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: Schlaflos in der Antarktis

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FRANKFURT. Wellenberge knallen gegen die Bordwand und lassen den Rumpf erzittern. Mächtige Eisplatten, vom Radar nicht zu identifizieren, weil sie knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen, schieben sich in den Weg und beschwören eine Kollision geradezu herauf. Dicker Nebel macht die Fahrt durch den Sturm zu einem gefährlichen Blindflug.

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          FRANKFURT. Wellenberge knallen gegen die Bordwand und lassen den Rumpf erzittern. Mächtige Eisplatten, vom Radar nicht zu identifizieren, weil sie knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen, schieben sich in den Weg und beschwören eine Kollision geradezu herauf. Dicker Nebel macht die Fahrt durch den Sturm zu einem gefährlichen Blindflug. Wer sich diesen Naturgewalten ausliefert, muß echte Herausforderungen lieben. "Das ist wie russisches Roulette", sagt Meeno Schrader. Der Meteorologe sitzt in Kiel und dirigiert als sogenannter Router von seinem Büro aus eine der waghalsigsten Unternehmungen, gibt vom Schreibtisch sein ganzes Wissen, damit am Ende die Segelwelt einen neuen, verrückten Rekord feiern kann.

          Im Mittelpunkt dieser Jagd steht eine junge Frau, Ellen MacArthur, die sich in diesen Stunden mit ihrem mächtigen Trimaran durch die antarktische See kämpft, irgendwo zwischen Neuseeland und Kap Hoorn. "Hölle" wird die Gegend von Seglern genannt. Mitte kommender Woche könnte der äußerste Zipfel Südamerikas endlich umkurvt sein, dann geht's zum Schlußspurt durch den Atlantik. Wenn die Engländerin spätestens am 9. Februar um 7.04 Uhr die gedachte Start-Ziel-Linie im Ärmelkanal zwischen der Südspitze Cornwalls und der bretonischen Insel Quessant passiert, hätte sie die bestehende Bestmarke des Franzosen Francis Joyon gebrochen. Seine Zeit für die Nonstop-Weltumseglung ohne jegliche Begleitung steht bei 72 Tagen, 22 Stunden, 54 Minuten und 22 Sekunden. Im Moment hat Ellen Mac-Arthur mehr als vier Tage Vorsprung, aber die Bedingungen zehren an Körper und Geist, so schlimm, daß aus dem Munde der Seglerin erstmals bedenkliche Worte zu hören waren. "Ich bin völlig kaputt", gab sie per Satellitentelefon durch, "es sind die schlimmsten Segeltage meines Lebens."

          Acht Tonnen lassen sich bei den rauhen Verhältnissen im Südpazifik nur unter größten Mühen bändigen. Und die nur 1,60 Meter große Ellen MacArthur hat eigentlich die Figur einer Tänzerin. Wo sonst zwölf oder dreizehn Seeleute gemeinsam anpacken, muß die 25 Meter lange und 2,5 Millionen Euro teure Dreirumpfyacht ganz alleine auf Kurs gehalten werden. Fast 500 Quadratmeter Segelfläche können sie auf 55 Kilometer die Stunde beschleunigen, vom Gefühl ist das wie eine Fahrt im Rennwagen auf einer Holperpiste bei der Dakar-Rallye. Für die einen ist es ein höchst riskantes Vergnügen lebensmüder High-Tech-Freaks, andere verehren die Britin als "Königin der Meere" - auch Meeno Schrader.

          Ohne Experten im Hintergrund wäre die Rekordfahrt nicht möglich. Der Chef des Wetterdienstes "WetterWelt"aus Kiel, der selber als Segler schon die Weltmeere durchquert hat, faßt zu Hause alle verfügbaren Daten zusammen, vergleicht am Computer den Ist-Zustand mit atmosphärischen Vorausberechnungen und folgert daraus mit vier anderen Meteorologen aus den Vereinigten Staaten Wettervorhersage und Routenplanung. Das ist der Job. Alle sechs Stunden erhält die einsame Seglerin eine E-Mail mit den aktualisierten Empfehlungen, nach denen sie ihren Kurs bestimmt und den nächsten Zielpunkt anpeilt. Für Notfälle gibt es den Kontakt über Satellitentelefon. Aber die Männer am Computer sind nicht nur technische Ratgeber. "Ein bißchen bin ich auch Psychologe", sagt Schrader. "Ellen hat es zwar nicht dringend nötig, aufgemuntert zu werden, weil sie selber sehr ehrgeizig ist. Aber ich glaube, sie ist glücklich, wenn sie von uns ein paar positive Worte hört."

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