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Doppelfund in Giessen : Eine Fliegerbombe entschärft, die zweite kontrolliert gesprengt

Fundstück: Noch immer liegen viele Weltkriegsbombe in Deutschland vergraben - ein Exemplar ist auf einem Gießener Gelände entdeckt worden Bild: dpa

Auf dem Gelände des früheren Depots der amerikanischen Streitkräfte in Gießen sind binnen einer Stunde zwei Weltkriegsbomben unschädlich gemacht worden. Eine Bombe war deutscher Herkunft. Sie musste gesprengt werden.

          Auf dem Gelände des früheren Versorgungsdepots der amerikanischen Streitkräfte in Gießen sind gleich zwei Weltkriegsbomben am späten Montagabend unschädlich gemacht worden. Eine der beiden Bomben konnte entschärft werden. Der zweite und größere Sprengkörper musste gesprengt werden.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie die Stadt Gießen auf ihrer Homepage mitteilt, war die 50 Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe gegen 23 Uhr entschärft, eine knappe halbe Stunde später haben Feuerwerker den 250 Kilogramm schweren Sprengkörper aus deutscher Produktion kontrolliert in die Luft gejagt. Im Laufe der Nacht sollten die Anwohner, die ihre Wohnungen verlassen mussten, wieder dorthin zurückkehren  können.

          Weiträumige Sperrung

          Bauarbeiter hatten die Sprengkörper am Nachmittag gefunden. Im Umkreis von 1000 Metern um die Fundstellen mussten mehrere Gebäude geräumt werden, darunter auch Betriebe. „Das ist schwierig, denn es ist ein großes Gebiet, die Erstaufnahmeeinrichtung eingeschlossen“, sagte eine Sprecherin der Stadt zu FAZ.NET während der Räumung am Abend. Rund 2500 Anwohner sind betroffen. Teilweise waren Dolmetscher notwendig. Seit 22 Uhr war die Evakuierung aber abgeschlossen. Die Polizei überwachte das Gebiet zudem von einem Hubschrauber aus.

          Es sind schon am Nachmittag Meldungen im Umlauf gewesen, nach denen eine Bombe seit dem Nachmittag schon entschärft sei. Dem widersprach aber die Stadt Gießen auf Anfrage. Erst nach der Evakuierung haben die Fachkräfte des Kampfmittelräumdienstes des Darmstädter Regierungspräsidiums die Entschärfung der kleineren der beiden Sprengkörper in Angriff nehmen können.

          Eine Bombe deutscher Herkunft

          Laut Stadt Gießen konnte die dickere der beiden Bomben nicht entschärft werden, sie musste vielmehr gesprengt werden. Begründung: Das deutsche Fabrikat sei zu deformiert.

          In der Nähe des Geländes hatten Bauarbeiter vor gut zwei Monaten schon eine Fliegerbombe entdeckt. 200 Anwohner mussten ihre Wohnungen und Häuser daraufhin verlassen.

          Die Stadt rief alle Anwohner mit Autos auf, die Fahrzeuge aus dem Evakuierungsgebiet zu entfernen. Begründung: „Durch die Sprengung kann es zu Beschädigungen durch Splitter kommen.“ Eine Schulsporthalle dient als Notquartier. Insgesamt seien 280 Einsatzkräfte im Einsatz.

          Wegen der Entschärfung und der Sprengung ist die nahegelegene Autobahn etwa von 20 Uhr an beidseitig gesperrt gewesen. Die Gießener Polizei hatte dies frühzeitig auf dem Kurznachrichtenkanal Twitter gemeldet. Ortskundige sollten die Gegend weiträumig meiden.

          Einst Hunderte Arbeitsplätze

          Im Tagesverlauf hatte schon eine Meldung aus Westhessen für Aufsehen gesorgt. Dort war in der Nacht durch eine Explosion auf einem Acker ein Krater entstanden. Wie sich herausstellte, war eine Weltkriegsbombe explodiert. Die Weltkriegsbombe bei Limburg-Ahlbach habe sich durch einen Langzeitzünder selbst entzündet, hieß es.

          Das sogenannte US-Depot wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eingerichtet und von den Amerikanern bis Ende August 2007 betrieben. Während es Bosnien-Kriegs in den neunziger Jahren und den beiden Golfkriegen versorgten die Amerikaner viele ihrer dort eingesetzten Soldaten von Gießen aus. Mit seinen 500 Arbeitsplätzen bot es Beschäftigung vor allem für gering qualifizierte Männer und Frauen aus der Region.

          Früher ein Verkehrsflughafen

          Vor der Übernahme durch die Amerikaner beherbergte das Gelände den Verkehrsflughafen in der Stadt, der im Krieg wie die Kernstadt bombardiert wurde. Das erklärt den Bombenfund. Gießen war seinerzeit schon seit langem Garnisonsstadt und regionaler Verkehrsknotenpunkt. Dass allerdings eine Bombe deutscher Herkunft ist, hat auch in Gießen viele überrascht, wie die Stadtsprecherin weiter sagte.

          Die Stadt hat auf ihrer Homepage eine Liste der Straßen veröffentlicht, deren Anwohner die Gebäude verlassen müssen.

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