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2:1 über Bremen : Schalker Abfangjäger beenden die Treibjagd

  • -Aktualisiert am

Die Schalker Kobiashvili (l.) und Sand (r.) nehmen den Bremer Jensen in die Zange Bild: AP

Der FC Schalke 04 hat dem Druck standgehalten und zog mit Spitzenreiter München gleich. Einen Tag nach dem 3:0 der Bayern über den HSV besiegte die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick Meister Bremen 2:1.

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          Zurück in der Manege, zurück in der Arena "AufSchalke", zurück in der Bundesliga. Beim 2:1 des Möchtegernmeisters Schalke 04 über den Nochmeister Werder Bremen hat das Publikum auf Anhieb genau das vorgeführt bekommen, was es sechs Wochen lang vermißte: einen Aufreger ersten Grades, gespickt mit nahezu der ganzen Palette erstklassigen Fußballs, verdichtet in 90 Minuten, mit nachfolgendem Palaver, das länger anhält, als ein Spiel währt.

          Warum Schiedsrichter Knut Kircher ausgerechnet diese Partie abpfiff, ohne auch nur eine Sekunde nachspielen zu lassen, wird sein Geheimnis bleiben. Es hatte genügend Unterbrechungen gegeben, einschließlich des Treffers durch Asamoah (47. Minute), des Ausgleichs per Foulelfmeter von Ismael (51.) und Ailtons Siegtor (67.). Auf den Rängen blieb das spontane Gefühl: Was, jetzt schon?

          Endstation Frank Rost

          Verglichen mit der zweiten Halbzeit, war die erste ein Langweiler, weil sie so einseitig verlief. Da trumpften die Bremer als eine Elf auf, die etwas aufzuholen, nachzuholen hat. Die Plazierung hinter den momentanen Spitzen der Bundesliga-Gesellschaft ist nicht Endstation Sehnsucht, wenn man im Sommer selbst noch einsame Spitze war.

          Also sahen sie ihren Abstecher nach Schalke als Verfolgungsrennen an. Im Revier der Schalker setzten sie zur Treibjagd an, trieben den Tabellenzweiten in die Enge, hetzten ihn, stellten ihn, aber sie trafen ihn nicht entscheidend. Weil Klasnic nur den Pfosten traf, Borowski frei vor dem Tor das Ziel verfehlte. Zwei besonders krasse Fälle von vergebenen Chancen.

          Abfangjäger

          Und dann gab es auch noch den Schalker Torhüter Rost, der den Bremern im Wege stand. Er hätte, gestand Trainer Rangnick später, spätestens nach 25 Minuten am liebsten eine Auszeit genommen, um sein Ensemble neu zu ordnen. Das tat er in der Halbzeit, stellte quasi Abfangjäger für die Bremer Sturmspitzen ab, verordnete, zu agieren statt nur zu reagieren.

          Plötzlich ging Schalke seinerseits auf Angriffskurs, sah nicht nur zu, wenn Micoud den Ball auf Ernst paßte, der ihn wiederum Micoud überließ. Eine Randnotiz, die nach der handfesten Vorgeschichte zwischen beiden in der ersten Halbzeit noch registriert wurde. Doch dann blieb keine Muße mehr für Erbsenzählerei von Bremer Interna, es zählten nur noch die Gegensätze zwischen Schalke und Werder.

          Verdruß allenthalben

          Den Schubser von Poulsen gegen Klose wertete Schiedsrichter Kircher als Foulelfmeter, die Attacke von Ismael im energischen Duell mit Kobiaschwili aber nicht. Schalke wähnte sich kollektiv benachteiligt. Auf dem Videowürfel wurde dann auch noch das 2:0 der Dortmunder in Wolfsburg vermeldet. Verdruß allenthalben.

          Wegen einer Lappalie - Einwurf für Bremen statt für Schalke - eilte Kapitän Rost weit aus dem Tor, setzte die Diskussion mit dem Unparteiischen fort, die er nach dem vermeintlichen Foul von Ismael begonnen hatte. Da hatte es Rudelbildung gegeben, mittendrin auch Asamoah, der an diesem Tage so viel gerannt war, daß sich niemand gewundert hätte, wenn er wunde Füße gehabt hätte.

          Blutende Wunde

          Aber sein Blut sickerte aus einer Wunde in Höhe des Jochbeins. Sie stammte aus der ersten Halbzeit, erlitten in einem Luftkampf mit Ismael. Es ging somit hoch her. Als ausgerechnet dem ehemaligen Bremer Mitspieler Ailton das 2:1 gelang, war unmittelbar nach der Winterpause eine Betriebstemperatur nah am roten Bereich erreicht.

          Dem Siegtreffer, mochte der Schiedsrichter hinterher noch so spitzfindig argumentieren, ging eine Abseitsstellung voraus. Kobiaschwilis Steilpaß erreichte Asamoah, der den Ball zu Ailton weiterleitete. Die Crux an der Geschichte: Ailton stand im Abseits, bevor er entscheidend zum Nachteil Werders ins Spiel eingriff. Demnächst könnten es die Übungsleiter ja darauf anlegen, das passive Abseits zu perfektionieren.

          Hochrechnungen

          Selbst der Profiteur Rangnick schlug sich später auf die Seite von Schaaf. "Weg mit dem Schwachsinn", forderte der Bremer Kollege. "Ich bin auch ein absoluter Gegner der passiven Abseitsregel, weil sie den Schiedsrichtern zu viel Raum läßt für Interpretationen", so Rangnick.

          Soviel Raum wie für die Hochrechnung, ob die in Gelsenkirchen unbelohnte Bremer Offensive bis zum Ende der Saison doch noch zum Gipfel oder wenigstens bis in die Nähe des Tabellengipfels führt. Am Samstag waren genügend Indizien dafür zu erkennen. Gerade der alte Kumpel Ailton redete Werder stark.

          Lernfähig

          Und Bayern-Jäger Schalke? "Wir haben alles gemacht, was eine gute Mannschaft machen muß", sagte Bordon. Nicht mehr und nicht weniger. Aber mehr soll es schon werden, wenn es was werden soll mit der Meisterschaft. Der Aspirant hat im Zeitraffer der 90 Minuten seine Lernfähigkeit bewiesen.

          "Wir werden mit jeder Minute besser", so die Erkenntnis von Rangnick. Begonnen hätte Schalke so "gegnerorientiert wie vor zwanzig Jahren Viktoria Backnang". Im Schwäbischen, fernab der Bundesliga. Dahin will Rangnick nicht mehr zurück. Statt dessen Branchenführer werden. Mit allem, was dazugehört. Am Samstag, nach der Pause, war richtig Pfeffer drin.

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