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Rolling Stones : Das Ego-Management der Alphatiere

Es gibt sie noch

„Im Grunde sind die Stones seit über zwei Jahrzehnten auf einer einzigen großen Ehrenrunde“, sagt der amerikanische Bluesmusik-Historiker und Grammy-Preisträger Elijah Wald. Ende der achtziger Jahre hatten sich Jagger und Richards nach einem schweren Zerwürfnis wieder zusammengerauft und konzentrierten sich von nun an auf immer gewaltigere Tourneen. „Sie haben früh den Rückgang im Tonträgerverkauf erkannt und stattdessen ins Livegeschäft investiert“, sagt Bernd Dopp, Zentraleuropa-Chef des amerikanischen Plattenkonzerns Warner Music und seit seiner Jugend ein glühender Verehrer der Stones.

Immer noch im Rampenlicht: Mick Jagger und die Rolling Stones
Immer noch im Rampenlicht: Mick Jagger und die Rolling Stones : Bild: dapd

Ihre letzte große Single haben die Stones 1981 mit „Start me up“ veröffentlicht. Relevant für die Jugendkultur waren sie auch damals schon nicht mehr. Heute läuft ihre Musik kaum noch im Radio. Die Verkaufszahlen ihrer alten und neueren Alben liegen weit unter denen der Beatles, die noch immer zu den Großverdienern im Tonträgergeschäft zählen. „Die musikalischen Fähigkeiten der Stones waren immer begrenzt, aber das, was sie tun, machen sie besser als irgendjemand sonst auf der Welt“, sagt Wald. „Wer geht schon auf ein Stones-Konzert, weil er ‚Satisfaction’ hören will? Man geht hin, weil sie die Rolling Stones sind.“

Die Erfolgsformel der Band ist so banal wie erstaunlich: Es gibt sie noch. Der britische Musikjournalist und Stones-Experte Paul Sexton hat Dutzende von Interviews mit den Bandmitgliedern geführt. „In dieser Band führt eine direkte Linie von 1962 bis heute“, sagt Sexton. „Sie stehen für Konstanz, und das ist ein knapper Rohstoff.“ Die Popmusikgeschichte ist voller tragischer Scheidungsfälle. John Lennon und Paul McCartney hielten es kaum mehr als zehn Jahre miteinander aus, Axl Rose und Slash von Guns N’ Roses auch nicht länger. Die Hitfabrik, die Robbie Williams gemeinsam mit dem Produzenten und Komponisten Guy Chambers betrieb, war schon nach fünf Jahren am Ende.

Auf Gemeinsamkeiten besonnen

Jagger & Richards haben sich dagegen auf ihre Gemeinsamkeiten besonnen. Beide lieben den schwarzen Blues, den Ruhm und das Geld. Sie sind reflektiert genug, um trotz aller Differenzen die Qualitäten des anderen wertzuschätzen. Sie sind bereit, das eigene Ego dem gemeinsamen kreativen und monetären Profit unterzuordnen. Freunde sind sie längst nicht mehr. Sie sind Brüder geworden. Freunde kann man sich aussuchen, Brüder nicht.

Die Stones beim Super Bowl in Detroit 2006
Die Stones beim Super Bowl in Detroit 2006 : Bild: dapd

„Der Erfolg hat sie aneinander gekettet“, sagt Fritz Rau, der greise König unter den deutschen Konzertveranstaltern. Rau kennt die Band seit Anfang der siebziger Jahre, als er ins südfranzösische Cap d’Antibes reiste, um mit ihnen über die Organisation einer Deutschland-Tournee zu verhandeln. Noch heute meldet sich Jagger einmal im Jahr bei dem inzwischen 82 Jahre alten Rau, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren.

Wann immer Jagger & Richards, die beiden ungleichen Geschäftspartner, versucht haben, voneinander loszukommen: Es ging schief. Als die Band 1985 kurz vor dem endgültigen Bruch stand, brachte Mick Jagger als erster ein Soloalbum heraus. „She’s the boss“ hieß die Platte, aber wer erinnert sich heute noch daran? Jaggers bislang letzter Flop ist das Album „Super Heavy“ aus dem vergangenen Jahr. Richards wiederum war mit seinen diversen Soloausflügen auch nicht erfolgreicher. Richtig gut sind sie nur zusammen. „Mick ist das Gehirn und das Maul der Band“, sagt der Konzertveranstalter Rau. „Aber Keith ist die Seele.“

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