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1. FC Kaiserslautern : Kurz-Schluss am Betzenberg

Vorzeitiges aus: Marco Kurz ist beim FCK beurlaubt Bild: dpa

Der 1. FC Kaiserslautern versucht es nun doch mit dem letzten Mittel: Der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga hat Trainer Marco Kurz von seinen Aufgaben entbunden. Ein neuer Mann ist noch nicht am Betzenberg angekommen.

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          16 Spiele ohne Sieg waren dann doch zu viel: Der 1. FC Kaiserslautern hat seinen Trainer Marco Kurz beurlaubt. Vorstandschef Stefan Kuntz teilte dem seit 2009 in der Pfalz angestellten und vertraglich bis 2013 gebundenen Fußballlehrer die Entscheidung am Dienstagvormittag in einem längeren Gespräch mit.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Nach der 1:4-Niederlage gegen den Schalke 04 und vielen intensiven Gesprächen sind wir zu der gemeinsamen Überzeugung gekommen, dass wir diesen Schritt vollziehen müssen“, sagte Kuntz zum Kurz-Schluss auf dem Betzenberg. „Dieser Schritt fällt uns allen sehr schwer, denn Marco Kurz hat sich immer komplett in den Dienst der Sache und des Vereins gestellt. Um aber wirklich jede denkbare Möglichkeit für den Klassenerhalt ausgeschöpft zu haben, müssen wir diesen Weg gehen.“

          Kurz wollte sich zu seiner Beurlaubung bislang nicht äußern. Noch am Sonntag nach der 1:4-Niederlage gegen Schalke 04 gab sich der Trainer kämpferisch, als er betonte, dass er noch „genug Kraft für die Situation“ in sich spüre.

          Bild aus glücklichen Tagen: Das Gespann Kuntz und Kurz bei der Aufstiegsfeier 2010
          Bild aus glücklichen Tagen: Das Gespann Kuntz und Kurz bei der Aufstiegsfeier 2010 : Bild: dpa

          Neben Kurz, der den Klub 2010 nach vier Jahren in der Zweitklassigkeit in die Bundesliga zurückgeführt hatte, wird auch sein Assistent Günther Gorenzel von seinen Aufgaben freigestellt.

          Die Trainingseinheit am Dienstagnachmittag leiteten interimsweise der bisherige Fitness-Trainer Oliver Schäfer und Torwarttrainer Gerald Ehrmann. Ein Nachfolger für Kurz soll nach Angaben des Klubs schnellstmöglich gefunden werden.

          Qualität der Mannschaft zu schlecht

          Die Lage ist freilich alles andere als aussichtsreich. Seit 16 Spielen wartet der FCK nun auf einen Sieg. Das ist Negativrekord in der ruhmreichen Geschichte des viermaligen deutschen Meisters. Die Geduld der Fans schwindet mehr und mehr, am Sonntag versuchten sich einige Unverbesserliche gar den Weg zum Kabinentrakt zu bahnen, um ihrem Unmut Luft zu machen.

          Vor allem aber weist sich mehr und mehr, dass der Klub schlicht und ergreifend mit einem der schwächsten oder womöglich gar dem schlechtesten Kader der Spielklasse agieren muss. „Vielleicht ist, was die Qualität der Mannschaft betrifft, einfach nicht mehr drin“, sagt Tiffert. Und auch der Aufsichtsratschef zeigte sich wenig zuversichtlich. „Wir haben einfach zu viele Schwachstellen“, sagt Dieter Rombach. „Ich persönlich glaube, dass es nicht am Trainer, sondern an der Qualität der Mannschaft liegt.“

          Nie eine Formation gefunden

          Dennoch versucht der viermalige deutsche Meister den dritten Abstieg nach 1996 und 2006 nun mit dem letzten Mittel abzuwenden. Der neue Trainer müsste vor allem ein Geheimrezept zur Behebung der chronischen Abschlussschwäche parat haben.

          Denn vor allem das Toreschießen bereitet den Pfälzern seit dem Abgang von Srdjan Lakic vor der Spielzeit Probleme. Bei derzeit 17 Treffern sind sie mit großem Abstand das ungefährlichste Team der Liga. Der im Sommer als Torjäger verpflichtete Israeli Itay Shechter und der im Winter aus Bremen nach Kaiserslautern gewechselte Sandro Wagner erfüllten die Erwartungen bei weitem nicht.

          Auch deshalb hat Kurz trotz zahlreicher personeller Rochaden zu keinem Zeitpunkt der laufenden Spielzeit ein Formation gefunden, der die Wende zum Guten zuzutrauen gewesen wäre. Zuletzt urteilten gar Spieler hinter vorgehaltener Hand, dass der Trainer ratlos sei.

          Für Vorstandschef Stefan Kuntz, der kürzlich eine erfolglose Transferpolitik eingestand, stellt sich nun die Frage, ob ein anderer Übungsleiter noch Lösungen finden kann in den verbleibenden acht Begegnungen. Der Trainermarkt gibt derzeit freilich nicht eben viele ausgewiesene Experten her, die das Pfälzer Himmelfahrtskommando leiten könnten und auch wollten.

          Kuntz, der die Fußballlehrerlizenz besitzt, hat eine Doppelfunktion ausgeschlossen. So werden die Namen ehemaliger FCK-Spieler wie dem derzeit bei Eintracht Braunschweig auf der Bank sitzenden Torsten Lieberknecht oder Franco Foda, der am Wochenende seinen Abschied von Sturm Graz bekanntgegeben hatte, als mögliche Nachfolger genannt.

          Mann mit Pfälzer Wurzeln: Braunschweigs Trainer Lieberknecht wäre ein Kandidat
          Mann mit Pfälzer Wurzeln: Braunschweigs Trainer Lieberknecht wäre ein Kandidat : Bild: dpa

          Eintracht Braunschweig teilte auf Nachfrage jedoch mit, dass der Klub davon ausgehe, dass Lieberknecht, der zur Zeit der Entlassung in Kaiserslautern in Braunschweig auf dem Trainingsplatz stand, seinen Vertrag erfülle. Foda sagte im Gespräch mit der F.A.Z., „keinen Kontakt“ mit seinem ehemaligen Klub zu haben.

          Der kürzlich in Hoffenheim beurlaubte Holger Stanislawski soll derweil nicht zu den Kandidaten zählen. In jedem Fall sucht der FCK nach Worten von Kuntz einen Trainer nicht nur für die acht letzten Spiele dieser Saison, sondern eine Lösung auch für einen Neuaufbau im Fall des Abstiegs.

          So oder so ist es die Mannschaft, die am kommenden Samstag in Freiburg den letzten Strohhalm ergreifen muss. „Das ist ein Alles-oder-nichts-Spiel“, sagt Kapitän Tiffert. Beim Tabellensechzehnten bietet sich dem FCK im direkten Duell die Chance, den Abstand auf den Relegationsplatz auf zwei Zähler zu reduzieren. Dafür ist freilich ein Sieg nötig, etwas, auf das die „Roten Teufel“ seit dem 22. Oktober vergangenen Jahres warten. Immerhin: Der Gegner hieß damals auch Freiburg.

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