https://www.faz.net/-gpc-7x53l

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Machtkampf beim „Spiegel“ : „Falscher Mann am falschen Ort“

In der Kritik: Noch-Chefredakteur Wolfgang Büchner Bild: AP

Kommt das Magazin „Spiegel“ zur Ruhe? Mitnichten. Jetzt redet der renommierte Reporter Cordt Schnibben Klartext. Und rechnet mit dem abgelösten Chefredakteur Wolfgang Büchner ab.

          2 Min.

          Das letzte Wort möchte jeder gerne haben. Vor allem in eigener Sache. Vor allem, wenn Dinge öffentlich hochgekocht sind. Vor allem, wenn es darum geht, Legendenbildung zu verhindern oder – zu betreiben. Wer war jetzt dafür verantwortlich, dass die Dinge beim „Spiegel“ so schief gelaufen sind? Der Chefredakteur Wolfgang Büchner, der zum Jahresende geht, oder die Redaktion, die sich mit überwältigender Mehrheit gegen ihn stellte? Folgt man dem „Spiegel“-Redakteur Cordt Schnibben, hat es an der Redaktion nicht gelegen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In einem sehr langen Facebook-Post rechnet Schnibben mit Büchner ab. Als dieser als Chefredakteur angetreten sei, schreibt Schnibben, habe er gedacht: „Der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Er war leider der falsche Mann zum richtigen Zeitpunkt am falschen Ort. Wir hätten einen Chefredakteur gebraucht, der die Redakteure mitnimmt, einbezieht, fordert, inspiriert. Der einen Plan hat zur Verbesserung des Heftes und der Website. Der die Redakteure von Print und Online von einem gemeinsamen Projekt überzeugt. Der zusammen mit den Redaktionen neue digitale Medien entwickelt.“

          Bekommen habe man „einen Chefredakteur, der Online und Print gegeneinander in Stellung gebracht hat, der Diskussionen mit Redakteuren großräumig vermied, der als journalistischer Inspirator weder bei Print noch bei Online auffiel, der sich um die Cover-Gestaltung des Heftes nur in Viertelstündchen widmete: So entstand mal eben ,Stoppt Putin jetzt!‘ und endete als Rüge vorm Presserat. Und dessen Digital-Strategie sich schnell erwies als Weg in zwei Sackgassen.“

          Den Anti-Büchner-Aufstand der Redaktion, die mitnichten ein Hort von Fortschrittverweigerern sei,  beschreibt Schnibben als Akt der Notwehr – gegen jemanden, dessen Digital-Strategie auch noch halbherzig, zaghaft und von gestern sei und der sich um den Kern des Ganzen – gute Geschichten - nicht gekümmert habe: „Da wehrte sich eine ganze Redaktion – zuletzt 91 Prozent aller Heftkollegen in einer Petition – dagegen, von einem Mann, der fehl am Platze war, ins Nichts geführt zu werden.“

          Wutrede mit Gewicht

          Das klingt eindeutig. Eindeutig vernichtend. So dass man sich wundert am Ende von Schnibbens Abrechnung die Anrede „Lieber Ove, lieber Wolfgang“ zu lesen. Ove - das ist der Geschäftsführer Saffe, der in spätestens einem halben Jahr geht. Wolfgang – das ist der Chefredakteur, der zum Jahresende weg ist. Was sie beide da zu lesen bekommen, ist so etwas wie ein beruflicher Nachruf.

          Als Stimme der Redaktion hat Cordt Schnibbens Wutrede Gewicht. Um das gesamte Bild der Vorgänge beim „Spiegel“ zu bekommen, muss man jedoch auch die Post berücksichtigen, die der Betriebsrat von „Spiegel Online“ am Donnerstag verschickt hat. Dort werden die Print-Kollegen aufgefordert, vom hohen Ross zu steigen und den Onlinern dieselben Rechte zuzugestehen, die sie selbst in Anspruch nehmen. Nur mit einer gleichberechtigten Redaktionsführung von Print und Online könne es weitergehen.

          Weitere Themen

          Gedenken und neue Homeoffice-Regeln

          F.A.Z.-Newsletter : Gedenken und neue Homeoffice-Regeln

          Deutschland gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus. Die Homeoffice-Verordnung tritt in Kraft. Und die EU-Kommission lädt Astra-Zeneca zur Krisensitzung. Der F.A.Z.-Newsletter

          Topmeldungen

          Astra-Zeneca ist Hersteller eines schon in mehreren Ländern zugelassenen Impfstoffs gegen Covid-19.

          Impfstoff-Hersteller : Chef von Astra-Zeneca weist Vorwürfe der EU zurück

          Die EU habe keinen Grund, über Lieferengpässe zu klagen, sagt Pascal Soriot. Brüssel habe erst spät unterschrieben, es gebe keine Pflicht für eine bestimme Menge. Meldungen, wonach der Astra-Zeneca-Impfstoff nicht bei Älteren wirke, bezeichnete er als „dummes Zeug“.
          Eine überwältigende Mehrheit der Republikaner im Senat steht hinter Donald Trump und hat gegen die Fortsetzung des Amtsenthebungsverfahren gegen ihn gestimmt.

          Verfahren gegen Trump : Fast alle Republikaner im Senat gegen Impeachment

          Nur fünf republikanische Senatoren stimmen mit den 50 Demokraten für den Fortgang des Amtsenthebungsverfahrens gegen den früheren amerikanischen Präsidenten. Die anderen halten es für verfassungswidrig. Damit wird eine Verurteilung extrem unwahrscheinlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.