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Zwischen Gelnhausen und Hanau : Hoffen auf besseren Lärmschutz

Soll vor Zuglärm schützen: Das Element einer Schallschutzwand in Lampertheim Bild: dpa

Demnächst wird sich der Bundestag mit der Frage befassen, wie die Bahnstrecke zwischen Hanau und Gelnhausen ausgebaut werden soll. Das Projekt wird ziemlich teuer.

          Voraussichtlich bis zum Jahresende wird der Bundestag einen Grundsatzbeschluss über die Finanzierung des Bahnausbaus auf dem Abschnitt zwischen Hanau und Gelnhausen treffen. Das hat die Bahn beim jüngsten Treffen des Dialogforums zur Begleitung des Bahnprojekts mitgeteilt; in dem Projekt geht es darum, die Strecke von Frankfurt bis Fulda/Würzburg zu ertüchtigen. Bahnvertreter stellten den Mitgliedern die Unterlagen vor, die sie dem Bundesverkehrsministerium übergeben werden, damit sich dessen Mitarbeiter auf die parlamentarische Beratung zu dem Streckenabschnitt vorbereiten können.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Geplant ist, die 23 Kilometer lange Trasse zwischen Hanau und Gelnhausen durchgängig viergleisig auszubauen. Das betrifft vor allem die Strecken von Hailer-Meerholz nach Gelnhausen und von Hanau nach Hanau-Wolfgang, die derzeit nur zweigleisig sind. Der Rest der Strecke ist dreigleisig und braucht deshalb nur ein zusätzliches Gleis. Die neuen Schienen können entlang der bestehenden Route verlegt werden, wobei die schnellen Züge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 230 Kilometern in der Stunde auf zwei Gleisen in der Mitte und die Regionalzüge sowie die Güterzüge mit bis zu 160 Kilometern in der Stunde auf den beiden äußeren Gleisen fahren sollen.

          Mehr Geld für Barrierefreiheit

          Wie viele Millionen Euro der Ausbau des Abschnitts einmal kosten wird, hängt auch davon ab, welche Forderungen aus den Kommunen und dem Kreis, etwa nach einem barrierefreien Ausbau aller Bahnstationen und nach einem verbesserten Lärmschutz, der Bund zu akzeptieren bereit sein wird. Den Wunschkatalog wird die Bahn dem Bund vorlegen. Danach würden sich die Kosten für den Schallschutz von veranschlagten 95,6 Millionen Euro um fünf Millionen auf 100,6 Millionen Euro erhöhen. Hinzu kämen weitere zirka 21 Millionen Euro, falls die Lärmschutzwände ansprechend gestaltet würden, etwa mit viel Grün und Lichtfenstern.

          Die Kosten für den barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe entlang der Strecke würden von 28,6 Millionen Euro auf 47,8 Millionen Euro steigen. Betroffen wären die Bahnhöfe in Hanau, Wolfgang, Rodenbach, Langenselbold, Niedermittlau, Hailer-Meerholz, Gelnhausen und Lieblos.

          Offen für das Nachrüsten des Lärmschutzes

          Im Main-Kinzig-Kreis sind die Verantwortlichen seit einem Gespräch zwischen der Kreisspitze und führenden Bahnvertretern im Frühjahr optimistisch, dass das Projekt verwirklicht wird. Die Bahn zeige sich offen für das Nachrüsten des Lärmschutzes auch entlang der schon bestehenden Strecke sowie für einen barrierefreien Ausbau der Bahnstationen, hieß es im März aus dem Kreishaus.

          Mit Blick auf Hanau will die Bahn dem Bundesverkehrsministerium zur Vorlage an den Bundestag empfehlen, die Knotenfunktion zu erhalten und die Anzahl der ICE-Verbindungen im Hauptbahnhof zu erhöhen. Als Voraussetzung für die ICE-Halte nennt die Bahn eine möglichst kurze Fahrzeit zwischen Hanau und Fulda, damit sich auch die Fahrzeit zwischen Frankfurt und Fulda verkürzt. Das wiederum hängt auch von der Trassenwahl für die Neubaustrecke zwischen Gelnhausen und Würzburg/Fulda ab. Das Verfahren für diese Strecke wurde von der Planung für den Abschnitt zwischen Hanau und Gelnhausen abgekoppelt, da dort der Trassenverlauf entlang der vorhandenen Strecke schon feststeht.

          Anschluss an die Schnellbahnstrecke

          Die Entscheidung über die Vorzugsvariante für den Ausbau von Gelnhausen an gab die Bahn im Juni bekannt. Die ausgewählte Variante IV setzte sich gegen die nördlich entlang des Vogelsbergs verlaufende Variante VII durch. Die bevorzugte Variante sieht nun einen Verlauf zum Teil entlang der bestehenden Eisenbahnstrecke und der Autobahn 66 vor, bevor die Gleise in einen zehn Kilometer langen Tunnel führen, der den Anschluss an die Schnellbahnstrecke Fulda–Würzburg herstellt.

          Umstritten ist bei dieser Variante vor allem der Plan, den Kinzigstausee mit einer Brücke zu überspannen. Beim jüngsten Treffen des Dialogforums Hanau–Würzburg/Fulda, dem zweiten nach der Bekanntgabe der Variantenauswahl durch die Bahn, standen die Ergebnisse von zwei Gesprächen der Bahn und Gutachtern des Main-Kinzig-Kreises sowie der Gemeinde Kalbach im Mittelpunkt, die im kommunalen Auftrag die Variantenvergleiche bewertet hatten. Wie ein Sprecher des Dialogforums mitteilte, stellten die Gutachter fest, dass die von der Bahn gewählte Methode fachlich geeignet sei, um die Varianten qualifiziert zu vergleichen. Die Kritik daran habe sich vor allem deshalb ergeben, weil die Bewertungsergebnisse in der Juni-Sitzung des Dialogforums vereinfacht und komprimiert vorgestellt worden seien.

          Die Gutachter der Bahn werden in den nächsten Monaten eine ausführliche Unterlage erstellen, die dann noch einmal von allen geprüft werden kann, wie der Sprecher weiter sagte. Alle Gutachter kämen zu dem Ergebnis, dass sowohl die Variante IV als auch die Variante VII geeignet seien. Da für die Gutachter der Bahn aber keine eindeutig bessere Variante zu ermitteln sei, werde die Bahn angesichts der volkswirtschaftlichen und verkehrlichen Vorteile mit der Variante IV als Antragsvorschlag in das Raumordnungsverfahren gehen und den Vorschlag beim Regierungspräsidium Darmstadt als zuständiger Behörde einreichen. Allerdings werde sich die Raumordnungsunterlage nicht auf die Darstellung der Variante IV beschränken, sondern die Daten und Bewertungen aller 13 Varianten erhalten.

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