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2. Fußball-Bundesliga : Anzeichen der Bielefelder Besserung

  • -Aktualisiert am

Wieder zurück in Bielelfeld: Thomas von Heesen Bild: dpa

Nach einer lange Leidenszeit geht es bei Arminia Bielelfeld in der 2. Fußball-Bundesliga langsam wieder bergauf.

          3 Min.

          Was haben sie in Bielefeld in den letzten beiden Jahren gezittert, gehadert, geflucht und den guten alten Zeiten hinterher getrauert. Im feien Fall nach unten schrieb die heimische Arminia Bundesliga-Geschichte, als sie mit zehn Niederlagen in Folge den legendären Erstliga-Rekord von Tasmania Berlin einstellte und im Jahr danach in Liga zwei so unbeholfen über den Platz stolperte, dass der Verein kurz vor dem weiteren Abstieg in die Regionalliga stand.

          Die gute Nachricht für die Freunde des ostwestfälischen Fußballs: Es kann Entwarnung gegeben werden, auf der Alm wird wieder vernünftig Fußball gespielt. Auch wenn der vorläufige Sprung an die Tabellenspitze beim 2:2 (1:2) gegen den MSV Duisburg misslang, boten beide Teams den 11.800 Zuschauern eine überdurchschnittlich gute und unterhaltsame Zweitligapartie.

          Gunst des Publikums zurückgewinnen

          Ihr vorrangiges Saisonziel haben die Bielefelder also fürs erste schon mal erreicht: Die Gunst ihres Publikums wollten sie zurückerobern. Denn bei den vielen verkorksten und bis ans Peinliche grenzenden Auftritten gingen selbst die Bielefelder Fans, die sich auf der ewigen Fahrstuhlreise zwischen 1. Liga und Oberliga den Ruf grenzenloser Leidensfähigkeit erworben hatten, auf die Barrikaden. Die Stimmung pendelte zwischen ätzender Miesepeterei und lethargischer Hoffnungslosigkeit.

          Inzwischen feuern die Fans ihre Mannschaft wieder munter an, denn Fußball auf der Alm ist wieder eine niveauvolle Veranstaltung geworden. Wofür vor allem Benno Möhlmann verantwortlich zeichnet. Der Trainer hatte während der letzten Saison, als er als Nachfolger von Hermann Gerland kam, einen schweren Einstand, weil er die Erblasten seines Vorgängers verwalten musste: Möhlmann übernahm eine total verunsicherte Mannschaft, die noch nicht mal im Ansatz seine Vorstellungen vom schnellen und modernen Fußball aus einer kompakten Deckung umsetzen konnte.

          Vier Neuzugänge sind Stammkräfte

          Vor dieser Spielzeit konnte Möhlmann den Kader nach seinen Vorstellungen gestalten. Und siehe das, es funktioniert: Die vier Neuzugänge Christoph Dabrowski, Rüdiger Kauf, Fatmir Vata und Ansgar Brinkmann gehören alle zum Stammpersonal und prägen den neuen Bielefelder Stil. Dabrowski und Kauf als zweikampfstarke und mit zäher Entschlossenheit agierende Akteure im defensiven Mittelfeld, Vata als quirlige Offensivkraft und der launische Brinkmann hat sich bislang darauf beschränkt, seine fußballerischen Qualitäten zu präsentieren.

          Zudem gab es auch in der Führungsetage der Arminia einen Wechsel: Manager Heribert Bruchhagen, der im Bielefelder Umfeld neben dem chronischen Sündenbock Hermann Gerland von vielen als Hauptschuldiger der Misere ausgemacht worden war, wechselte als Direktor zur Deutschen Fußball Liga (DFL). Nicht ohne sich einen starken Abgang zu verschaffen, indem er der Arminia noch einen lukrativen Gesamtvermarktungs-Vertrag mit Ufa Sports verschaffte.

          Von Heesen arbeitet Möhlmann zu

          Für ihn stellten die Bielefelder jüngst ihren Ex-Trainer und Spieler Thomas von Heesen als Sportdirektor ein. Spielbeoachtung, Transfers abwickeln, Scoutsystem einführen - von Heesen wird damit direkt dem Trainer zuarbeiten.

          Die Rahmenbedingungen stimmen also am Rande des Teuteburger Waldes. Und doch ging der Schuss gegen Duisburg beinahe nach hinten los, weil die Mannschaft nach der frühen Führung durch Vata (3. Minute) in Tatenlosigkeit verfiel, die eigentlich der Vergangenheit angehören sollte. „Wir haben uns das Spiel aus der Hand nehmen lassen“, sagte Brinkmann, „und sind dafür zu Recht bestraft worden.“

          Möhlmanns Versprechung

          Duisburg erzielte noch vor der Pause zwei Treffer (38. David Drsek, 44. Benjamin Köhler) und durfte auch deshalb auf den ersten Saisonsieg hoffen, weil sich der Gegner „viel zu früh zurück fallen ließ“, wie Möhlmann analysierte: „Wir haben darum gebettelt, bestraft zu werden.“

          Doch nach dem Seitenwechsel besannen sich die Gastgeber auf ihre Qualitäten und schafften durch den eingewechselten Alexander Klitzpera noch den verdienten Ausgleich (72.). Publikum, Trainer und Spieler konnten mit der Punkteteilung gut leben. Derzeit scheinen alle Beteiligten vor allem das Gefühl zu genießen, dass die Rumgurkerei endlich ein Ende hat. Und so ganz nebenbei haben sich die Bielefelder an der Spitze der Tabelle gemütlich eingerichtet. Wenn es nach Möhlmann geht, soll das auch so bleiben: „Es gibt sechs bis acht Mannschaften, die bis zum Saisonende da oben mitspielen werden"“ sagt der Trainer: „Wir sind eine davon.“

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