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Das Verbraucherthema : Als Kassenpatient auf der Privatstation

  • -Aktualisiert am

So schön kann Krankenhaus sein: ein Einzelzimmer auf der Komfortstation im Krankenhaus Nordwest Bild: Marcus Kaufhold

Krankenhäuser bieten Extraleistungen wie Einbettzimmer auch gesetzlich Versicherten an, aber die Preise dafür sind hoch. Lohnt sich eine Zusatzversicherung? Das Verbraucherthema.

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          Ein Krankenhausaufenthalt ist in der Regel kein Vergnügen. Allzu oft ist er mit quälender Ungewissheit und Schmerzen verbunden, mit faden Mahlzeiten, Mehrbettzimmern und wildfremden Bettnachbarn. Besser ergeht es Privatpatienten: Sie liegen meist auf einer eigenen Station in Ein- oder Zweibettzimmern. Für die Behandlung schaut nicht der Assistenzarzt, sondern der Chefarzt vorbei.

          Doch auch gesetzlich Versicherte müssen nicht auf die beste Versorgung im Krankenhaus verzichten. Kliniken bieten ihre Wahlleistungen, die über das medizinisch Notwendige hinausgehen und von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen werden, grundsätzlich allen Patienten an. Die Preise sind jedoch hoch und schwanken je nach Krankenhaus, Station und Raumkomfort stark. Das zeigt eine Umfrage unter den Frankfurter Krankenhäusern.

          Während die Unterbringung in einem Einbettzimmer im Universitätsklinikum maximal 82,92 Euro je Übernachtung kostet, kann der Preis in einem der kleineren, aber oft auch komfortableren Krankenhäuser bei bis zu 150 Euro liegen. Wer sich also auf keinen Fall dem Risiko eines schnarchenden oder müffelnden Zimmergenossen aussetzen möchte, muss als Kassenpatient tief in die eigene Tasche greifen. Für ein Zweibettzimmer wird ein Zuschlag von immerhin noch 30 bis 60 Euro verlangt.

          Welche Tarife häufig angeboten werden

          Eine Alternative zum Selbstzahlen bieten Zusatzversicherungen. Sie werden von den gesetzlichen Krankenkassen in Kooperation mit privaten Versicherern angeboten und decken je nach Vertrag die Kosten für die gewünschten Sonderleistungen im Krankenhaus ab. „Wenn man sich als gesetzlich Versicherter auf einer Privatstation besser aufgehoben fühlt, empfehlen wir eine Zusatzversicherung“, sagt Daniela Hubloher, Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale Hessen.

          Grundsätzlich wird bei stationären Zusatzversicherungen zwischen einem Wahlleistungs- und einem Restkostentarif unterschieden. Während der eine lediglich die Kosten für bestimmte Wahlleistungen - meist für ein Ein- oder Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung - abdeckt, umfasst der andere weitere Leistungen, etwa spezielle Reha-Behandlungen, die Mitaufnahme einer Begleitperson oder einen Telefon- und Internetanschluss auf dem Zimmer.

          Die monatliche Beitragshöhe richtet sich neben dem Leistungsumfang nach dem Alter und der Gesundheit des Versicherten. Ein 60 Jahre alter Diabetiker zahlt somit deutlich mehr als ein Fünfunddreißigjähriger ohne chronische Leiden; Schwerkranke lehnt die Versicherung mitunter ab. Außerdem gibt es für viele Zusatzversicherungen ein Höchsteintrittsalter. Wer sich also entsprechend absichern möchte, sollte das tun, bevor er zu alt oder krank dafür ist. Hubloher rät, die Fragen im Versicherungsantrag ehrlich zu beantworten, sonst könne der Versicherer den Vertrag anfechten und Zahlungen noch Jahre später zurückfordern.

          Von Policen ist abzuraten

          Welcher Tarif der richtige ist, muss jeder selbst entscheiden, wobei der teuerste nicht automatisch der beste ist. Für eine gesunde Person mittleren Alters kostet eine stationäre Zusatzversicherung, die von Stiftung Warentest oder einem seriösen Vergleichsportal empfohlen wird, zwischen 35 und 60 Euro im Monat. Einige Versicherer bieten umfangreiche Restkostentarife auch für weniger als 30 Euro an.

          Abzuraten ist von Policen, die lediglich bei Unfällen oder schwerer Erkrankung greifen. Der Regelhöchstsatz für privatärztliche Behandlungen (3,5-facher Satz) sollte in jedem Fall abgedeckt sein. Wichtig ist zudem, dass der Versicherer auf das ordentliche Kündigungsrecht verzichtet. Sonst kann er den Vertrag innerhalb der ersten drei Jahre kündigen, und der Patient muss die Behandlungskosten im schlimmsten Fall selbst begleichen.

          Eine Garantie auf eine Wahlleistung im Krankenhaus besteht aber auch mit einer Zusatzversicherung nicht. Die Vergabe der Leistungen richtet sich nach Bedarf und Kapazität. Die Nachfrage nach Einzelzimmern sei oft größer als das Angebot, heißt es etwa beim Klinikum Höchst. Ist die Klinik überbelegt und ein anderer Patient muss wegen Ansteckungsgefahr isoliert werden, muss man sein Einzelzimmer womöglich sogar wieder verlassen und in ein Mehrbettzimmer umziehen. Allerdings zahlen die meisten Versicherungen in solchen Fällen zumindest eine Entschädigung, auch dann, wenn der Versicherte freiwillig auf Zusatzleistungen verzichtet.

          Vorsicht bei der Einweisung geboten

          Die Frage, ob sich eine Zusatzversicherung für den Patienten lohne, sei letztlich erst im Krankheitsfall zu beantworten und müsse deshalb nach den eigenen Bedürfnissen entschieden werden, sagt Hubloher: „Wenn es dem Patienten nur um ein Ein- oder Zweibettzimmer geht, kann er das unter Umständen auch selbst bezahlen. Nicht aber die Chefarztbehandlung, denn die ist für die meisten unbezahlbar.“ Das liegt daran, dass bei einer solchen Wahlarztbehandlung nicht nur der Chefarzt, sondern zudem der Röntgenarzt und der Anästhesist selbst bezahlt werden müssen - und zwar nach der teureren privatärztlichen Gebührenordnung. Das kann schnell fünfstellige Beträge kosten.

          Hubloher warnt deshalb, man solle vorsichtig sein, was man bei der Einweisung ins Krankenhaus unterschreibe. Manchmal würden Zusatzleistungen unwissentlich angekreuzt, weil der Patient die Lesebrille nicht dabei habe oder verwirrt sei. Wenn dann Wochen später die Rechnung komme, sei der Schrecken groß. Dass der Patient beim Ausfüllen des Formulars vielleicht gar nicht zurechnungsfähig war, ist später meist nicht mehr nachzuweisen.

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