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Zusammenarbeit mit Einzelhandel : Die willkommene Paketshop-Vermehrung

Pakete im Anglershop: Der Angelbär an der Frankfurter Braubachstraße ist seit August DHL-Partner. Bild: Fricke, Helmut

Wer seine Weihnachtspäckchen auf die Reise schicken will, findet dafür immer öfter einen Paketshop in der Nähe. Mit Porto sollte man sich aber auskennen.

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          Plötzlich sind es vier. Früher konnte der Frankfurter Nordend-Bewohner seine Päckchen und Retouren, wenn er sich den Schlangen in der Filiale der Deutschen Post an der Saalburgallee nervlich nicht gewachsen sah und in seiner Nähe bleiben wollte, nur zu Zoo-Gärtner an die Berger Straße gehen, vorausgesetzt, er hatte bei einem Hermes-Partnerunternehmen bestellt oder wollte mit diesem Paketdienstleister versenden. Seit kurzem hat der Verbraucher auch zwei DHL- und eine GLS-Annahmestelle in direkter Nachbarschaft - und, rein logistisch gesehen, ist ihm vor Weihnachten jetzt nicht mehr bang.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie angekündigt, hat die Post in Hessen 600 neue Paketshops in Kiosken und anderen Geschäften wie Bäckereien, Tankstellen oder Reinigungen eingerichtet, davon 100 in Frankfurt. Sie können nicht sehr viel, das heißt, die Mitarbeiter frankieren nur zwei Formate - das Päckchen bis zwei und das Paket bis zehn Kilogramm. Fertig frankiert, werden aber alle Pakete angenommen. Briefmarken gibt es auch, und attraktive Öffnungszeiten mitunter bis spät in die Abendstunden sowieso.

          Vom Nachbar zum Kunden

          Für die Geschäfte bedeutet das zwar nur ein kleines Zusatzgeschäft. Zoo-Gärtner etwa, der nach eigenen Angaben meist frequentierte Hermes-Partnershop in Frankfurt, bekommt 40 Cent pro Paket. GLS zahlt 50 Cent und die Deutsche Post nach Angaben des Anglergeschäfts Angelbär, der seit August DHL-Paketshop ist, 40 Cent für Retouren, 20 Cent für Päckchen und 40 Cent für Pakete. Hauptsächlich profitieren die Partner, indem sie Nachbarn als Kunden gewinnen, die sonst nicht den Weg ins Geschäft gefunden hätten. Für ein Spezialgeschäft wie Angelbär hat die Partnerschaft außerdem den Vorteil, dass eigene Sendungen den Kunden schneller erreichen. Der Paketbote kommt einmal am Tag.

          Auch andere Dienstleister arbeiten daran, ihr Netz zu verdichten, und versuchen auch schon mal einen Konkurrenten abzuwerben. Beim Hermes-Partner Zoo-Gärtner hat es DHL schon zweimal versucht. DPD will die Zahl der Annahmestellen im nächsten Jahr bundesweit von derzeit 5000 auf 8000 ausbauen. GLS plant nach eigenen Angaben einen Ausbau „an geeigneten Standorten bei Bedarf“. Zum Vergleich: Die Deutsche Post hat bundesweit 36 000 Paketshops, Hermes 14 000. Wie das Netz der Logistiker aktuell aussieht, erfahren Verbraucher über die Eingabe der Postleitzahl auf der Homepage des jeweiligen Unternehmens.

          8 Millionen Pakete pro Tag

          Manche der Anbieter sind womöglich bekannt, weil Zusteller dort in der Vergangenheit schon einmal Sendungen deponierten, wenn der Empfänger nicht zu Hause war. Kurioserweise wurde so bei DHL ein Versender von Büroartikeln in der Nachbarschaft, der inzwischen GLS-Partner ist, auf der Abholkarte zum „Wunschnachbarn“. Das könne nur ein Versehen sein, sagt ein Sprecher der Post. Den Wunschnachbarn bestimme der Kunde in der Regel selbst. Im Internet findet man meistens gut aufbereitete Informationen zu Preisen und vorgeschriebenen Abmessungen für die Frankierung. Nur GLS schwächelt in diesem Punkt. Ohne Anruf in der Servicestelle hätten wir die Preise nicht gefunden. Bei UPS ist uns dies trotz Anrufs, nicht gelungen, weshalb der Anbieter auch nicht in der Tabelle auf dieser Seite steht. Die Liste zeigt: Kleine Weihnachtsgeschenke wie CDs, Gürtel oder Schals lassen sich mit dem online-frankierten Hermes-Päckchen (3,80 Euro) am günstigsten versenden. 50 Euro sind in diesem Fall versichert; anders als beim kleinsten und günstigsten Format von DHL, das zwar größer sein darf, aber längst nicht so schwer. Eine deutlich bessere Haftung bei kleinen Paketformaten bieten DPD und GLS.

          Paketversender im Vergleich

          Der Versand ist das eine. Die noch viel größere Herausforderung für Paketdienstleister ist freilich die Zustellung - gerade in der Weihnachtszeit, wenn zu den regulären Online-Einkäufen die im Internet bestellten Geschenke noch hinzukommen. Bis zu acht Millionen Sendungen sind das bei DHL an einzelnen Tagen. Nicht immer ist ein netter Nachbar in der Nähe, der im Ruhestand und bereit ist, seine Wohnung zur Päckchen-Auffangstation umzufunktionieren. Nicht jeder mag den Gang zur Packstation, die eine gute Lösung für Berufstätige ist. Daher basteln die Anbieter an neuen Lösungen.

          Bei DHL ist es etwa bereits jetzt möglich, Wunschtermine mit einem Zeitfenster von drei bis fünf Stunden festzulegen. Dieses soll nach Angaben eines Sprechers im ersten Quartal nächsten Jahres auf zwei bis drei Stunden optimiert werden. Auch bei DPD sollen Empfänger demnächst zum Regisseur der Zustellung werden, indem sie die Zustellung auf eine Stunde genau festlegen können. DHL-Kunden haben zudem schon jetzt die Möglichkeit, Wunschtage, Wunschnachbarn und -Filialen festzulegen, ebenso wie einen Wunschort auf dem eigenen Grundstück, der nicht einsehbar, aber für den Briefträger frei zugänglich sein muss. Für diesen Service muss man sich bei der Post anmelden und erhält dann wie im Fall der Packstation eine Post-Nummer, die bei der Bestellung in Adress-Zusatzfeldern eingetragen werden muss. Die sind in den meisten Bestellmasken vorgesehen. Ad hoc für die Weihnachtspost noch so einen Service einzurichten, hält der Post-Sprecher jedoch nicht für ratsam, da die Anmeldung Vorlaufzeit brauche. „Das klappt vermutlich nicht mehr vor Weihnachten.“

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