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Rolling Stones : Das Ego-Management der Alphatiere

Keine Freunde, aber wie Brüder: Mick Jagger und Keith Richards Bild: dapd

Mick Jagger und Keith Richards standen vor exakt 50 Jahren zum ersten Mal mit den Rolling Stones auf der Bühne. Die beiden sind die erfolgreichsten Konfliktmanager der Musikindustrie. Was Unternehmenschefs vom Teamwork in der Band lernen können.

          Was haben die Unternehmen Daimler, Aldi und SAP gemeinsam mit den Rolling Stones? Auf den ersten Blick: Nicht viel. Auf den zweiten schon. Wie weit wäre Gottlieb Daimler ohne seinen genialen Konstrukteur Wilhelm Maybach gekommen? Wie weit hätten es die Essener Krämerladen-Erben Karl und Theo Albrecht ohne einander gebracht? Was wäre aus dem einst winzigen badischen Softwareunternehmen namens SAP geworden, ohne das Gründerkollektiv um Hasso Plattner und Dietmar Hopp an seiner Spitze?

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Und hätte die Welt jemals von der Nachwuchskapelle erfahren, die fast auf den Tag genau vor 50 Jahren - am 12. Juli 1962 - ihr erstes Konzert gab, wenn damals nicht Mick Jagger und Keith Richards auf der Bühne des Londoner Marquee Club gestanden hätten?

          Der Autobauer, der Supermarktriese, der Softwarekonzern und die Mutter aller Rockbands zählen in ihrem jeweiligen Geschäft zu den Marktführern - und alle sind sie leuchtende Beispiele dafür, wie gelungenes Teamwork Berge versetzen kann. In der Unternehmenswelt ist das eher selten. Es gibt den mächtigen Mythos des einsamen Genies an der Spitze: Einer muss der Chef sein und sagen, wohin die Reise geht. Autokraten wie der verstorbene Apple-Mitgründer Steve Jobs oder Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sind die Superstars unter den Konzernlenkern, die Fabelwesen der Chefetagen - verklärt, bewundert, gefürchtet. Dabei gibt es genügend Beispiele, wie Alleinherrscher furchtbar scheiterten: Wendelin Wiedeking mit Porsche, Thomas Middelhoff mit Karstadt, Maurice Greenberg mit dem amerikanischen Skandal-Versicherer AIG.

          Marathon-Männer des Ego-Managements

          Wenn es, wie jetzt bei der Deutschen Bank mit Anshu Jain und Jürgen Fitschen, zwei Chefs, aber nur ein Unternehmen gibt, weckt das bei vielen Beobachtern Argwohn: Wird das gutgehen? Mick Jagger und Keith Richards sind heute Ende sechzig und die beiden Chefs der Rolling Stones leiden seit Jahrzehnten aneinander. Aber ihr Zweckbündnis ist ein fabelhafter Beleg dafür, dass auch Alphatiere gemeinsam weiter kommen können als allein. Dauer und kommerzieller Erfolg der Interessengemeinschaft Jagger & Richards sind einzigartig in der Musikindustrie - und auch in weniger schnelllebigen Branchen eine Seltenheit. Sie sind die Marathon-Männer des effizienten Ego-Managements.

          Mick Jagger 1972: „Das Gehirn und das Maul der Band“

          Streit gab es ständig. Wenn man so lange zusammen sei, wie die Rolling Stones, „dann hast du Zeit, dir zu überlegen, was du alles am anderen nicht magst“, schreibt Richards lakonisch in seiner vor zwei Jahren veröffentlichten Autobiographie. Er beschreibt Jagger als einen inkompetenten Kontrollfreak, Jagger sah in Richards lange einen quasi geschäftsunfähigen Junkie. Chef wollten beide sein. Nichtige Anlässe lösten Erdbeben aus: Bei den Stones kam es zu Schreiduellen, weil Jagger, der Sänger, im Aufnahmestudio zur Gitarre griff.

          Aber am Ende standen sie immer wieder gemeinsam auf der Bühne und veröffentlichten neues Material. Die Stones haben 29 Studioalben aufgenommen. Die meisten Hits haben Jagger und Richards zusammen geschrieben. Wohl keine Band der Welt hat vor mehr Zuschauern gespielt. Ihre bislang letzte Konzertreise, die Bigger Bang Tour, brachte 2007 Bruttoerlöse von fast 600 Millionen Dollar ein - mehr als jede andere Tournee in der Musikindustrie bis dahin eingespielt hatte.

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