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Schließung von Krankenhäusern : Kampf um die Grundversorgung

Die Klinik in Isny hat nicht viele Betten, aber diese werden gebraucht Bild: Müller, Verena

Kleinen Krankenhäusern auf dem Land geht es wirtschaftlich immer schlechter. Deswegen sollen viele geschlossen werden. Die Anwohner in Isny fürchten um ihre medizinische Grundversorgung und kämpfen für den Erhalt ihrer Klinik.

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          Ein Flachbau mit gelben Fensterrahmen schaut über den Schnee. Daneben stehen ein altes Bettenhaus und zwei mit Holzlamellen verkleidete Operationscontainer. Mehr ist nicht zu sehen. Mit seinen 19 Patientenbetten ist das Krankenhaus von Isny im Westallgäu wahrscheinlich das kleinste in Deutschland. Anfang des 19. Jahrhunderts hatten die Isnyer Geld für ein eigenes Krankenhaus gesammelt. Heute steht es finanziell so schlecht wie bei fast allen Krankenhäusern auf dem Land mit weniger als 200 Betten. „Strukturveränderungen im Westallgäu. Das Medizinische Versorgungszentrum bleibt im vollen Umfang für Sie leistungsbereit“ steht an der Tür der Klinik. Eigentlich sollte das Krankenhaus am 28. Februar geschlossen werden. Eine Gerichtsentscheidung und ein 43 Jahre alter Vertrag haben diese Pläne vorerst zunichtegemacht.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Seit zwanzig Jahren wehren sich die Bürger der prosperierenden Kleinstadt, in der zwei Waffenfabriken und ein bekannter Wohnmobilhersteller angesiedelt sind, gegen die Schließung. In den vergangenen zwanzig Jahren wurde das Krankenhaus gefühlt schon zwanzig Mal geschlossen und wieder gerettet. Auf den ersten Blick geht es um eine internistische Ministation, in Wahrheit aber geht es um das Unvermögen der Kommunalpolitiker, die Krankenhauslandschaft entsprechend den Vorgaben der Bundespolitik neu zu organisieren. Das Isnyer Krankenhaus gehört zum Oberschwaben-Klinikverbund, der das Geschäftsjahr 2011 mit einem Defizit von 8,6 Millionen Euro abschloss und 2017 etwa 20 Millionen Euro Verlust machen könnte, wenn nichts passiert.

          Klassische internistische Diagnosen verdienen kein Geld

          „Nein, eine Urologie haben wir hier nicht, da muss ich erst mal schauen, mit wem ich Sie verbinden kann“, spricht die Telefonistin an der Krankenhauspforte in den Hörer. Der Kiosk in der Empfangshalle ist mit grauen Vorhängen zugehängt. Auf einem Aushang des Fördervereins zum Erhalt des Standorts heißt es, der Verein habe sich erfolgreich für die „Anmietung eines Snackautomaten“ eingesetzt. Der Oberschwaben-Klinikverbund, die Klinikgesellschaft des Landkreises, hat den Isnyern einen großen Fernsehbildschirm in die Halle gestellt: „Dr. Beyer wird Chefarzt der Radiologie“, „Nico Prey wird Chefarzt der Neuro-Radiologie“, wird dort verkündet. Diese Meldungen aber betreffen das mit viel Geld umgebaute Klinikum in Ravensburg. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Ravensburg eine Tagesreise entfernt.

          Im ersten Stock des Krankenhauses befindet sich die einzige verbliebene Station. 17 Betten sind belegt. Herzinsuffizienz, Lungenentzündung, Hepatitis, akutes Asthma: Hier liegen Patienten mit klassischen internistischen Diagnosen, mit denen heute kein Krankenhaus Geld verdienen kann. Jedes fünfte deutsche Krankenhaus schreibt rote Zahlen, in Baden-Württemberg sogar jedes zweite. Gesundheitspolitiker glauben denn auch, dass in den nächsten Jahren zwanzig Prozent aller deutschen Krankenhäuser geschlossen werden müssen. In Berlin gelten die Krankenhausschließungen vor allem auf dem Land als ein „Megathema“ der nächsten Legislaturperiode. Isny ist ein besonders krasser Fall.

          Ausgemusterte Operationstische im stillgelegten Operationssaal von Isny

          „Das Krankenhaus Isny befindet sich in einem Teufelskreis“, hieß es kürzlich in einem Brief des Landkreises. Nur ist dieser Teufelskreis das Ergebnis von Politik. Innerhalb von zwei Jahrzehnten gelang es den verantwortlichen Politikern - vor allem dem früheren Landrat Guntram Blaser und dessen heute amtierendem Nachfolger Kurt Widmaier (beide CDU) - nicht, ihre Krankenhäuser erfolgreich umzustrukturieren. Den Landräten fehlte aber auch der Mut für die klare Entscheidung, Kliniken komplett zu schließen.

          Jetzt erst soll der defizitäre Klinikverbund durch die Schließung der kleinen Grundversorgungskrankenhäuser in Isny sowie in Leutkirch, wo es immerhin 68 Betten gibt, saniert werden. Darüber regen sich viele Bürger auf, sie fühlen sich schon heute medizinisch schlecht versorgt.

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