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Russlands Premjer-Liga : Das rassistische Manifest

Keltenkreuze, Masken und Feuerwerk: Die Fans von Spartak machen Randale im Stadion von Jaroslawl in Russland. Bild: Picture-Alliance

Affenrufe und brennende Fahnen: Im russischen Fußball werden Schwarze und Kaukasier verhöhnt. Die Verantwortlichen bestrafen die Opfer.

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          Nur zwei Tage war Olga Kuskowa die „Miss Charme“ der Premjer-Liga, der ersten russischen Fußballspielklasse. Der 21 Jahre alten Unterstützerin von ZSKA Moskau, die den jährlichen Schönheitswettbewerb gewonnen hatte, wurden Einträge auf ihrer Seite in einem sozialen Netzwerk zum Verhängnis. Laut Medienberichten hatte sie dort unter eine Fotokombination aus einem Schokoladenriegel und schwarzafrikanischen Kindern in schmutziger Kleidung geschrieben, sie möge Schokolade, aber nach diesem Bild habe sie eine Abneigung dagegen entwickelt. Berichtet wurde auch von der Karikatur einer grinsenden Frau vor zwei Öfen mit dem Aufruf, Juden sowie Menschen aus dem Kaukasus zu verbrennen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Beide Einträge findet man mittlerweile nicht mehr auf der Seite, aber weiterhin ein Foto, auf dem Kuskowa vor nationalsozialistisch inspirierten Graffiti den rechten Arm zum Gruße hebt, sowie eines, auf dem sie unter der Überschrift „White Love“ ihren Partner küsst. Es gab Proteste, die Organisatoren erkannten Kuskowa den Titel ab. „Faschismus, Nationalismus und Rassismus“ toleriere man nicht, sagte ein Liga-Vertreter. Doch wird stark bezweifelt, ob die Verantwortlichen des russischen Fußballs tatsächlich genug gegen diese Phänomene unternehmen.

          Große Bedeutung rechtsextremer Gruppen

          Das Antidiskriminierungsnetzwerk Fare und die russische Nichtregierungsorganisation Sova-Zentrum haben diskriminierende und rechtsextremistische Vorfälle im russischen Fußball in den Spielzeiten 2012/2013 und 2013/2014 untersucht. Die Autoren fordern in ihrem Bericht vom Februar dieses Jahres einen „nationalen Aktionsplan“ gegen Rassismus. Zu groß sei die Bedeutung rechtsextremer Gruppen unter russischen Fans, zu vielen Übergriffen seien ethnische Minderheiten aus dem Kaukasus sowie schwarze Spieler ausgesetzt. Beispiele sind Legion. Spieler werden mit Bananenwürfen und Affenrufen verunglimpft, Flaggen kaukasischer Teams verbrannt. Der Bericht verweist auf ein „Manifest“ von Fans von Zenit Sankt Petersburg gegen homosexuelle und schwarze Spieler. Man könne neonazistische und neuheidnische Symbole als Accessoires in Online-Fanshops kaufen. Fare und Sova berichten auch über Online-Sammelaktionen von Fans für „weiße Helden“, die aufgrund rassischer Übergriffe bis hin zu Mord verurteilt wurden.

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          Doch werde, so der Bericht, im russischen Fußball Diskriminierung offiziell als eher geringes Vergehen gesehen, mit dem, wenn überhaupt, ungeschickt umgegangen werde. Die Fußballfunktionäre hätten zwar mit dem Innenministerium Ende 2011 Regeln vereinbart, die es Fans verböten, die „menschliche Würde der Teilnehmer der Veranstaltung und der Zuschauer“ herabzusetzen oder Hass zu säen. Einige Vereine hätten daraufhin Strafen zahlen oder Spiele ohne Publikum bestreiten müssen, weil Fans rechtsextreme Symbole gezeigt hätten. Doch reichten die Maßnahmen „klar nicht aus“, folgern die Autoren. Denn die Zahl der Vorfälle – 219 im untersuchten Zeitraum – sei nicht zurückgegangen. Das sei kein Wunder, wenn sich Trainer und Spieler mit Fans mit Hakenkreuz-Tätowierungen fotografieren ließen. Die Autoren schließen: „Rassistische Haltungen und rechtsextreme Ideen sind unter russischen Fußballfans verbreitet, und es ist unwahrscheinlich, dass sich die Situation in naher Zukunft wesentlich verbessert.“

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