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Jahresrückblick 2014 : Zehn Typen, die das Sportjahr geprägt haben

Big Spender: Zlatan Ibrahimovic Bild: Picture-Alliance

In diese Topliste haben es Sportler und sportnahe Figuren geschafft, die 2014 in Erinnerung geblieben sind, weil sie das Jahr auf ihre ganz besondere Art prägten.

          3 Min.

          Achtung, Achtung, dieser Jahresrückblick ist weder Facebook-gesteuert noch Google-basiert. Er bezieht sich nicht auf die Klickzahlen dieses Jahres, wurde weder vom ZDF noch vom ADAC in Auftrag gegeben, sondern ist rein subjektiv ausgewählt. Pep Guardiola und Jogi Löw fehlen ebenso wie Bastian Schweinsteiger und Mario Götze.

          In diese Topliste haben es Sportler und sportnahe Figuren geschafft, die 2014 in Erinnerung geblieben sind, weil sie das Jahr auf ihre ganz besondere Art prägten.

          Die Top 5 der Typen mit Haltung

          1. Zlatan Ibrahimovic
          2. Thomas Hitzlsperger
          3. Robert Harting
          4. Markus Rehm
          5. Felix Neureuther



          Türöffner: Thomas Hitzlsperger Bilderstrecke

          Zlatan Ibrahimovic führt die Liste an. Nicht weil er der Meinung war, die Fußball-WM würde ohne Schwedens, also sein Mitwirken wertlos sein, sondern weil er einem anderen schwedischen Team zur WM-Teilnahme verhalf. Der Nationalmannschaft der geistig Behinderten fehlten die Mittel, nach Brasilien zu reisen, deshalb bat Ko-Trainer Stefan Jonsson um eine Trikotspende für eine Versteigerung. „Was zur Hölle willst du mit einem Trikot“, fragte Ibrahimovic und spendierte dem kompletten Team die gesamte Reise für rund 350.000 Kronen (39.000 Euro). Das ist bei einer 14-Millionen-Euro-Jahresgage zwar nur ein Tagessatz, aber wer haut schon 150 oder 200 Euro aus seinem Angestellten-Budget einfach mal für einen guten Zweck raus?

          Thomas Hitzlsperger hat Anfang Januar als erster Fußball-Profi von gewisser Prominenz mit seinem Outing überrascht. Wohl kalkuliert und gut vorbereitet, zwar erst nach Ende seiner aktiven Zeit, aber immerhin. Und hat sich danach wieder ins Private zurückgezogen. Respekt!

          Robert Harting ist in Zürich Europameister geworden, es war seine sechste Goldmedaille bei EM, WM oder Olympia seit 2009. Hut ab vor dem einstigen Haudrauf aus Berlin. Aber viel wichtiger als sein unbestrittenes Können im Diskusring ist Hartings Rolle als Antreiber der Sport-Lotterie, Kapitän der Leichtathleten und unverblümter Sprecher im Anti-Doping-Kampf. Deswegen ist er zurecht wieder Sportler des Jahres geworden. Weiter so, trotz Achillessehnenriss.

          Markus Rehm ist mit einem gesunden Bein weiter gesprungen als die deutsche Elite mit zweien: 8,24 Meter, ein Wahnsinnssatz. Zur Europameisterschaft durfte der amputierte Weitspringer dennoch nicht. Wegen der Ungleichheit. Könnten sich ja auch andere ein Bein ausreißen für sportlichen Ruhm. Wahnsinn!

          Felix Neureuther ist der mit Abstand beste Skifahrer Deutschlands und ein etwas schusseliger Pechvogel, wahrt sich aber immer seinen Sinn für Humor. Seine Medaillen-Chancen bei Olympia verdaddelte er bei einem Verkehrsunfall auf eisglatter Straße, der ihm Rückenschmerzen und Schleudertrauma einbrachte. Die Sport- und Boulevardpressemeute drehte am Rad und belagerte das Krankenhaus. Sein Kommentar: „Tut mir Leid, Planke“. Nicht jedem ist es vergönnt, mit so viel Selbstironie sein Schicksal zu betrachten.

          Und damit kommen wir zu den Top 5 von hinten

          1. Uli Hoeneß
          2. Marco Reus
          3. Tim Wiese
          4. Luis Suarez
          5. Mahiedine Mekhissi-Benabbad
           




          Uli Hoeneß sprach immer nur von „einem Fehler“, den er begangen habe. Obwohl dieser Fehler sich auf Steuerhinterziehung in zweistelliger Millionenhöhe steigerte, glaubt er sich aber grundsätzlich immer noch auf der Seite der Guten. Dass Gier zu den sieben Todsünden gehört, sollte der gläubige Christ eigentlich wissen. Andererseits, wie soll „Vater Teresa“ vom Tegernsee geläutert werden, wenn sein ganzer FC-Bayern-Verein ihn auch noch anhimmelt, wenn er in der JVA Stadelheim einsitzt?

          Marco Reus nennt es eine „Dummheit“, als habe er ein einziges Mal etwas Verbotenes getan. Dabei sollte selbst dem offenbar etwas einfach gestrickten Fußball-Star bei seinem Leben auf der Überholspur irgendwann aufgefallen sein, dass er nie in seinem Leben eine Führerschein-Prüfung absolviert hat. Und dass das verboten ist. Dass er einen Werbevertrag mit einem Spielzeugwagenhersteller hatte - geschenkt. Aber dass er auch noch Fotos von sich in Rennfahrermontur nach einer rasanten Probefahrt postete - dämlicher geht es kaum noch.

          Tim Wiese kaschierte sein Machogehabe als Nationaltorwart noch mit rosafarbenen, hautengen Trikots, was ihm Spott und Anerkennung gleichermaßen einbrachte. Dass er aber nach seinem verpatzen Engagement bei der TSG Hoffenheim aus der Trainingsgruppe 2 in den Wrestlingring steigt, sich Dutzende Kilo Körpermasse antrainiert, aufpumpt oder einwirft, und das ganze offenbar auch noch ernst meint, das macht sprachlos.

          Luis Suarez unterscheidet von anderen Fußball-Stürmern, dass er seinen Torhunger nicht kanalisieren kann, wenn es mal nicht klappt und er sich notfalls in Gegenspieler verbeißt. Auch wenn ihm der Italiener Giorgio Chiellini nach der Fußball-WM längst verziehen hat und der Uruguayer seine lange Sperre abgesessen hat: Suarez ist ein Biss-chen unheimlich.

          Mahiedine Mekhissi-Benabbad wollte bei der Leichtathletik-EM einmal feiern wie ein Fußballer. Und so zog sich der Franzose bei seinem überlegenen Sieg über 3000 Meter Hindernis das Trikot über den Kopf. Dummerweise nicht hinter der Ziellinie, sondern schon 100 Meter davor. Beim Fußball hätte er dafür Gelb gesehen. Doch in der Leichtathletik herrschen strengere Gesetze. Er wurde disqualifiziert: Kein Trikot – kein Titel. Dumm gelaufen.

          Doch zum Schluss noch was Versöhnliches: das Comeback des Jahres

          Boris Becker. Der ehemalige 17-jährige Leimener war auf dem besten Weg dazu, sich von einer Legende des Sports in ein Gespött der Nation zu verwandeln, wurde zusehend dicker, trat in fragwürdigen Fernsehshows auf und schien alles, was er anfasste, von Gold in Blech zu verwandeln, ein umgekehrter König Midas in etwa. Und dann trat Novak Djokovic in sein Leben, einer der besten Tennisspieler dieser Zeit, und engagierte Becker – warum auch immer – für seinen Trainerstab. Boris war wieder in seinem Element und seiner Welt. Und gewann dank Djokovic 2014 seinen vierten Wimbledon-Titel. Herzlichen Glückwunsch!

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