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2. Fußball-Bundesliga : Freudlose Nullnummer nützt nur Mainz

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Eine Leuchtrakete sorgt im Waldstadion für Aufregung Bild:

Das Rhein-Main-Derby der 2.Fußball-Bundesliga blieb ohne Sieger und Tore. Dennoch nützt Mainz 05 der Punkt bei Eintracht Frankfurt auf dem Weg in die erste Liga.

          Freud- und farblos die Partie, die torlose Tristesse die logische Folge: Das Rhein-Main-Derby zwischen Eintracht Frankfurt und FSV Mainz 05 ließ beinahe alle Wünsche offen, die an das vermeintliche Topspiel der 2. Fußball-Bundesliga geknüpft worden waren.

          Vorweg: Als Punktsieger durfte sich keiner der Kontrahenten fühlen, die beinahe einen merkwürdig anmutenden „Nichtangriffspakt“ geschlossen zu haben schienen. Der junge Referee Christian Schössling dürfte sich selbst gewundert haben, im brisanten Nachbarschaftsduell mit einer gelben Karte auszukommen und erst in allerletzter Minute überhitzte Gemüter zu beruhigen.

          Chancen Mangelware

          In dem zu einem Drittel gefüllten Waldstadion kamen beide Teams meist nicht einmal gefährlich in die Strafräume. Die wenigen Ausnahmen: Marco Gebhardt zirkelte den Ball nach einem Freistoß auf die Latte (59.), Niclas Weiland schoss Oka Nikolov in die Arme (81.). Ansonsten schien beinahe gegenseitige Schonzeit verordnet.

          Der Mainzer Kramny (links) im Zweikampf gegen den Frankfurter Ciric

          Mögliche Erklärung? Die beiden Trainer, Armin Kraaz und Jürgen Klopp, sind befreundet - aus gemeinsamen Zeiten in Liga drei bei Rot-Weiss Frankfurt. Beide waren Verteidiger, beide kamen in der Not zu ihrem Job. Damit sind derzeit auch schon die Gemeinsamkeiten erschöpft. Kraaz ist froh, wenn die Saison voller Posen und Peinlichkeiten endlich vorbei ist, Klopp träumt wie die Seinen von der Krönung Erstliga-Aufstieg. Wobei der Punktgewinn behilflich ist: Drei Punkte liegt Mainz 05 nun wieder vor dem Vierten SpVgg Greuther Fürth.

          Fatale Fehlleistungen auf beiden Seiten

          Erstligareifes war schon im ersten Durchgang gar nicht zu entdecken. Die Mainzer gefielen zwar mit einem klar erkennbaren taktischen System, gleichwohl waren die fußballerischen Mängel zu gravierend, um überhaupt klare Torchancen herauszuspielen. Ein Fernschuss von Tomas Bodog in der 31. Minute - ein bisschen wenig für einen Aufstiegsanwärter. Viel mehr hatten sich sichtlich bemühten Gastgeber auch nicht zu bieten. Der hohe Aufwand stand in keinem Verhältnis zum geringen Ertrag - Jens Rasiejewski beschwor einmal aus der Distanz Gefahr für das Tor von Dimo Wache heraus.

          Ansonsten dominierte auch bei der Eintracht Umständlichkeit und Unansehnliches. Für Kraaz und Co. heißt es ohnehin seit längerem, sich langfristig damit abzufinden. Das Beste dieses Montags-Spiels: eine Saison-Rekordzahl von 21.500 Zuschauern. Doch schon zum Auftakt der Footballer der Frankfurt Galaxy werden am Samstag beinahe doppelt so viele Interessenten im maroden Waldstadion sein, ebenso wie es für die Eintracht das vorerst letzte Spiel vor passabler Zuschauerzahl gewesen war. Die finalen Zweitliga-Heimspiele gegen Oberhausen und Babelsberg garantieren Geiserkulissen.

          Unklare Zukunft in Frankfurt

          Und damit nicht genug: Noch immer herrscht wenige Wochen vor Saisonschluss vollkommen Unklarheit darüber, mit welchem Konzept und welchen Kickern der hochverschuldete Profi-Club in die neue Saison startet. Sportvorstand Tony Woodcock bemüht nicht mehr als Durchhalteparolen, der Engländer hat weder einen Trainer gefunden, noch die sündhaft teuren Mitläufer verkauft, geschweige denn Verstärkungen mit Perspektive verpflichtet.

          „Ein Katastrophen-Verein“, darf denn auch der in Frankfurt geborene und lebende, aber für Mainz spielende Stürmer Michael Thurk beinahe unwidersprochen tönen. Die Lethargie, mit der die hochbezahlten Angestellten in kurzen Hosen die Saison vermasselten, hat offensichtlich eine unter dem finanziellen Zwängen leidende Führung erfasst. Finanz-Vorstand Thomas Pröckl geht jedenfalls intern schon davon auf, dass die Lizenz ohnehin erst im zweiten Anlauf erteilt wird.

          Freudige Perspektiven in Mainz

          Ganz anders die Perspektiven in Mainz. Noch immer scheint es so, als habe die Hauptstadt als Rheinland-Pfalz das von Jürgen Klopp entfachte Fußball-Wunder nicht begriffen. Mit 500 Plakaten, auf denen auf ein Zitat von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth („Voller Neid blicke ich nach Mainz...“) angespielt wurde, hingen zur Mobilisierung der Anhängerschaft in der Innenstadt am Rhein.

          Dort bastelt Manager Christian Heidel an einer Mannschaft, die sicherlich nur bedingt erstligatauglich sein wird. Hochkarätige Verstärkungen kann und will sich ein Club nicht leisten, der vor kurzem noch die Geschäftsstelle im Container beherbergte. Egal was kommt, teure Spieler kommen für Mainz 05 ebenso wie eine überhöhte Zahl nicht deutschsprachiger Spieler nicht in Frage. Das soll in diesen turbulenten Kirch-Kicker-Zeiten ja auch nicht die schlechteste Lösung sein.

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