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Neuer Stadtteil : Zwischen Autobahn und Stromtrassen

Nicht vor unserer Nase: Viele Bürger am nordwestlichen Stadtrand lehnen den neuen Stadtteil ab. Bild: Michael Braunschädel

Soll Frankfurt tatsächlich einen neuen Stadtteil auf Feldern am Stadtrand bauen? Das Thema prägt den Wahlkampf für das Oberbürgermeisteramt.

          Krankenpfleger, Polizisten, Feuerwehrleute und Studenten dürfen sich jetzt schon freuen. Wie auch immer der neue Oberbürgermeister von Frankfurt heißen wird, nach der Wahl sollte die Wohnungssuche für diese Berufsgruppen ein Klacks sein. Die fünf aussichtsreichsten Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt wollen nämlich besonders diese und ähnliche Berufsgruppen mit bezahlbarem Wohnraum versorgen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir brauchen Wohnraum für die Krankenschwester, den Senioren, die Facharbeiterin, den Studenten“, fordert etwa Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD). Seine Herausforderin Bernadette Weyland (CDU) will „auch der Polizistin und dem Krankenpfleger“ eine bezahlbare Wohnung anbieten. Der unabhängige Kandidat Volker Stein verspricht, für „Polizisten, Feuerwehrleute und Pflegekräfte“ neuen Wohnraum zu schaffen. Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) will „besonders für Studierende bezahlbare Unterkünfte schaffen“. Nur Janine Wissler (Die Linke) pickt sich keine Berufsgruppen heraus, sondern fordert von der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG ganz allgemein, zu 80 statt wie bisher 40 Prozent Sozialwohnungen zu bauen. Da wird auch für Polizisten, Krankenpfleger und Studenten sicher etwas dabei sein.

          Bürgerwiderstand gegen neuen Stadtteil

          Alle Kandidaten versprechen also, im großen Stil neue Wohnungen zu bauen. Wo diese entstehen sollen, das sehen sie allerdings unterschiedlich. Das Ringen um die besten Argumente in der Wohnungspolitik manifestiert sich im Streit um den neuen Stadtteil. Die Stadtverordneten haben im Dezember mit den Stimmen von CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken beschlossen, zu prüfen, ob auf Äckern zwischen Niederursel und Praunheim auf Frankfurter Seite sowie den Nachbarstädten Steinbach und Oberursel neue Wohn- und Gewerbegebiete gebaut werden können. 8000 bis 12000 Wohnungen könnten dort entstehen, falls die planerischen Hindernisse wie die Autobahn 5 und drei Hochspannungsleitungen überwunden werden können. Vom Widerstand der Bürger in den angrenzenden Stadtteilen und Nachbarkommunen ganz zu schweigen.

          Parteiübergreifend haben die fünf größten Fraktionen im Stadtparlament dem neuen Stadtteil zugestimmt. Das hindert manche Kandidaten nicht daran, eine ganz eigene Position zu dem Vorhaben zu beziehen. Kein Thema hat die Gemüter vor der Oberbürgermeisterwahl so erhitzt wie die Pläne für den neuen Stadtteil am nordwestlichen Stadtrand. Über keinen Punkt wurde so erbittert gestritten, bis weit über die Stadtgrenze hinaus. Denn dieses Projekt betrifft nicht nur Frankfurt, sondern auch die Nachbarn Steinbach, Oberursel und Eschborn jenseits der Stadtgrenze.

          Feldmann nimmt das Ergebnis der Prüfungen schon vorweg. Für ihn steht jetzt schon fest, dass im Nordwesten von Frankfurt „ein neuer lebenswerter Stadtteil“ entstehen wird. Mit 11 000 Wohnungen, die zu 40 Prozent mit Fördermitteln subventioniert werden sollen, wie er sagt. Auch Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Gewerbe verspricht der Amtsinhaber. „Wir bauen diesen neuen Stadtteil, damit sich alle Menschen das Leben in Frankfurt leisten können“, sagt er und setzt ein Ausrufezeichen dahinter. Auch gegen den Widerstand der Nachbarstädte will Feldmann das Projekt realisieren – die Stadt habe das Recht, auf eigener Gemarkung zu bauen.

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