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Baustelle Terminal 3 Aushub verpackt wie ein Bonbon

Der Erdaushub von der Baustelle des Terminals 3 des Frankfurter Flughafens bereitet den Anwohnern von Mörfelden-Walldorf Sorgen. Dort soll die mit Chemikalien belastete Erde zwischengelagert werden.

Von Markus Schug

Tiefgründig: Der Erdaushub von der Baustelle des Terminals 3 soll zwischengelagert werden.
© Francois Klein
Tiefgründig: Der Erdaushub von der Baustelle des Terminals 3 soll zwischengelagert werden.

Nichts hält länger als ein Provisorium. Deshalb ist man in Mörfelden-Walldorf auch auf der Hut, dass das geplante und vom Flughafenbetreiber Fraport AG für fünf Jahre beantragte Zwischenlager bloß nicht zur Dauerlösung wird. Dort soll mit polyfluorierten Chemikalien (PFC) belasteter Erdaushub von der Großbaustelle „Terminal 3“ übergangsweise aufbewahrt werden. Parallel dazu verhandelt das Unternehmen einem Sprecher zufolge aber auch schon mit mehreren Deponien darüber, ob und zu welchen Preis sie derart kontaminierte Erde annehmen würden.

Angesichts der zu entsorgenden Menge von bis zu 600.000 Kubikmetern belastetem Boden sowie Bauschutt geht es auf der Vier-Milliarden-Euro-Baustelle allerdings um ziemlich viel Aushubmaterial. Zumindest ein Teil davon dürfte deshalb für eine bestimmte Zeit auf der Gemarkung der Doppelstadt in Folien verpackt abgelegt und zwischengelagert werden. Obwohl diese Fläche, auf der vor zehn Jahren Bannwald gerodet wurde, laut Planfeststellungsbeschluss eigentlich als Platz für Luftfracht ausgewiesen ist, wie Thomas Winkler (Die Grünen), der Bürgermeister von Mörfelden-Walldorf, am Donnerstagabend, am 30. Januar, im Rathaus seinen Zuhören in Erinnerung rief. Etwa 150 Besucher waren zu der Infoveranstaltung „Wir und der Flughafen“ gekommen.

Verseuchter Boden eingeschweißt in Folien

Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren für das im Süden des Airports vorgesehene temporäre Bodenlager. Dort soll Erdreich hingebracht werden, das zu Zeiten des bis 2005 betriebenen amerikanischen Luftwaffenstützpunkts „Rhein-Main Air Base“ vor allem durch den Einsatz von Speziallöschmitteln verunreinigt wurde. Laut der noch bis 6. Februar in den beiden Rathäusern der Stadt ausliegenden Unterlagen geht es konkret um ein etwa 470 mal 160 Meter großes Areal, das von einer Zugangsstraße für Lastwagen in zwei etwa gleich große Lagerflächen unterteilt würde. Dabei dürfte das Material bis zu 24 Meter hoch aufgeschüttet werden. Eine flüssigkeitsundurchlässige Asphaltdecke soll verhindern, dass die langlebigen organischen Schadstoffe, also per- und polyfluorierte Chemikalien, mit dem Regen ins Grundwasser gelangen. Das zusammengeschweißte Foliengebilde könne man sich dann wie einen „eingepackten Bonbon“ vorstellen, sagte Katharina Diergarten, die im Auftrag der Stadt eigens noch einen PFC-Spezialisten als Referenten eingeladen hatte: Volker Zeisberger vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie in Wiesbaden.

Zwischenlager oder spezielle Deponien

Grundsätzlich sei das beabsichtigte Vorgehen wohl ein „probates Mittel“, um die aus Löschschäumen stammenden toxischen Mittel zu binden, so die vorherrschende Meinung auf dem Podium. Zumindest für jene Bürger, deren Häuser kaum einen Kilometer vom ausgewählten Standort entfernt stünden, seien die mit der Lagerung verbundenen Bewegungen – geschätzt könnten es rund 90.000 An- und Abfahrten von Lastwagen sein – allerdings durchaus eine zusätzliche Belastung. Außerdem hält man in Mörfelden-Walldorf wenig davon, einen solchen Ablageplatz zu genehmigen, so lange es kein klares Entsorgungs- und Sanierungskonzept gebe; also nicht feststehe, wann und wo die für Mensch und Umwelt schädlichen Stoffe tatsächlich beseitigt werden sollen. Genau diese Angaben müsse das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt deshalb vorab vom Flughafenbetreiber und Bauherrn des neuen Terminals einfordern.

Vielleicht, so sagte der Erste Beigeordnete des Kreises Groß-Gerau, Walter Astheimer (Die Grünen), werde am Ende ja gar kein Zwischenlager mehr gebraucht. Ihm jedenfalls sei signalisiert worden, dass Fraport überlege, das Erdreich möglichst direkt in dafür ausgelegte Deponien zu bringen. Eine Option, die beim Bürgergespräch am Donnerstag manchen hörbar aufatmen ließ. Dass dies die beste Lösung wäre, bestätigte am Freitag zwar auch das Unternehmen. Noch seien die Gespräche und Verhandlungen darüber jedoch im vollen Gange. Deshalb müsse weiterhin zweigleisig geplant werden.