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2. Fußball-Bundesliga : Allgemeine Frankfurter Verunsicherung

  • -Aktualisiert am

Zweikampf im Frankfurter Waldstadion Bild: dpa

Eintracht Frankfurt ist zum Bundesliga-Aufstieg verdammt. Doch der Druck lähmt Mannschaft, Umfeld und Verantwortliche. Bester Beleg: das 1:1 gegen Hannover 96.

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          Spätestens nach einer Stunde, die Frankfurter Fußballer hatten fast ein halbes Dutzend Kreuz- und Querschläger aneinander gereiht, waren die warmen Worte von Martin Andermatt ad absurdum geführt.

          Auf das Wesentliche sollten sich seine Spieler konzentrieren, auf dem Platz die richtige Antwort geben. Die Wahrheit auf dem Platz sah allerdings so aus: Hannover 96, und nicht Eintracht Frankfurt, war beim 1:1 über weite Strecken die bessere Mannschaft. Und im Gegensatz zum Gastgeber nicht völlig verunsichert.

          Drumherum mit Einfluss

          „Wir sind auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft“, sagte Trainer Andermatt hinterher kleinlaut. Hannover 96 sei schon eine Spitzenmannschaft, sagte er dann. Und das sagte alles. Worüber der Coach nicht sprechen wollte: Das die turbulente Woche mit dem sich abzeichnenden Ausstieg von Vermarkter Octagon alle mehr verunsichert hat, als sie zugeben wollen.

          „Das Drumherum können wir nicht beeinflussen“, erklärt Uwe Bindewald, alter Fahrensmann und neuer Kapitän. Doch es scheint Einfluss zu haben: den Eintracht-Akteuren unterliegen gegen Hannover sehr viele Flüchtigkeits- und Konzentrationsfehler.

          Geht es auch ohne Partner?

          „Noch viel Arbeit“, erkannte Andermatt. „Ich hatte mir das ein bisschen dynamischer vorgestellt“, kritisierte Präsident Peter Fischer. Durch den Druck, dass nur die Erstliga-Rückkehr die Existenz sichert, sind alle bei der Eintracht noch nervöser geworden.

          „Wir werden im nächsten Jahr in der ersten Liga spielen“, verspricht der Präsident, „das geht auch ohne Partner.“ Aber ohne Aufstieg? „Dann präsentieren wir seriöse Lösungen“, sagt er, ohne eine nennen zu können. Die Zeiten sind schwierig. Und Eintracht Frankfurt ist alles andere als ein begehrtes Zugpferd, auch wenn der Unternehmer Fischer das anders sieht: „Ich würde sofort investieren."

          Frankfurt-Fan Fischer

          Fischer war früher Frankfurt-Fan und malt die Zukunft ungeachtet existenzieller Gefährdungen so rosarot wie sein Pullover. Der Sportvorstand Tony Woodcock bevorzugt in seinem deutsch-englischen Kauderwelsch Allgemeinplätze. Voraussichtlich wird er seine Qualitäten beweisen müssen, wenn am Saisonende der Ausverkauf der teuer bezahlten Truppe ansteht. „Wir werden ein positives Transferergebnis erwirtschaften müssen“, hat Finanzchef Thomas Pröckl schon erkannt.

          Octagon hat gleichzeitig mit dem bevorstehenden Ausstieg bei Eintracht Frankfurt den Verzicht auf die Betreibung des Stadions bekannt gegeben. Die neue Arena wird nach Willen der Stadt aber auf alle Fälle gebaut. „Wir brauchen lieber heute als morgen das neue Stadion“, sagt Präsident Fischer.

          Gerade im tristen November sind die Mängel des alten Waldstadions eklatant. Es beginnt bei der Anreise über unbeleuchtete Waldwege und hört bei fehlenden Logen lange nicht auf. Die zugige Spieltstätte versprüht den Charme der siebziger Jahre - marode Sitzplätze, eine überholte Architektur. Die Stehplätze auf Sand gebaut - und selbst die hartgesottenen Fans sind aus der zugigen Kurve unters Tribünendach abgewandert.

          Desinteresse der Fans

          Dass gegen Hannover 96 zur Rushhour-Zeit am Freitagabend nur 17.100 Interessierte kommen, wundert selbst den Präsidenten nicht mehr. „Ich hatte mit noch weniger gerechnet. Montags und freitags sind für unsere Fans die ungünstigsten Tage, aber da aber spielen wir meist.“

          Er sagt nicht, dass auch die Zuschauerkalkulation nicht aufgeht und ein weiteres Loch in die leere Kasse reißt. Im Grunde genommen erwartet die Eintracht in der Rückrunde nur noch ein Zahltag: das Rückspiel gegen Mainz 05. Außerem ist das Waldstadion längst keine Festung mehr. Elf Punkte in sieben Heimspielen sind die magere Ausbeute.

          Hoffnung auf Wunder

          Vier Punkte trennen den Vierten vom Main in der Tabelle von Hannover 96 - auf dem Platz ist es mehr. „Die sind eingespielt, alles ist einstudiert, alles passt“, lobte Frankfurts Schlussmann Dirk Heinen den Gegner. Ein vorgezeichneter Weg seines Vereins zurück zum Erfolg? „Hier bei der Eintracht leben wir von Wundern.“

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