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Zuwanderung in Hessen : Migration bleibt Dauerbrenner

  • -Aktualisiert am

Bereichert das gesellschaftliche Zusammenleben: Hessen stehen Migration positiv gegenüber. Bild: dpa

Eine große Mehrheit der Hessen steht der Zuwanderung grundsätzlich positiv gegenüber. Und auch die in das Land zugewanderten Menschen fühlen sich immer mehr mit Hessen verbunden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Sozialministeriums.

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          Die hessische Bevölkerung sieht Zuwanderung als Bereicherung für unsere Gesellschaft. Das hat Hessens Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) am Montag mitgeteilt und bezog sich damit auf die Ergebnisse der Studie „Meinungsbilder 2020“, die auf der repräsentativen telefonischen Befragung von 1000 Erwachsenen im Jahr 2019 basiert.

          Die Befragung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund war vom hessischen Ministerium für Soziales und Integration in Auftrag gegeben worden und belege, dass 63 Prozent der Befragten die Zuwanderung als wichtig für den Wirtschaftsstandort einschätzen würden. Knapp 75 Prozent seien der Meinung, dass die Migration das gesellschaftliche Zusammenleben bereichere, sagte Klose. „Unser Bundesland ist bei Zuwanderern beliebter denn je und wir sind in vielen Branchen auf ausländische Fachkräfte angewiesen“, konstatierte der Minister.

          Die Umfrage des Ministeriums zeige zudem, dass die Hessen die Zuwanderung auch generell begrüßten. So hätten sich 82 Prozent für das Einwandern von hochqualifizierten Fachkräften ausgesprochen, aber auch 81 Prozent für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen. Jedoch nur etwa die Hälfte der Hessen ist mit der Immigration von gering qualifizierten Wirtschaftsflüchtlingen nach Hessen einverstanden. Dabei bleiben die Themen um Asyl, Migration und Integration Dauerbrenner für die Hessen, von denen 80 Prozent angaben, dass sie sich für diese Themen stark interessieren. „Obwohl gerade die Fluchtzuwanderung uns vor viele Herausforderungen stellt, begreifen die befragten Hessen sie auch als Chance“, kommentierte Klose die Ergebnisse und ergänzte: „Rund zwei Drittel sehen Geflüchtete langfristig als kulturelle Bereicherung und sind der Meinung, dass Deutschland weiterhin Flüchtlinge aufnehmen sollte, auch wenn andere EU-Länder ihre Grenzen für Asylsuchende schließen.“

          Eine Bedrohung für den Wohlstand?

          Eine interessante Erkenntnis ist es, dass 44 Prozent der befragten Menschen, die selbst einen Migrationshintergrund haben, in der Anzahl der aufgenommenen Flüchtlinge eine Bedrohung für den Wohlstand in Deutschland sehen. Bei Umfrageteilnehmern ohne Migrationshintergrund waren es hingegen nur 26 Prozent. 79 Prozent der Umfrageteilnehmer äußerten zudem die Befürchtung, dass Zuwanderung zu gesellschaftlichen Konflikten führe und 70 Prozent haben Angst, dass die Zuwanderer den Arbeitsmarkt belasten.

          In der Umfrage des Sozialministeriums wurden frühere Ergebnisse mit heutigen Aussagen verglichen. Demnach hätten noch im Jahr 2011 rund 62 Prozent der befragten Menschen mit Migrationshintergrund die Ansicht geäußert, dass die hessische Gesellschaft genug dafür tue, um Zuwanderer erfolgreich zu integrieren. Diese Meinung verträten bei der aktuellen Umfrage nur noch 56 Prozent aller Befragten, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Ein detaillierter Blick in die Ergebnisse zeigt allerdings, dass 64 Prozent der Zugewanderten diese Meinung auch noch in der aktuellen Befragung äußerten.

          Allerdings sei diese Aussage bei früheren Studien in den Jahren 2011 und 2014 „deutlich positiver bewertet“ worden. „Der Zeitvergleich zeigt teilweise eine leicht steigende Skepsis gegenüber Zuwanderungen und Integration – übrigens auch von Migranten selbst, die das Thema durchaus kritisch beurteilen“, meint Klose. Er forderte daher: „Wir müssen uns auch deshalb weiterhin und noch stärker um eine aktive Willkommens- und Anerkennungskultur bemühen.“ Aber nur ein Drittel der Befragten ist der Meinung, dass Zuwanderer selbst genug tun, um sich erfolgreich zu integrieren.

          Erstmalig wurden in der Studie Aussagen differenziert nach Migrantengenerationen untersucht. Eines der auf diese Weise gewonnenen Ergebnisse sei, dass sich die Kinder von Zugewanderten mehr mit Deutschland verbunden fühlten als ihre Eltern. Dies wertete der Minister als Beleg dafür, dass Hessen auf einem guten Weg sei und dies „Integrationsfortschritte vermuten“ lasse.

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