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Neuer Stadtteil : Zwischen Autobahn und Stromtrassen

Weyland widerspricht der eigenen Fraktion

Seine Herausforderin Weyland hingegen sieht das Vorhaben differenziert. Vor der A5, also auf der Frankfurt zugewandten Seite, will sie die bestehenden Stadtteile erweitern. Den Sprung über die Autobahn aber lehnt die CDU-Bewerberin ab und widerspricht damit ihrer eigenen Römer-Fraktion. Zur Begründung sagt sie, dass sie das Projekt „politisch für nicht mehr durchsetzbar“ halte, denn die angrenzenden Taunusgemeinden sind für den Vorschlag nicht zu haben. Außerdem hält Weyland die Autobahn, die von acht auf zehn Spuren ausgebaut werden soll, für ein unüberwindbares Hindernis. Sie will stattdessen mehr Wohnhäuser aufstocken und Dachgeschosse ausbauen. Und sie setzt beim Wohnungsbau auf die Region.

Nicht immer erwies sich die CDU-Kandidatin in der Debatte um den neuen Stadtteil inhaltlich als sattelfest. Die Hochspannungsleitung beispielsweise verortete sie „hinter“ der Autobahn, also auf der Steinbach zugewandten Seite. Das stimmt nicht ganz. Es gibt drei Leitungen an dieser Stelle, sowohl vor als auch hinter der Autobahn. Die mit 380 Kilovolt stärkste und störendste Stromtrasse liegt allerdings auf der Frankfurt zugewandten Seite. Falls die Regierung in Wiesbaden ihren Entwurf zum Landesentwicklungsplan nicht mehr korrigiert, müssen Wohngebiete zu diesen Strommasten einen Sicherheitsabstand von 400 Metern einhalten, sofern das Kabel nicht unter die Erde verlegt werden kann. Eine Bebauung der Felder wäre dann nicht nur „hinter“ der A5 erschwert, sondern auch davor.

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Für eine Grünen-Politikerin ist das Votum der Kandidatin Eskandari-Grünberg für den neuen Stadtteil bemerkenswert pragmatisch. Die Bewerberin verteidigt, dass der Stadtteil auf fruchtbaren Äckern in der Kaltluftschneise gebaut wird, denn sie meint, dass der Wohnungsmarkt dringend entlastet werden muss. „Wir müssen die Realität sehen: Diese Stadt wächst und wächst“, sagt sie. Wer neu nach Frankfurt komme, der finde kaum noch eine bezahlbare Wohnung. Falls sie Oberbürgermeisterin wird, will sich Eskandari-Grünberg dafür starkmachen, dass eine Internationale Bauausstellung die Planung des Stadtteils im Nordwesten begleitet.

Volker Stein, der als unabhängiger Kandidat antritt, aber ein Parteibuch der doch eigentlich wachstumsfreundlichen FDP besitzt, die im Stadtparlament das Vorhaben der schwarz-rot-grünen Koalition auch unterstützt, lehnt das Projekt aus klimatischen Gründen ab. „Der Klimawandel hat sich verschärft. Man muss dafür sorgen, dass Frankfurt hier nicht zugebaut werden kann“, sagt er und pflanzte gemeinsam mit einer Bürgerinitiative einen Apfelbaum auf den Feldern vor der Nordweststadt. Stein träumt stattdessen von einem neuen Stadtteil auf dem Rebstockgelände westlich des Europaviertels, das allerdings ohnehin schon größtenteils mit Wohnungen verplant ist.

Wissler, die Bewerberin der Linken, schließlich hält einen neuen Stadtteil ebenfalls für nötig, um den Wohnungsmarkt zu entlasten. Sie findet, dass in Frankfurt die „falschen“ Wohnungen gebaut werden. Zu viel Luxusappartements, zu wenige günstige Mietwohnungen. „Warum muss die ABG Geld verdienen?“, fragt Wissler provokant. So ist der Stadtteil im Nordwesten das umstrittenste Thema des Wahlkampfs und zugleich ein Beispiel dafür, warum die Stadt kaum noch wachsen kann: Es gibt keine Flächen mehr, die nicht mit Konflikten behaftet sind.

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