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Zustimmung der Unesco : Koblenzer Seilbahn darf bis 2026 betrieben werden

Darf weiterfahren: die Seilbahn bei Koblenz gefährdet nicht den Welterbe-Status. Bild: dpa

Die Koblenzer Seilbahn über den Rhein darf bis zum Jahr 2026 Fahrgäste zwischen der Uferpromenade und der Festung Ehrenbreitstein befördern. Die Unesco hatte zuvor Kritik geäußert.

          Das Land Rheinland-Pfalz hat in Kambodscha einen Erfolg erzielt: Die Koblenzer Seilbahn über den Rhein darf bis zum Jahr 2026 Fahrgäste zwischen der Uferpromenade und der Festung Ehrenbreitstein befördern. Das Unesco-Welterbekomitee hat auf seiner 37.Tagung in Phnom Penh einer Verlängerung bis zum Ende der technischen Betriebsdauer zugestimmt. Parallel dazu hat die Unesco gleich zwei kostbare Schriften und ein Archiv aus Hessen zum Weltdokumentenerbe erhoben. Das Lorscher Arzneibuch, die Bestände des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen und die Goldene Bulle in Frankfurt sind bei einer Konferenz in der südkoreanischen Stadt Kwangju in die Liste „Memory of the World“ aufgenommen worden.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Kulturstaatssekretär Walter Schumacher (SPD) übermittelte als Mitglied der deutschen Delegation die Nachricht zur Seilbahn gestern aus Asien an die Landesregierung. Es gebe eine klare Entscheidung und keine Vertagung, kommentierten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Kultusministerin Doris Ahnen gestern die Nachricht. Das sei ein großer Erfolg für die Welterbestätte Oberes Mittelrheintal. Es sei richtig gewesen, bei der Tagung „auf bewährte Kontakte, Hintergrundgespräche und Argumente zu setzen“. Damit seien der Auftrag des Kabinetts und die Forderungen des Landtages erfüllt worden. Es sei sogar mehr erreicht worden, als die Stadt Koblenz vorgeschlagen habe.

          Keine Frist für den Abbau

          Der Beschlussvorschlag für das Unesco-Welterbekomitee durch den Internationalen Rat für Denkmalpflege hatte hingegen den Abbau der Seilbahn bis zum Frühjahr verlangt, weil die Bahn die Authentizität und Integrität des Tals verletze und weil Rheinland-Pfalz die Genehmigung nur für die Zeit unmittelbar vor, während und nach der Bundesgartenschau 2011 beantragt habe.

          Nach Angaben von Schumacher, der auch Regierungsbeauftragter für die Welterbestätten in Rheinland-Pfalz ist, bleibt es beim Thema „Sommerrodelbahn auf der Loreley“ allerdings bei der Empfehlung, diese wieder abzubauen. Die Unesco habe dafür allerdings keine Frist gesetzt, weil eine Abbauverfügung derzeit rechtlich nicht durchsetzbar sei. Die Rodelbahn habe eine rechtskräftige Genehmigung. Die weitere Empfehlung der Unesco, auf dem Loreley-Plateau keine große Hotelanlage zu genehmigen, stimme mit der Haltung der Landesregierung überein. Grundsätzlich sei ein Hotelbau aber möglich.

          „Eine goldrichtige Entscheidung“

          Schumacher erwartet, dass Forderungen vor allem aus Koblenz, auf den Welterbetitel zu verzichten, nun verstummen. Dies wäre eine internationale Blamage gewesen. Nun gebe es einen internationalen Erfolg. Das sieht der Welterbe-Dezernent im Rheingau-Taunus-Kreis, Karl Ottes (FWG), ähnlich. Er sei froh, dass „diese vernünftige Lösung“ gefunden worden sei. Sie nütze dem Welterbetal und trage zu seiner Attraktivität bei. Vor allem aber seien dem Tal ein Konflikt über den Welterbestatus und eine mögliche Zerreißprobe erspart geblieben.

          Der Mainzer Innenminister Roger Lewentz (SPD) lobte am Mittwoch „eine goldrichtige Entscheidung“. Die Koblenzer und die vielen Touristen hätten sich mit Erfolg für die Seilbahn ausgesprochen. Bedauerlich sei aber der geforderte Abbau der Sommerrodelbahn, die sehr gut angenommen werde. Das Rheintal müsse sich auch mit Welterbe-Prädikat weiterentwickeln können und dürfe nicht „im Stillstand unter einer Käseglocke verharren“.

          Auszeichnung für Kassel?

          Auch zu den Auszeichnungen als Weltdokumentenerbe gab es freudige Reaktionen. „Wir haben mit diesem Erfolg gerechnet“, sagte der Leiter der Welterbestätte Lorsch, Hermann Schefers. Das Buch werde zwar in der Staatsbibliothek Bamberg aufbewahrt, auch bringe der Titel dem Kloster keine direkten Fördermittel ein. Die Auszeichnung erhöhe aber die Aufmerksamkeit nicht nur für Lorsch, sondern auch für die Bedeutung der Arbeit des Klosters. „Die Entscheidung der Unesco dokumentiert die geistige Bedeutung eines der wichtigsten Klöster der Karolingerzeit“, sagte Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) laut Mitteilung.

          Ähnliche Erwartungen werden beim Suchdienst im Landkreis Waldeck-Frankenberg gehegt: „Dies ist eine große Ehre und wird sicher ein noch größeres Interesse an dieser unfassbaren Sammlung über die nationalsozialistische Verfolgung hervorrufen“, sagte Direktorin Rebecca Boehling. Das Archiv umfasst rund 30 Millionen Dokumente zum Holocaust, zu Zwangsarbeit und zur Verfolgung von Minderheiten in Nazideutschland. Die Unesco-Liste umfasst den Angaben zufolge nun 299 Einträge, 17 aus Deutschland.

          Am Wochenende könnte Hessen eine weitere Auszeichnung der Unesco erhalten. Die Stadt Kassel hat sich um den Titel Welterbe für den Bergpark Wilhelmshöhe mit dem Herkules und den Wasserspielen beworben. Die Entscheidung wird in Phnom Penh gefällt.

          mit LHE

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