuend von vielen seiner Kollegen ab. Er vertreibt keine Floskeln unter dem Motto: „Einen Punkt haben wir, die beiden anderen müssen wir uns holen“; keine unsinnigen Forderungen nach 120prozentigem Einsatz und es ist auch nichts davon zu hören, daß seine Mannschaft den Rasen umpflügen müsse, um zu gewinnen. Das tut sie auf zeitgemäße Art mit der Viererabwehrkette, exakter Raumaufteilung, genauen Laufwegen und wohltuendem Offensivspiel.

          Gutes Spiel, schlechte Sportstätte

          Schnell und direkt vorgetragen, gegen Ahlen standen mit Michael Thurk, dem Schweizer Blaise N´Kufo und Christian Hock sogar drei rochierende Stürmer auf dem Spielfeld. Der sportliche Erfolg und das daraus resultierende Selbstbewusstsein (Klopp: „Dafür brauchen wir die Tabelle nicht“) ist derzeit aber nur die eine Geschichte. Die andere handelt vom städtischen Sportstättenbau - und ist weniger glanzvoll.

          Die Kurzform geht so: Vor drei Wochen sind Auszüge der Machbarkeitsstudie an die Öffentlichkeit gelangt, die von der Stadt Mainz in Auftrag gegeben worden war. Herausgefunden werden sollte der bestmögliche Standort für die Profi-Fußballer des FSV Mainz 05, seine Amateur- und Jugendmannschaften. Ein Teil der Studie war ein Lärmgutachten, und darin kam man zu dem Ergebnis, dass der Pegel am Bruchweg unweit der Universität um zwölf Dezibel über dem zulässigen Grenzwert liege.

          Stadionstudie als K.-o.-Faktor

          Die zuständigen Dezernate (Bau- und Umwelt) sollen nun erst einmal Aufklärung leisten, welche Parameter bezüglich Stadiongröße und Zuschauerzahl angelegt worden sind. Für Heidel ist die Studie schon jetzt „ein K.-o.-Faktor“ für den Standort Bruchweg, von einem Ausbau will er gar nicht mehr sprechen. „Es muss nur ein Anwohner klagen, und die Bude ist zu.“ Die bauliche Ausnahmeregelung für die provisorischen Stahlrohrtribünen an den Stirnseiten, mit denen das Fassungsvermögen auf 15.500 Zuschauer erweitert wurde, gilt noch bis zum Jahr 2005.

          Seit mittlerweile fünf Jahren diskutieren die Kommunalpolitiker über ein zukunftweisendes Stadion für Mainz 05. Geschehen ist seitdem - nichts. Die noch offiziell vorzulegende Studie ist die zweite ihrer Art, die erste war Ende 1999 zu dem Ergebnis gelangt, dass der Lärmpegel am Bruchweg um zwei Dezibel zu hoch sei.

          Abteilung Fußball ist gefährdet

          Man hatte jedoch seinerzeit vergessen zu berücksichtigen, dass Fußballfans auch Lärm verursachen. Gescheitert sind bislang auch zwei Versuche der Stadt, Mainz 05 andere Grundstücke für einen Stadionneubau bereitzustellen. Heidel und Klubpräsident Harald Strutz sehen deshalb die Vereinsabteilung Fußball ernsthaft gefährdet.

          Freizeitwert Mainz 05? Gegen Ahlen war Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) im Stadion, er wurde mit Pfiffen begrüßt. Und den in die Kritik geratenen Baudezernenten Norbert Schüler (CDU), dessen Rücktritt in den zwei örtlichen Zeitungen merkwürdigerweise noch nicht gefordert wurde, plagt neben der ungelösten Stadionfrage ein weiteres sportives Freizeitproblem: Mainz hat nur ein Freischwimmbad und kein vernünftiges Hallenbad.

          Angesichts der Tabellenführung in der zweiten Fußball-Bundesliga hat Heidel nach einem Treffen mit den 05-Fanklubs die Anhänger nun aufgefordert, jeden Tag Dutzende von Leserbriefen zu schreiben. „Wir gehen in die Offensive“, sagt er. „Die Zeit ist günstig.“

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