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Gendergerechte Sprache : Weder geeignet noch erforderlich und schon gar nicht angemessen

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Durch zwanghaftes Gendern verarmen und misshandeln die ­Universitäten die Sprache. Dienen sie damit wenigstens dem Fortschritt? Ein Beweis für den Nutzen der Sprachklempnerei müsste erst einmal erbracht werden.

          5 Min.

          Niemand vermisst das Fräulein. Die Gesellschaft braucht keinen eigenen Begriff mehr, um unverheiratete Frauen zu bezeichnen, und der Diminutiv hat etwas Abwertendes – ein Mann vor dem Eintritt in den Ehestand war kein Männlein, sondern ein Junggeselle. Es ist uns aber auch nicht bekannt, dass an einer deutschen Universität vor der Lektüre von E. T. A. Hoffmanns „Fräulein von Scuderi“ schon einmal eine Trigger-Warnung ausgesprochen worden wäre. Der Abschied von diesem Wort hat sich ohne hitzige öffentliche Debatte vollzogen, es ist einfach ausgestorben. Es sagt auch keiner mehr Para­pluie zum Regenschirm, so wie einst, als nicht Englisch, sondern Französisch en vogue war. Sprache wandelt sich, das ist der Lauf der Welt.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Den Studenten aber, den vermissen wir schon jetzt. Kaum eine Uni-Präsidentin, praktisch keine Hochschulpressestelle benutzt diesen Begriff noch, sei es aus tiefer Überzeugung oder nur aus Furcht, bei Zuwiderhandlung umgehend eine Protestnote des AStA oder der Gleichstellungsbeauftragten zu erhalten. Auch in den Fernseh- und Radionachrichten gibt es bald nur noch Studierende. Der Student stirbt aus, obwohl weder sein Status verschwindet noch in dem Wort eine Abwertung liegt. Dass auch ein Handwerksmeister, der sich nach Feierabend in Nietzsches Werke versenkt, ein Studierender ist, aber eben kein Student – diese feinsinnige Unterscheidung interessiert die Gender-Mainstreamer nicht. Sprache wandelt sich, aber nicht jeder Wandel bewährt sich, und mancher verdient es, bekämpft zu werden.

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