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Sanssouci Media Colloquium : Unsere Hoffnung heißt Europa

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Welche Zukunft haben Journalismus und Medienfreiheit? Das diskutierten die Teilnehmer des Internationalen Medienforums M100 in Potsdam-Sanssouci Bild: dpa

Wie kann das Internet zu einer neuen Heimat werden? Die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff ruft Europa beim Sanssouci Media Colloquium zum Fackelträger im Kampf gegen den Überwachungskapitalismus aus.

          Kann das Internet noch eine Heimat bieten? Wie werden wir dort in Zukunft leben, als Sklaven oder als Herren? Oder besser: Wer wird dort Herr und Sklave sein? Shoshana Zuboff wählte für ihre Eröffnungsrede beim Potsdam Media Colloquium kämpferische und pathetische Worte. Ihre Stimme zitterte für einen Augenblick, als sie des jüngst verstorbenen F.A.Z-Mitherausgebers Frank Schirrmacher gedachte, der diese „Debatte der Debatte“ vorangetrieben und die verborgenen Machtmechanismen in der Netzökonomie wie kein zweiter erkannt habe. Es gelte nun dieses Werk fortzusetzen, eine Aufgabe, die sich Europa stelle, Deutschland besonders, das in der kritischen Reflexion auf die Informationsökonomie die Vorreiterrolle übernommen habe.

          Das Potsdamer Kolloquium, das jedes Jahr einen erlesenen Kreis von Medienvertretern, Unternehmern und Politikern zum Gedankenaustausch nach Schloss Sanssouci lädt, hatte Big Data zum Thema der diesjährigen Diskussion gewählt. Die Harvard-Professorin Zuboff, die in der digitalen Debatte schon des öfteren ihre Stimme erhoben hat, rechnete in ihren einleitenden Worten mit einigen hartnäckigen Mythen der Netzdebatte auf, an erster Stelle die Mythisierung des Internets als Naturgewalt, wo es in Wirklichkeit um eine soziale Tatsache sei.

          Zuboff sprach von der klandestinen Umwandlung der Informationsökonomie in einen Überwachungskapitalismus. An seiner Quelle stehe die unvergütete und unbewilligte Abschöpfung der Daten, die Nutzer nichtsahnend im Netz hinterlassen, und die durch Big Data-Methoden systematisch monetarisiert werden. Mit massiven Gewinnen auf Unternehmerseite: Googles Werbeeinnahmen stiegen in fünf Jahren von 21 auf 50 Milliarden Dollar, um nur einen der großen Spieler auf diesem Markt zu nennen. Und massiven Souveränitätsverlusten der als unbezahlte Arbeitskräfte ausgebeuteten und ihrer Persönlichkeitsrechte beraubten Nutzer.  Möglich sei dieser Raub gewesen, weil die großen IT-Unternehmen die Nutzerdaten im  unbestellten Land des Internets mangels Widerspruch als ihre eigenen deklarieren konnten. Die neoliberalen Euphemismen wie kreative Zerstörung und disruptive Technologien hätten bei der Tarnung dieses Unternehmens ganze Arbeit. 

          Eine machtvolle Gegenerklärung

          Die Mythisierung, so Zuboff, setze sich fort, wenn heute von Big Data als einem ideologisch neutralen technischen Begriff geredet wird. Tatsächlich geht es hier darum, Individuen in Muster zu pressen und in einen Datenökonomie einzuspeisen, die, wenn sie in ihrer bisherigen Form weiterläuft, in eine neue Wüste führen würde.

          Zuboff forderte eine machtvolle  Gegenerklärung, im Schulterschluss mit den Informationsunternehmen, und legte ihre Hoffnungen dabei ganz auf Europa: „Europa muss die Fackel in die Hand nehmen und einen neuen Pfad in einen neue Heimat bahnen.“ Es reiche nicht, den Widerstand gegen den Überwachungskapitalismus an den Einzelnen zu delegieren.

          Sie schloss mit einem kämpferischen Plädoyer für einen digitalen Humanismus und gegen die modischen Abgesänge auf die Demokratie. Die Wahl ihrer Worte war deutlich: Sie sprach von Leibeigenschaft, Sklaverei, Ausbeutung – und dem Mut, ihnen die Stirn zu bieten. Das anschließende Kolloquium kam auf ihre bewegenden Worte noch häufig zurück.

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